Der Heilige Geist – Geist der Wahrheit – Unfehlbarer Beistand

Geliebte Gottes!

Das heutige Evangelium versetzt uns zurück in die Stunde des letzten Abendmahls. Unser Herr Jesus Christus spricht Seine Apostel auf ihre Traurigkeit an. Sie haben aus Seinen Worten bereits herausgehört, daß Er sie in Bälde verlassen, ja sogar sterben werde. Als Ihn die Zwölf aus betretenen Gesichtern anblickten sprach Er: „Ich gehe zu Dem der Mich gesandt hat, und niemand von euch fragt Mich: Wohin gehst Du? Vielmehr, weil Ich euch das gesagt habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt“ (Joh. 16, 5 f.). Die Traurigkeit hatte die Apostel derart gelähmt, daß sie nicht dazu in der Lage waren diese wichtige Frage zu stellen. „Wohin gehst Du?“ Christus rügt sie sanft, weil sie sich, ganz vom Trennungsschmerz gefangen, nicht dafür interessieren, wohin Er gehe. Ohne diese Frage aber würden die Apostel nicht erfahren, daß Er zu Seinem Vater geht; daß Er in Seine Herrlichkeit eingeht und daß ihnen eben daraus der größte Nutzen erwachsen würde. Deshalb fährt Er fort: „Aber Ich sage euch die Wahrheit. Es ist gut für euch, daß Ich hingehe. Denn wenn Ich nicht hingehe, wird der Tröster nicht zu euch kommen. Gehe ich aber hin, so werde Ich Ihn zu euch senden“ (Joh. 16, 7).

Das Problem, welches die Apostel in diesem Augenblick hatten, war, daß sie unseren Herrn Jesus Christus auf eine zu menschliche Art und Weise liebten. Sie liebten Ihn. Sie liebten Ihn sehr. Das ist gut! Aber sie liebten Ihn zu menschlich, zu natürlich, zu selbstsüchtig. Sie wollten, daß Er für immer bei ihnen bliebe. Die letzten drei Jahre mit Jesus waren für die Apostel voller schöner Erinnerungen. Sie hatten mit Ihm die schönste Zeit ihres Lebens verbracht; haben Seine Lehre gehört, Seine Wundermacht gesehen und Seine staunenswerte Güte und Menschenfreundlichkeit bewundert. Deshalb wollten sie Ihn bei sich behalten. Faszinierende, besondere Menschen hat man immer gerne in seiner Nähe. Das ist eine ganz natürliche Reaktion. Aber diese Liebe, diese Anhänglichkeit an Ihn war zu menschlich. – Und gerade diese Anhänglichkeit an Seine unmittelbare menschliche Gegenwart ist der eigentliche Grund dafür, daß Christus Seine Jünger verläßt. Er mußte ihre Liebe reinigen, sie veredeln und vergeistigen, sie auf eine übernatürliche Ebene stellen. Anders könnten sie den Heiligen Geist nicht empfangen. Damit die Apostel an Pfingsten den Heiligen Geist empfangen können, mußte Christus sie verlassen! Der Heilige Geist sollte fortan den Platz an Seiner Stelle einnehmen. Dieser sollte die Kirche fortan durch Seine geistige Tätigkeit und durch Seinen unsichtbaren Beistand leiten. 

Die göttliche Person des Heiligen Geistes

Der Heilige Geist wird von Christus „Tröster“ genannt. Das bedeutet, daß der Heilige Geist jene, die Ihn empfangen, mit innerlicher Freude erfüllen wird, allen äußerlichen Trübsalen, Schmerzen und Leiden zum Trotz. – Damit ist auch ausgesagt, daß der Heilige Geist eine eigenständige Person in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist. „Gehe ich aber hin, so werde Ich den Tröster zu euch senden“ (Joh. 16, 7). Unser Herr sendet einen Tröster. Ein Tröster ist immer eine Person; immer ein „Jemand“ und nicht nur ein „Etwas“. – Der Heilige Geist ist eine eigenständige Person, verschieden von der Person Christi. Unser Herr könnte den Heiligen Geist nicht senden, wenn Er nicht eine von Ihm verschiedene Person wäre. Senden kann man nur Jemand anders, nicht sich selbst. – Die Person des Heiligen Geistes wird von der Person des Sohnes gesandt. Das aber ist nur möglich, weil die Person des Heiligen Geistes von Ewigkeit her nicht nur aus der Person des Vaters hervorgeht, sondern auch aus der Person des Sohnes. Deshalb beten wir im Credo der hl. Messe im Hinblick auf den Heiligen Geist: „Qui ex Patre Filioque procedit – Ich glaube an den Heiligen Geist … der vom Vater und vom Sohn ausgeht.“ – Darin besteht der einzige Unterschied zwischen den drei göttlichen Personen. Wir bekennen, daß es nur einen einzigen Gott gibt, nur ein einziges göttliches Wesen. Aber daß drei Personen dieses und einzige göttliche Wesen vollkommen besitzen. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind gleichermaßen Gott; gleich ewig, gleich allwissend, gleich allmächtig usw. Der einzige Unterschied, den es zwischen den drei Personen gibt, findet sich in der unterschiedlichen Art und Weise der Beziehung bzw. des Hervorgehens der drei Personen auseinander: Der Vater ist ursprungslos. D.h. Er geht aus keiner der anderen beiden göttlichen Personen hervor. Die Person des Sohnes geht nur aus dem Vater hervor, und zwar auf die Weise der „Zeugung“. Der Heiligen Geistes schließlich geht als dritte eigenständige Person aus dem Vater und dem Sohn hervor, und zwar auf die Weise der „Hauchung“. Die drei göttlichen Personen unterscheiden sich also einzig und allein dadurch voneinander, daß der Vater aus keiner anderen Person hervorgeht; der Sohn nur aus einer Person – nämlich aus dem Vater; und der Heilige Geist aus zwei Personen – aus dem Vater und dem Sohn.

Sabellius und der Dialog der Weltreligionen

Im 3. Jahrhundert kam in der Christenheit eine Häresie auf. Ihr erster Vertreter hieß Sabellius, weshalb diese Irrlehre nach ihm „Sabellianismus“ genannt wurde. Diese Häresie behauptet, es gäbe in Gott nicht drei, sondern nur eine einzige Person. Die Bezeichnungen Vater, Sohn und Heiliger Geist seien nur menschliche Vorstellungen, die daher kämen, daß sich die eine göttliche Person dem Menschen im Laufe der Geschichte auf verschiedene Art und Weise geoffenbart hätte. Es verhielte sich so, als hätte sich die eine und einzige Person Gottes wie ein Schauspieler abwechselnd drei verschiedene Masken aufgesetzt. Gott hätte nacheinander drei verschiedene Rollen gespielt, hinter denen sich aber in Wahrheit nur eine Person, ein Ich verbirgt: In der Schöpfung offenbare sich Gott als Vater; in der Erlösung als Sohn, im Werk der Heiligung als Heiliger Geist. Zur Zeit des Alten Bundes trug Gott die Maske des Vaters, bis zur Himmelfahrt Christi die Maske des Sohnes und seit Pfingsten die Maske des Heiligen Geistes. Sabellius behauptete, es gibt nur einen einzigen Gott, der aber nur eine einzige Person, ein einziges Ich besitzt und sich verschiedener Erscheinungsformen in der Geschichte bedient. – Papst Kallistus (217-222) exkommunizierte Sabellius für diese Irrlehre und Papst Dionysius (259-268) verurteilte diese Häresie nochmals feierlich (vgl. Denz. 112-115). – Heute, im 20./21. Jahrhundert, lebt diese Häresie wieder auf. Seit dem 2. Vatikanum ist eben diese Idee des Sabellius die Grundlage für den Dialog der Weltreligionen: In Wirklichkeit verberge sich nämlich der eine und einzige Gott nicht nur hinter drei Masken. Die Requisitenkammer Gottes scheint nahezu unerschöpflich zu sein, denn bei allen Weltreligionen soll er jeweils eine andere gewählt haben. Das dogmatische Fundament des Dialogs der Weltreligionen gründet auf der Behauptung: Es gibt nur einen Gott, der aber je nach Epoche und je nach Kultur unter einer anderen Maske erschienen ist. Den Arabern habe er sich als Allah offenbart, den Indianern als Manitu, den Indern als Shiva und Vishnu, den Christen als Vater, Sohn und Heiliger Geist usw. Alle Weltreligionen verehrten zwar also verschiedene Masken, aber in Wirklichkeit doch den einen wahren Gott, der sich ja hinter jeder Religion verberge. Diese häretische Denkweise müssen wir im Hinterkopf behalten, wenn wir etwa die Texte des 2. Vatikanums lesen, die Reden und Ansprachen der Konzilspäpste hören oder ihre Handlungsweise verstehen wollen. Nur wenn wir den Sabellianismus im Hinterkopf behalten, verstehen wir, was sie uns eigentlich sagen wollen. Etwa das 2. Vatikanum selbst, wenn es höchstfeierlich in der Konstitution „Lumen gentium“ (Nr. 16) die Behauptung aufstellt: „Die Heilsabsicht [Gottes] umfaßt aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslim, die … mit uns zusammen den einzigen Gott anbeten, den barmherzigen, der die Menschen am Jüngsten Tag richten wird“ (DH 4140). In der Erklärung „Nostra aetate“ (Nr. 3) „lehrt“ das 2. Vatikanum: „Mit Wertschätzung betrachtet die Kirche auch die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat“ (DH 4197). Wenn wir den Sabellianismus im Hinterkopf behalten, dann verstehen wir auch, warum Johannes Paul II. und seine Nachfolger die Welt bereisen, um alle sich bietenden Gelegenheiten wahrzunehmen, dabei Synagogen, Moscheen und heidnische Tempel zu besuchen. Wir verstehen dann, warum die Konzilspäpste die Weltreligionen immer wieder nach Assisi zum gemeinsamen Gebet zusammenriefen. Jede Weltreligion sollte ihren eigen Kult vollziehen, weil ja alle Religionen angeblich in Wirklichkeit den einen und einzigen Gott ehren würden. Der Sabellianismus läßt uns auch Benedikt XVI. recht verstehen, als er 2009 bei seinem Besuch in Jordanien über die Moscheen folgendes gesagt hat: „Stätten des Kultes, wie diese prachtvolle … Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee, erheben sich wie Juwelen über den ganzen Erdkreis. Die alten wie die modernen Stätten, die herrlichen wie die einfachen, sie alle verweisen auf das Göttliche, auf den Einen Transzendenten, auf den Allmächtigen. Und Jahrhunderte hindurch haben diese Heiligtümer [die Moscheen wohlgemerkt!] Menschen zu ihren heiligen Orten angezogen, damit sie dort verweilen, beten, sich der Gegenwart des Allmächtigen bewußt werden und erkennen, daß wir alle seine Geschöpfe sind“ (DT; 2009/56). Schließlich verstehen wir auch, warum Franziskus die heidnische Götzenfigur der Pachamama in den Petersdom tragen und verehren ließ und worauf seiner „Ansicht“ nach die Geschwisterlichkeit aller Menschen gründet, wie er in Abu-Dhabi erklärte. – Das sind keine übertriebenen Einzelaktionen, keine gedankenlosen Gesten, um sich der modernen Welt anzubiedern. Den Reden und Gesten der Konzilspäpste liegt eine Theologie zugrunde. Ihre Reden und Gesten entsprechen genau den Texten des sog. 2. Vatikanums. Sie fußen auf einem neuen Gottesbegriff, auf einem neuen Glauben. Grundlage ist nicht der katholische Glaube an den einen Gott in drei Personen, sondern der Glaube an den einen Gott in einer Person, der wie ein Schauspieler in jeder Epoche und Kultur eine andere Maske trägt und dabei die widersprüchlichsten und entsetzlichsten Rollen spielt. Wenn wir das verstanden haben, dann begreifen wir auch, was die Konzilspäpste mit „Neuevangelisierung“ meinen. Nicht die Verkündigung des Evangeliums, wie es die katholische Kirche alle Jahrhunderte hindurch getan hat, sondern die Verbreitung dieser neuen Auffassung, daß alle Religionen wahr und richtig sind; daß alle Religionen ihre Berechtigung, ja ihre Notwendigkeit haben. Denn jede verehrt zwar eine andere Maske, hinter der sich aber doch in Wirklichkeit der Gott aller verbirgt. Das ist genau das, was die meisten Menschen heute glauben. – Weil dieser Glaube einen Gottesbegriff hat, der sich wesentlich von dem der katholischen Offenbarungslehre unterscheidet, sollte eigentlich klar sein, daß der Gott, den die „konziliare Kirche“ und ihre Hierarchie verkündet, zu dem sie sich in den Dokumenten des sog. 2. Vatikanums bekennt und ihn anbetet, nicht der dreifaltige Gott ist, den die katholische Kirche bekennt und den wir als Katholiken anbeten. Damit ist klar, daß die Konzilsreligion nicht die katholische, sondern eine andere Religion ist! – Denn schon der hl. Paulus schärfte den ersten Christen ein: Die Götzen der Heiden sind Dämonen (vgl. 1. Kor. 10, 20 ff.)! Um den wahren Gott anzubeten, muß man Ihn in Seinen drei Personen anbeten. Dazu ist die Kirche in die Welt gesandt, um den dreifaltigen Gott zu verkünden: „Lehret alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt. 28, 19).

Der Geist der Wahrheit

Nachdem Christus im heutigen Evangelium auf die Tätigkeit des Heiligen Geistes gegenüber den Ungläubigen eingegangen ist, indem Er den Aposteln erklärte, daß der Heilige Geist der Welt beweisen werde, daß es eine Sünde, eine Gerechtigkeit und ein Gericht gibt, hebt Er dazu an, dessen Wirken auf die katholische Kirche zu offenbaren. Er sagt: „Wenn aber jener Geist der Wahrheit kommt, wird Er euch alle Wahrheit lehren“ (Joh. 16, 12). Mit „alle Wahrheit“meint Christus nicht alle denkbare Wahrheit, etwa über Geographie, Chemie und Physik. Er meint damit alle Wahrheit, die zur Erlangung des ewigen Heiles der Seele notwendig ist. – Außerdem wird der Heilige Geist die gesamte Heilswahrheit auch nicht auf einmal lehren. Nach und nach wird Er sie in das rechte Verständnis einführen. Er beginnt an Pfingsten und wird damit im Laufe der Zeit fortfahren. Er wird die göttliche Wahrheit verdeutlichen, entfalten und vertiefen. Schon die Apostel wurden vom Heiligen Geist schrittweise in die Wahrheit eingeführt. Etwa daß auch die Heiden zur Gemeinschaft der katholischen Kirche zugelassen sind, war den Aposteln am Pfingsttag noch nicht klar. Auch die Erkenntnis, daß das jüdische Gesetz fortan nicht mehr befolgt werden muß, bedurfte einer gewissen Zeit, in welcher der Heilige Geist den Aposteln Schritt für Schritt die richtigen Schlußfolgerungen, die sich aus dem Tod, der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi ergeben, aufzeigte. Und als mit dem Tod des letzten Apostels die Offenbarung abgeschlossen war, da betrachtete die Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes den großen Schatz der göttlichen Wahrheit, den sie von Gott anvertraut bekam. Sie legt ihn im Laufe der Jahrhunderte immer klarer offen. Oft wurde die Kirche durch das Auftreten von Irrlehren dazu gezwungen, das, was wirklich von Gott geoffenbart wurde, genauer zu untersuchen und durch noch klarere Erklärung gegen den Irrtum abzugrenzen. Gerade darin besteht sogar der Zweck der Häresien. Gott läßt Irrlehren zu: Erstens, um unsere Glaubenstreue zu prüfen; und zweitens, um die Wahrheit noch klarer als zuvor zur Geltung zu bringen.

Dabei ist jedoch besonders wichtig im Gedächtnis zu behalten, daß der Beistand des Heilige Geist gerade darin besteht, daß die Kirche unter Seinem Einfluß keine andere, keine neue Wahrheit verkünden kann. „Denn Er wird nicht von Sich selbst reden, sondern was Er hört, wird Er reden und das Zukünftige euch verkünden“ (Joh. 16, 13). Der Heilige Geist kann und wird keine andere Wahrheit verkünden als diejenige, welche Christus verkündet hat. Christus ist das fleischgewordene Wort, das uns aus dem Schoß des göttlichen Vaters Kunde gebracht hat (vgl. Joh. 1, 18). Christus ist die Wahrheit (vgl. Joh. 14, 6). Und deshalb ist der Heilige Geist, den Christus sendet, der „Geist der Wahrheit“. Die Wahrheit, die vom Heiligen Geist kommt, kann sich nicht von der Wahrheit unterscheiden, die Christus verkündet hat. Die Wahrheit ist immer dieselbe. Sie kann sich nicht ändern. Der Heilige Geist kann keine andere, keine neue Religion gründen. Er verkündet das, was Er vom ewige Wort, das vom Vater ausgeht, hört. Der Heilige Geist tut das, weil er aus dem Vater und dem Sohn gleichermaßen hervorgeht. Alle drei göttlichen Personen besitzen gleichermaßen das eine göttliche Allwissen. Deshalb ist Ihre Lehre widerspruchslos ein und dieselbe. „Er wird Mich verherrlichen, denn Er wird von dem Meinigen nehmen und euch verkünden“ (Joh. 16, 15).

Schlußfolgerungen im Hinblick auf die katholischen Kirche

Welche Schlüsse müssen wir aus diesem Evangelium ziehen? – 1. Die katholische Kirche lehrt mit göttlicher Autorität. – Weil die katholische Kirche den Beistand des „Geistes der Wahrheit“ besitzt, deshalb lehrt sie nicht mit menschlicher Autorität, sondern mit der Autorität Gottes selbst. Wir müssen insbesondere dem Statthalter Jesu Christi auf Erden, dem Papst, gehorchen „wie Gott“, wie Papst Leo XIII. lehrt. Wenn die katholische Kirche nicht über den Beistand des Heiligen Geistes verfügen würde, dann bestünde ihre Glaubwürdigkeit, wie bei jeder andere Religionsgemeinschaft auch, allein auf der Glaubwürdigkeit fehlbarer Menschen. Weil die katholische Kirche aber mit der unfehlbaren Autorität Gottes spricht, so verdient sie den Gehorsam der Gläubigen – in ihrer Glaubenslehre, in ihrem liturgischen Kult und in ihren sittlichen Vorschriften. Es kann darin nichts Mangelhaftes finden. Alles, was die katholische Kirche lehrt und vorschreibt, ist sinnvoll. Alles ist logisch. Alles ist wahr. – Warum? Weil sie die eine und einzige Kirche Gottes ist, deren Glaubwürdigkeit auf der Unfehlbarkeit Gottes Selbst gründet! – Ohne den Beistand des „Geistes der Wahrheit“ könnte und dürfte die katholische Kirche keinen derartigen Anspruch auf Gehorsam einfordern, wie sie es tut.

Aus demselben Grund ist die Kirche selbst unfehlbar und unwandelbar in ihrer Lehre, in ihrem Kult und in ihrer Disziplin. Die katholische Kirche muß unfehlbar sein! Das müssen wir gut verstehen. Warum muß die Kirche unfehlbar sein? Weil das ewige Heil der Seelen von ihrer Zuverlässigkeit abhängt! Könnte sie falsche Lehren verkünden, eine falsche Liturgie feiern und durch ihre Disziplin die Sünde zulassen oder gar vorschreiben, dann bestünde die Möglichkeit, daß die Seelen, gerade weil sie der Kirche Gehorsam leisten, sich selbst verdammen und zur Hölle fahren. Wenn das möglich wäre, so hätte Christus besser keine Kirche gegründet. Denn gerade dazu hat Er sie gegründet, damit die Seelen durch den Gehorsam leicht und zielsicher, d.h. unfehlbar zum Heil gelangen können. Das geht jedoch, nur wenn die Kirche absolut zuverlässig lehrt und gebietet, was tatsächlich zum Heil führt. Das ist nur möglich durch den unfehlbaren Beistand des Heiligen Geistes, der ihrer Weisung Gewißheit und göttliche Autorität verleiht.

Eine weitere Wahrheit, die wir aus dem heutigen Evangelium festhalten müssen ist: Die Kontinuität der Lehre. Die Lehre der Kirche Gottes kann sich nicht widersprechen und kann sich nicht ändern. Wenn der Heilige Geist der Geist der göttlichen Wahrheit ist, dann wird in der Kirche Gottes bis zum Ende der Welt ein und dieselbe göttliche Wahrheit vorgetragen. Daß die Konzilskirche, die auf dem sog. 2. Vatikanum gegründet wurde, nicht die katholische Kirche sein kann, erkennen wir gerade an dieser Tatsache. – Nicht nur aufgrund ihres sabellianischen Gottesbegriffs, das dem Ökumenismus und dem Interreligiösen Dialog zugrundeliegt, weicht die „konziliare Kirche“ von der überlieferten katholischen Doktrin ab. Sie tut es auch in sittlichen Fragen. Beispielsweise in der Moral über Ehe und Familie. Obwohl das konziliare Rom in der Kontroverse um das Dokument „Amoris laetitia“ behauptet hat, an der katholischen Lehre von der Ehe nichts geändert zu haben, geschah die Änderung auf der Ebene der pastoralen Praxis. Der Novus-Ordo-Priester kann solchen Personen, die durch „Wiederverheiratung“ öffentlich im Ehebruch leben, oder solchen, die in „wilder Ehe“ zusammenleben, die Erlaubnis zum hl. Kommunionempfang geben. Das ist nichts anderes als eine praktische Erlaubnis für Ehebruch und Unzucht. Es wird nicht ausdrücklich gelehrt, sondern es werden einfach Fakten geschaffen, die mit der Lehre in Widerspruch stehen. Bekanntlich prägt das Tun der Menschen ihr Denken: Was mir erlaubt ist zu tun, das ist auch gut. Denn wäre es nicht gut, dann wäre es ja verboten. Daraus ergibt sich: Wenn Unzucht und Ehebruch unter gewissen Umständen erlaubt ist, dann sind sie unter gewissen Umständen auch gut. – Auf diese Weise unterminiert die konziliare Praxis die katholische Glaubens- und Sittenlehre. Damit liefert die Konzilskirche aber gleichzeitig den Beweis, daß sie nicht in der Kontinuität der unveränderlichen Wahrheit steht und unmöglich den Beistand des Heiligen Geistes besitzen kann. Weil aber die katholische Kirche immer über den Beistand des Heiligen Geistes verfügt, ist eben dadurch bewiesen, daß die Konzilskirche nie und nimmer die katholische Kirche sein kann. 

Drittens folgt aus der Lehre vom göttlichen Beistand, daß einer kirchlichen Hierarchie, die uns eine neue Religion, d.h. eine andere, eine neue Glaubenslehre, einen neuen Kult und eine neue Disziplin vorlegt, nicht nur der göttlichen Beistand mangelt, sondern daß die Vertreter der konziliaren Hierarchie deshalb auch unmöglich Papst und Bischöfe der katholischen Kirche sein können. Wohlgemerkt! Denn nicht der katholischen Kirche ganz allgemein, sondern gerade dem Papst und den mit ihm in Einheit stehenden Bischöfen ist der Beistand des Heiligen Geistes zugesichert. Und deshalb ist es ganz und gar ausgeschlossen, daß ein wahrer Papst mit seiner Hierarchie von der katholischen Wahrheit abweichen kann. – Warum bestehen wir also auf der Feststellung, daß wir in einer Zeit der Sedisvakanz leben? Weil die Kontinuität der wahren Lehre in der Konzilskirche zerbrochen ist. Man kann die Irrtümer des sog. 2. Vatikanums nicht mit der Lehre der katholischen Kirche in Einklang bringen. Würde man die Konzilskirche mit der katholischen Kirche identifizieren, was heute leider die meisten Menschen tun, dann würde man einschlußweise behaupten: Entweder, daß die katholische Kirche nicht den Beistand des Heiligen Geistes besitzt. Das würde aber bedeuten, daß Christus ein Lügner und Betrüger war! Denn Er hat doch der Kirche, wie wir dem heutigen Evangelium entnehmen, den „Geist der Wahrheit“ verheißen. Diese Annahme führt also zu einer Gotteslästerung. Die andere Schlußfolgerung, die sich aus der Gleichsetzung der Konzilskirche mit der katholischen Kirche ergäbe, ist nicht minder anstößig. Es würde bedeuten, daß die gesamte katholische Lehre eine willkürliche, zusammenhanglose Doktrin ist, die sich beliebig ändern läßt, wie es die Erfordernisse der Zeit verlangen. Es würde bedeuten, daß es möglich ist, daß eine Pastoral der Sünde trotz des Beistandes des Heiligen Geistes möglich ist. Ja, daß der Heilige Geist der Kirche sogar dazu beistehen könnte, um die Sünde gutzuheißen! Das ist genauso Blasphemie! – Nein, es ist offensichtlich: Die Modernisten sind Eindringlinge, sind Hochstapler, welche die Machtstrukturen der katholischen Kirche erobert haben und besetzt halten. Sie zerstören das Seelenheil und verdunkeln die Sichtbarkeit der Kirche in der Welt. Auf sie trifft das Wort des hl. Paulus an die Galater zu: „Selbst wenn ich oder ein Engel des Himmels käme, um euch ein anderes Evangelium zu verkünden als das, was wir euch verkündet haben, der sei ausgestoßen (anathema sit)“ (Gal. 1, 8). Die Modernisten lehren ein anderes Evangelium und sind deshalb automatisch aus der Kirche ausgestoßen. Und der hl. Kirchenlehrer und Kardinal Robert Bellarmin macht die Anwendung auf einen „häretischen Papst“, wenn er über einen solchen sagt (vgl. „De Rom. Pont.“ II,30): Wenn ein Häretiker aber nicht mehr Teil der Kirche ist, wie könnte er dann gleichzeitig ihr Oberhaupt sein? Ein Irrlehrer kann nicht Papst sein! – Warum? Weil das Papstamt gerade durch den Beistand des Heiligen Geistes und die aus ihm fließende göttliche Autorität definiert ist! Das macht gerade den Papst aus, daß er den Beistand des Heiligen Geistes besitzt und mit der Autorität Gottes spricht. Deshalb besitzt er den Primat, dem sich alle um ihres Heiles willen unterwerfen müssen. – Die Wahrheit der Glaubenslehre ist eben aufs engste mit dem Beistand des Heiligen Geistes und der katholischen Kirche in ihrem Oberhaupt verbunden. Katholische Kirche, göttliche Wahrheit und der Beistand des Heiligen Geistes. Diese drei Dinge können nicht voneinander getrennt voneinander sein. In der katholischen Kirche findet sich stets die göttliche Wahrheit, weil sie den Beistand des Heiligen Geistes hat und der „Geist der Wahrheit“ bis zum Ende der Welt nicht von ihr weichen kann.

Was haben wir zu tun? – Zweifelsohne müssen wir zum Heiligen Geist um Gelehrigkeit beten. Wir müssen Ihn anflehen, daß Er der katholischen Kirche wieder einen Papst schenke, der Bischöfe aussendet, welche die Herde der Gläubigen zuverlässig in der Wahrheit weiden. Wir müssen den Heiligen Geist anflehen, daß wir den katholischen Glauben, solange das Elend der papstlosen Zeit weiter anhält, bewahren können; daß wir fügsam die Anregungen Seiner sieben Gaben aufnehmen und folgsam gegenüber den Einladungen Seiner helfenden Gnade handeln. Bitten wir in diesen Anliegen, den Monat Mai über, auch ganz besonders die makellose Jungfrau und Gottesmutter Maria, „Braut des Heiligen Geistes“, um ihre Fürbitte. Amen.