Die Vollkommenheit des hl. Meßopfers

Geliebte Gottes!

Außer den Fragen, die wir bisher bezüglich der hl. Messe betrachtet haben und welche sich auf das Wesen, die Vorbilder, die Einsetzung, den Wert und die Früchte des hl. Meßopfers bezogen haben, wären noch manche andere Fragen übrig, die mit Nutzen betrachtet werden könnten: Fragen etwa über den Meßaufbau und die Teile der hl. Messe; über den schier unerschöpflichen Reichtum und Sinn ihrer Zeremonien; über den hl. Ort zur Feier der hl. Messe; über die Bedeutung der hll. Gewänder, die der Priester bei der hl. Messe trägt; über die Gebete des Meßbuches und über den Sinn der lateinischen Kultsprache, in welcher sie gebetet oder gesungen werden. Um Ihnen jedoch durch eine ausufernde Darlegung nicht zur Last zu fallen, wollen wir all diese Fragen, deren Beantwortung ohnehin teilweise bereits angeklungen sind, übergehen und zum Abschluß dieser Predigtreihe nur noch einer letzten nachgehen. Nämlich der Frage: Warum ist die hl. Messe das vollkommenste aller Opfer? Die Antwort lautet: Die hl. Messe ist deshalb das vollkommenste aller Opfer, weil sie das vollkommenste Lobopfer, das vollkommenste Dankopfer, das vollkommenste Bittopfer und das vollkommenste Sühneopfer ist.

Das vollkommenste Lobopfer

Die hl. Messe ist das vollkommenste Lobopfer. Dies ist die erste und wesentlichste Pflicht, die wir als Geschöpfe dem Schöpfer gegenüber zu erfüllen haben: Das Lob Gottes! Die Ehre und Verherrlichung Gottes! – Diese Pflicht ist so tief begründet, daß sie alle Geschöpfe angeht, die vernünftigen und die unvernünftigen, die geistigen und die körperlichen, die himmlischen und die irdischen. Diese Pflicht hat Bestand, solange die Welt besteht, und wird darüber hinaus ewig fortdauern. Denn Gott hat alles, was Er geschaffen hat, zu Seiner eigenen Ehre geschaffen. Der erste Zweck der Schöpfung ist das Lob Gottes. Deshalb kann es von diesem Gesetze keine Dispens geben. Nicht einmal Gott selbst könnte es aufheben, eben weil Er Gott ist. – Das Gesetz des Gotteslobes wird erfüllt von der unvernünftigen Kreatur. Jedes Blatt, das im Frühjahr grünt, sich im Herbst verfärbt, welkt und zur Erde fällt, sagt: Wie weise und schön ist Gott! Jede Woge des Meeres, die steigende und die fallende, sagt: Wie groß ist Gott, der Schöpfer des Meeres! Die Gestirne des Nachthimmels rufen: Wie unermeßlich groß ist Gott! Jede Tier ruft: Wie unvorstellbar kunstfertig und genial ist der lebendige Gott! Dasselbe kann man von allen unvernünftigen Geschöpfen mit Recht behaupten. Sie alle loben Gott, indem sie die in sie eingeschaffenen Gesetze Gottes, die Naturgesetze, „gehorsam“ erfüllen. – Auch die vernünftigen Geschöpfe verherrlichen Gott. Einige unfreiwillig. Etwa die Verdammten in der Hölle. Alle Flammen der Hölle sagen: Wie gerecht ist Gott, der die Sünder straft! – Doch es gibt auch viele Menschenherzen und Menschenlippen auf Erden, die Gott freiwillig loben. Und erst recht im Himmel! Dort wird der ewige Lobgesang Gottes von den Chören der hll. Engel und von den Scharen der Seligen gesungen: „Heilig, heilig, heilig bist du, Gott der Heerscharen, denn durch Deinen Willen ist alles gemacht.“ Wovon aber wird Gott am vollkommensten geehrt? – Vielleicht käme uns zuallererst die unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter Maria in den Sinn, die ihren Gott und Schöpfer im Himmel lobt, und deren Loblied gewissermaßen alle Chöre der Engel und alle Heiligen übertönt. Aber doch noch mehr wird Gott geehrt im Opfer der hl. Messe. – Es ist ein Gotteslob nicht in Worten, sondern in der Tat. Da verbeugt sich der ewige Sohn vor dem himmlischen Vater, der Wesensgleiche vor dem, mit dem Er Eins ist in der Gottheit. – Wie tief ist diese Verbeugung? Bis zur Erde. Bis auf den Altar. Bis in die Hände eines Sünders. Bis unter die Gestalten von Brot und Wein. – Und wie lange verharrt Er in dieser demütigen Stellung? Tag und Nacht. Jahraus jahrein! – Welch unendliche Ehre und Verherrlichung erwächst Gott daraus! Hier wird Gott endlich so geehrt, wie Er geehrt zu werden verdient – nämlich in unendlichem Maß! – Was soll unser Lob im Vergleich mit dieser Ehre? Was sollen alle Worte der Sünder zusammen, was soll aller Lobpreis der Engel, was sollen alle Gaben, die wir Gott sonst darbringen könnten, im Vergleich mit dem Opfer des Eingeborenen, des ewigen Gottessohnes? Sie sind nichts im Vergleich dazu! – Wenn man die ganze Erde mit der Sonne und mit allen Sternen, ja wenn man den ganzen Kosmos zusammenfassen und wie ein einziges Weihrauchkörnchen zur Ehre Gottes verbrennen könnte, es wäre noch immer nichts im Vergleich zu der Ehre, die Gott erwiesen wird durch Seinen göttlichen Sohn im hl. Meßopfer. Es ist wirklich und unbestreitbar das vollkommenste Lobopfer.

Das vollkommenste Dankopfer

Die hl. Messe ist außerdem das vollkommenste Dankopfer. Dank ist man demjenigen schuldig, von dem man Wohltaten empfangen hat. Die lateinische Sprache kennt kein Wort für „umsonst, kostenlos“. Um den Umstand auszudrücken, daß eine Wohltat erwiesen wird ohne eine entsprechende Gegenleistung zu fordern, wird das Wort „gratis“ gebraucht. Auch wir kennen diese Wort. Hingegen nicht seine wörtliche Bedeutung. „Gratis“ bedeutet wörtlich „um Dank“. In der Perspektive der alten Römer ist der Dank also die allermindeste Gegenleistung, welche in jedem Fall zu leisten ist. Billiger geht nicht. – Für die kleinste Gefälligkeit erweist man sich deshalb dankbar, wenigstens durch einen freundlichen Blick oder ein Wort des Dankes. – Bedenken wir wohl, wie groß die Summe des Dankes ist, den wir Gott schuldig sind. Seine Wohltaten sind so zahlreich, daß wir sie nicht zählen können. So groß, daß wir in Ewigkeit nicht hinreichend dafür danken können. Leibliche Wohltaten und geistige, natürliche Wohltaten und übernatürliche, vergangene und zukünftige, zeitliche und ewige. Wohltaten, die darin bestanden, daß Gott uns vor großen Übeln verschont, uns aus Gefahren befreit, von uns größeren Schaden abgewendet hat. Und noch andere Wohltaten, die darin bestanden, daß Er uns Seine Güter mitteilte. Schauen wir um uns: Alles, was wir sehen am Himmel und auf Erden, sind Geschöpfe und zugleich Wohltaten Gottes, die uns zum zeitlichen Wohl und zum ewigen Heile gereichen sollen. – Schauen wir in uns: Die unsterbliche Seele, von Gott persönlich geschaffen, einem jeden von uns ganz einzigartig gegeben. – Schauen wir hinab in die Unterwelt: Der Abgrund der Hölle, vor dem Er uns bewahrt hat. – Schauen wir hinauf in die Herrlichkeit Gottes: Das ewige Leben, die Anschauung Gottes von Angesicht zu Angesicht und die daraus erwachsende ewige Glückseligkeit, zu der Er uns berufen hat. – Welche Gegenleistung könnte all dieser Wohltaten würdig sein?

Hinzu kommt, daß Er uns diese Wohltaten erwiesen hat aus reiner, uneigennütziger Liebe: ohne Berechnung, ohne einen Vorteil für Sich und ohne jedes Verdienst unsererseits. Ja ohne jeden Anspruch, den wir Ihm gegenüber geltend machen könnten. – Und was dem ganzen noch die Krone aufsetzt: Bedenken wir, daß Er all diese Wohltaten einem unwürdigen Geschlecht von Sündern erwiesen hat und fortwährend erweist. – Noch einmal: Womit könnten wir solche Wohltaten würdig vergelten? – Der junge Tobias hatte damals dieselbe Frage gestellt, als er seinem greisen Vater nach seiner glückliche Heimkehr aufgezählt hatte, wieviel Wohltaten ihm sein Reisebegleiter, der hl. Erzengel Raphael, erwiesen hatte. – Was könnten wir Gott geben für alles, was Er uns getan hat? Wir haben nichts. Wenigstens nichts, das Er uns nicht zuvor gegeben hätte. Und erst recht nichts, was Seinen Wohltaten entspräche! – Sollen wir dann eben als Undankbare vor Gottes Angesicht leben? – Nein! Wir haben das hl. Meßopfer, und indem wir es als Dankopfer darbringen, können wir zu Gott sagen: Siehe herab, gütiger Vater! Wir bringen Dir das hl. Opfer Deines vielgeliebten Sohnes dar. Eine Gabe, so kostbar, daß auch Du uns nie etwas Besseres geschenkt hast. Es ist zwar wahr, daß auch Du es warst, der Deinen Sohn einst auf die Erde herab gesandt hat. Einmal! Aber siehe, täglich bringen wir Ihn Dir zum Opfer dar. Möge Er Dir in unserem Namen danken für alles, was Du uns Gutes getan hast, und wofür wir Dir in Ewigkeit nie genug werden danken können. Nimm an das vollkommene Dankopfer der hl. Messe!

Das vollkommenste Bittopfer

Jedoch besteht für uns nicht nur eine Pflicht, Gott zu loben und Ihm zu danken. Wir haben auch die Pflicht, alles, was gut ist und was wir für Zeit und Ewigkeit brauchen, von Gott zu erbitten. – Um auf Erhörung hoffen zu dürfen, sind wir aufgrund der Folgen der Erbsünde, die wir in uns tragen, in einer mißlichen Lage. Einerseits haben wir nämlich, je ärmer und elender wir aufgrund unserer Bosheit und Schwäche sind, die Unterstützung der göttlichen Gnade um so mehr nötig. Aber andererseits, sind wir, je elender und erbärmlicher wir sind, je mehr Schuld wir Tag um Tag auf uns laden, um so unwürdiger, von dem heiligen und gerechten Gott erhört zu werden. – Diejenigen, die bei einem einflußreichen, angesehenen Menschen oder bei einem großen König als Bittsteller erscheinen, was tun sie? Sie versuchen, ihn gewogen zu stimmen. Wie versuchen sie, das zu erreichen? Um in ihren Anliegen gehört zu werden, weisen sie hin auf ihre Verdienste für das Gemeinwohl, für das Königreich, für den Frieden, für den Schutz der Schwachen und für die Einhaltung der Gerechtigkeit. Sie verweisen auf ihre Verdienste um die Person des Königs oder um den Staat. Oder sie erzählen, wie lange sie schon im Dienste ihres Herrn stehen, wieviele Jahre sie sich tadellos und pflichtbewußt gehalten oder welche Orden und Auszeichnungen sie erhalten haben. Sie versprechen Treue und Ergebenheit für die Zukunft, ja sie rühmen die Freigebigkeit, das Mitleid, die Güte des Königs, und es wäre merkwürdig, wenn sie schließlich nicht das erhielten, was sie angesichts solcher Verdienste erbitten. – Das sind Kunstgriffe, die wir bei dem ewigen König nicht gebrauchen können. – Wo sind schon unsere Verdienste? Wo sind die Jahre des treuen, tadellosen Gottesdienstes? Kein Jahr, kein Monat, keine Woche, kein Tag vergeht, wo wir nicht fehlen, wo wir nicht sündigen. – Wo sind die Auszeichnungen und Wohltaten Gottes an uns sichtbar geworden? Ja, zahlreiche und große Wohltaten sind uns zuteil geworden. Aber wie oft wurden sie nicht von uns vertan oder gar mißbraucht? – Wir mögen zwar für die Zukunft vieles und Großes versprechen. Gottes Auge sieht, was daraus werden wird. – Wo ist also das Fundament, das unserem Gebet seine fürbittende Kraft am Throne Gottes verleihen sollte?

Sie liegt nicht bei uns, sondern bei Christus. „Um was ihr auch immer den Vater in Meinem Namen bitten werdet, das wird euch zuteil werden“ (Joh. 14, 13). Das, was unserem Gebet Kraft gibt, liegt im Opfer unseres göttlichen Erlösers, im hl. Meßopfer. Da tritt Jesus Christus, der Sohn Gottes, für uns vor den Thron des himmlischen Vaters und bittet für uns. Was für ein Fürsprecher! Was für ein Gebet! Er weist hin auf Sein Verdienst, auf Sein heiliges Leben, auf Sein unschuldiges Leiden, auf Seine heiligen Wunden, auf Sein kostbares Blut, auf Sein Kreuz, auf das heilige und makellose Opfer, worin Er sich stündlich auf den Altären zum Opfer bringt, auf die unendliche Liebe, womit Er dieses Opfer beständig erneuert. Ja, wer könnte diesem Fürsprecher widerstehen? – Niemand! Niemand, und am allerwenigsten der göttliche Vater Seinem vielgeliebten Sohn.

Ja, gibt es auch nur einen von uns, der hier beim hl. Meßopfer anwesend ist und der nichts zu erbitten hätte? Gewiß keinen! Anliegen der Frau für den Mann, des Mannes für die Frau, der Eltern für die Kinder, der Kinder für die Eltern, der Untergebenen für die Vorgesetzten in Kirche, Staat, Betrieb, Schule usw.; für die verantwortlichen Herrscher und Politiker in aller Welt; für die Gottgeweihten, für die Bedürftigen, für die Kranken, für die Sterbenden, für die Ungläubigen, für die Sünder, für die schwer Versuchten, für die Armen Seelen. Man könnte die Kette der Anliegen, die uns auf dem Herzen liegen, beliebig verlängern. – Vereinigen wir unser Gebet mit dem Gebet unseres Heilandes Jesus Christus, der sich in der hl. Messe für uns opfert. Es ist das vollkommenste Bittopfer.

Das vollkommenste Sühneopfer

Schließlich und endlich ist das hl. Meßopfer auch das vollkommenste Sühneopfer. Es handelt sich ja nicht bloß darum, Gott als den höchsten Herrn und Gebieter zu ehren, Ihm zu danken und Ihn um den Erweis von Wohltaten zu bitten. Es handelt sich auch darum, den beleidigten Gott zu versöhnen! – Gott wird beleidigt durch die Sünden Seiner Geschöpfe. Wenn wir nun bedenken, wie viele Sünden bereits geschehen sind und fortwährend geschehen. Wie viele schwere Sünden, von den läßlichen ganz zu schweigen! Und wenn wir dann noch berücksichtigen, aus wie viel bösen, selbstsüchtigen und nichtigen Motiven Gott beleidigt wird! Wie unbegreiflich groß und erhaben die Majestät Gottes ist, dem jede Sünde frech ins Gesicht schlägt; hingegen wie gering und nichtig die Person eines jeden Sünders ist! Der Mensch ist ja nur ein zerbrechliches Gebilde in der Hand des allmächtigen Schöpfers, ein Windhauch, etwas rebellischer Erdenstaub, der sich aufbläht und erdreistet. – Ja, wenn wir dann auch noch bedenken, wie gerecht Seine Rache, und wie leicht es Ihm wäre, an den Sündern Rache zu nehmen! – Müßten wir da nicht fragen: Wer wird wohl imstande sein, den von unseren Sünden entehrten, beleidigten und erzürnten Gott zu versöhnen? Ja, wer kann das? – Wir können es genausowenig, wie der Knecht im Evangelium imstande war, die Schuld von 10.000 Talenten zu bezahlen, die er bei seinem Herrn aufgehäuft hatte. – Wer kann Gott versöhnen? – Einzig das unschuldige „Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt“. Der göttliche Erlöser ist gerade dazu in die Welt gekommen, um die Schuld der ganzen Welt auf sich zu nehmen und in Seinem unschuldigen Leiden und Sterben zu büßen; sie durch Seinen Tod zu sühnen. Indem Jesus Christus das Opfer am Kreuz beständig in der hl. Messe erneuert, spricht Er gewissermaßen zu Seinem Vater: Halte ein mit Deinen Strafen! Schone die Sünder! Verschone sie um Meinetwillen, um Meines Leidens, um Meiner Wunden, um Meines blutigen Opfertodes willen. „Ecce venio!“ „Einen Leib hast Du mir bereitet. Siehe, Ich komme!“ Ich komme als Menschensohn. Ich komme, mein kostbares Blut für die Sünden der Welt zu vergießen. Ich ehre Dich damit mehr, als alle Sünden der Welt Dich beleidigen und Deine Ehre beschmutzen können! 

Vielleicht verstehen wir jetzt, warum im Neuen Bund Gott so viel gnädiger und milder mit den Sündern umgeht, als es noch unter dem Alten Bund der Fall war. – Wegen eines einzigen Ehebruchs wurden damals Tausende der Benjaminiten erschlagen. Wegen eines einzigen überheblichen Gedankens des Königs David wütete die Pest unter seinem Volk und hielt eine reichliche Ernte des Todes. Nur wegen ihrer unehrerbietigen Blicke auf die Bundeslade wurden tausende Bethsamiten plötzlich vom Tod dahingerafft. – Schauen wir auf unsere Zeit. Gibt es heute denn keinen Ehebruch mehr? Keine stolzen, überheblichen Gedanken, Worte und Werke? Keine Unehrerbietigkeit im Hause Gottes? – Wie viele müßten sofort sterben, wenn heute all diese Sünden mit derselben Gerechtigkeit wie im Alten Bund bestraft würden! – In der Sintflut vertilgte Gott das ganze Menschengeschlecht bis auf wenige. Warum? Weil sie Fleisch waren, d.h. wegen der Sünden des Fleisches, wegen der ausgelebten bösen Lust und Begierlichkeit des Fleisches. Sodom und Gomorrha wurden im Feuer und Schwefel ausgetilgt. Das Salzmeer im Heiligen Land, das „Tote Meer“, legt heute noch ein Zeugnis von diesem Strafgericht Gottes ab. – Gibt es heute solche Sünden etwa nicht mehr? Wo wäre die Welt und wo wäre das Menschengeschlecht, wenn der beleidigte Gott die Sünden des Fleisches jetzt genauso strafen wollte, wie Er es zur Zeit des Noe und des Abraham getan hat? – Dem Opfer des Neuen Bundes, das täglich auf unseren Altären erneuert wird, ist zuzuschreiben, daß Gottes gerechte Rache zurückgehalten wird und sich der beleidigte Gott im Bußsakrament so schnell und so leicht wieder versöhnen läßt. Das hl. Meßopfer enthält das Opfer des Neuen Bundes. Es ist wesentlich dasselbe Opfer wie am Kreuz, und deshalb ist es das vollkommenste Sühneopfer.

Der hochverschuldete Knecht in dem erwähnten Gleichnis sprach zu seinem Herrn: „Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen!“ (Mt. 18, 26). So können und sollen auch wir zu Gott sagen: Habe Geduld mit mir, ich will Dir alles bezahlen! Ich kann Dich zwar nicht so ehren, wie Du es verdienst, aber Dein menschgewordener Sohn kann es und tut es, indem Er sich in Seinem Leiden und Sterben so tief vor Dir demütigt. – Ich bin zwar unmöglich in der Lage, Dir für die geringste Deiner unzähligen Wohltaten zu danken. Aber Jesus Christus kann es und tut es! – Ich bin nicht wert, daß Du mich anhörst, geschweige denn meine Bitten erhörst. Aber Jesus Christus bittet für mich und ich mit Ihm. Ihn wirst Du erhören. – Niemals würde ich imstande sein, Dir hinreichende Genugtuung für meine Sünden zu leisten, aber schau auf das hl. Opfer, das Dein vielgeliebter Sohn Dir darbringt, und Du findest darin übermäßige Sühne. So laß Dich versöhnen, Herr! „Habe Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen.“

Der Kampf gegen das hl. Meßopfer

So halten wir also fest: Die hl. Messe ist das vollkommenste Lob-, Dank-, Bitt- und Sühneopfer. – Wenn wir den Reichtum dieses Opfer betrachten, wird uns vielleicht auch klar, warum Satan soviel Energie darauf verwendet hat, um dieses Opfer zu unterdrücken, zu zerstören, es möglichst zum Verschwinden zu bringen, ja wenn es ihm möglich wäre, es mit Stumpf und Stiel auszurotten. Die Liturgiereform des sog. 2. Vatikanums war sein mit großem Erfolg gekrönter Versuch, dieses Vorhaben möglichst flächendeckend zu verwirklichen. Bei diesem Attentat hat man bekanntlich den vierfachen Zweck das hl. Meßopfers in ein Gemeinschaftsmahl umgewandelt. Aus dem Kult Gottes wurde der Kult des Menschen geschaffen. Gezielt wurde in dem Machwerk der „Neuen Messe“ auf alles verzichtet, was an ein Opfer, vor allem an ein Sühneopfer, erinnern könnte. Die „Konzilspäpste“ haben das erhabenste Opfer zerstört, welches Gott Selbst durch die Jahrtausende hindurch vorbereitet hat, welches Sein göttlicher Sohn vollzogen, eingesetzt und vorgeschrieben hat, welches der katholischen Kirche anvertraut wurde, damit die Menschen bis zum Ende der Zeit Gott jene Verherrlichung erweisen können, die Ihm gebührt. Sie haben aus dem erhabenen Opfer der hl. Messe eine ungültige, völlig beliebige, banale und blasphemische Theateraufführung gemacht. – Die Folgen sind mit Händen greifbar. Der religiöse, sittliche und gesellschaftliche Niedergang; die Verblendung der Menschen, die Häufung der Naturkatastrophen, die sich steigernde Kriegsgefahr und alle damit im Zusammenhang stehenden Faktoren geben ein beredtes Zeugnis davon. Wie lange die vergleichsweise wenigen gültigen und würdigen hll. Messen das aufgestaute Strafmaß zurückzuhalten vermögen, wissen wir nicht.

Die größte Wohltat Gottes

Was wir jedoch wissen, ist, daß das hl. Meßopfer die größte Wohltat Gottes und der größte Schatz der katholischen Kirche ist. Es ist das Opfer Christi, aber auch unser Opfer. Wenn wir danach streben, dem hl. Meßopfer oft, andächtig und mit großer Hingabe beizuwohnen, dann werden wir gewiß zur Reue über unsere Sünden, zur Erlangung aller notwendigen Gnaden, zum Trost im Leiden, zur Beharrlichkeit im Guten und zu einem seligen Tod gelangen. Zu einem Tod, der übergeht in das Licht der ewigen Herrlichkeit Gottes. Amen.