Sonntag in der Herz-Jesu-Oktav
Vom Dasein Gottes – Der Beweis aus der Ordnung und Zweckmäßigkeit der Dinge
Geliebte Gottes!
Das Dasein Gottes ist für uns zwar nicht unmittelbar offensichtlich, denn was unmittelbar evident ist, das kann von niemandem bezweifelt werden, was aber offenbar von vielen Menschen heute getan wird.
Die Beweisbarkeit Gottes
Gott kann und wird aber sehr wohl mittelbar erkannt, nämlich durch Seine Spuren, die Er in der Schöpfung bzw. in Seinen Geschöpfen hinterlassen hat; Spuren, die einen Schöpfer voraussetzen; Spuren, die so deutlich, so unbestreitbar, so offensichtlich sind, daß sie den unvoreingenommenen menschlichen Verstand zu der Schlußfolgerung zwingen: Es muß einen Gott geben; Spuren, die den Menschen „unentschuldbar“ machen, wenn er die Existenz Gottes bezweifelt oder leugnet.
a) Das kirchliche Lehramt
So lehrt das Vatikanische Konzil im Jahre 1870: „Dieselbe heilige Mutter Kirche hält fest und lehrt, daß Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen gewiß erkannt werden kann; ‚das Unsichtbare an Ihm wird nämlich seit der Erschaffung der Welt durch das, was gemacht ist, mit der Vernunft geschaut‘ [Röm. 1,20.]“. (DH 3004). „Wer also sagt, der eine und wahre Gott, unser Schöpfer und Herr, könne nicht durch das, was gemacht ist, mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft sicher erkannt werden: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 3026).
Später hat Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Humani generis“ (1950) zwar zugestanden, daß die sichere Kenntnis vom Dasein Gottes für den Menschen aufgrund der Erbsünde und ihrer Folgen erschwert werde, woraus er die moralische Notwendigkeit der übernatürlichen Offenbarung Gottes folgert. Nichtsdestotrotz sagt er jedoch auch, daß die göttliche Offenbarung oder deren Kenntnis nicht unbedingt notwendig sind, um das Dasein Gottes erkennen zu können, sondern daß dasselbe „auch bei der gegenwärtigen Verfaßtheit des Menschengeschlechtes von allen ohne Schwierigkeit, mit sicherer Gewißheit und ohne Beimischung eines Irrtums erkannt werden kann“. (DH 3876).
Drei Wege, so sagten wir am vergangenen Sonntag, führen uns zu dieser sicheren Gewißheit vom Dasein Gottes. Sie nehmen einen unterschiedlichen Ausgang: der erste in der äußeren, sichtbaren Welt, der zweite in der inneren Welt unserer Seele und der letzte im Wort des sich offenbarenden Gottes.
b) Der Beweis aus der Ursächlichkeit der Dinge
Der erste Weg, der in der äußeren Welt seinen Anfang nimmt, kann wiederum in verschiedener Weise beschritten werden. Wir können nämlich bei der Betrachtung der äußeren geschaffenen Dinge unser Augenmerk beispielsweise auf die Ursache der Welt richten, wie wir es vor einer Woche getan haben, oder auf die Ordnung, die in der Welt ist.
Schauen wir auf die Ursache der Welt, so sind wir sozusagen mit einem Schritt bei dem Dasein Gottes angelangt. Denn alles, was nicht mit Notwendigkeit existiert, alles, was einmal einen Anfang genommen hat, das brauchte eine Ursache. Ja, nicht nur irgendeine Ursache, sondern eine entsprechende Ursache. D. h. die Ursache muß mindestens so vollkommen sein wie die Wirkung.
Wir sahen, daß auch die Ausflucht in eine unendliche Kette von Ursachen den notwendigen Schluß auf einen Schöpfergott nicht verhindern kann, denn auch unendlich viele Ursachen bewirken nichts ohne eine hinreichende Erstursache.
So wahr es daher ist, daß die äußere, sichtbare Welt besteht, so wahr ist es auch, daß sie sich nicht selbst erschaffen haben kann; und ebenso wahr ist es, daß nur ein allmächtiges Wesen, das selbst unerschaffen ist, die Welt hervorgebracht haben kann. Diese allmächtige Ursache, die selbst unverursacht ist, das ist Gott. Wo Rauch ist, da ist auch Feuer. Wo eine Welt ist, da ist auch ein allmächtiger Schöpfer der Welt. Der hl. Thomas von Aquin und mit ihm die ganze Scholastik nennen diese Schlußfolgerung den „Beweis Gottes aus der Ursächlichkeit der Dinge“. Diesen Pfad haben wir vor acht Tagen schon zurückgelegt.
c) Der Beweis aus der Zweckmäßigkeit der Dinge
Heute wollen wir uns noch einmal der äußeren sichtbaren Welt zuwenden, uns diesmal jedoch nicht mit der Ursächlichkeit der Dinge befassen, sondern auf die Ordnung, die zweckmäßige Ordnung achten, die in der Welt zu finden ist, und auch diese Betrachtung wird uns zu demselben Ziel führen.
Zwei Punkte haben wir dabei genauer ins Auge zu fassen:
- In der äußeren Welt herrscht Ordnung; ja, nicht nur Ordnung, sondern eine höchst zweckmäßige Ordnung.
- Diese zweckmäßige Ordnung ist das Werk der höchsten Weisheit; eines allwissenden Schöpfers.
In der sichtbaren Welt findet sich eine zweckmäßige Ordnung.
Man kann unmöglich leugnen, daß es eine äußere, sichtbare Welt gibt. Ebensowenig kann man leugnen, daß in dieser Welt Ordnung herrscht und zwar zweckmäßige Ordnung. Diese zweckmäßige Ordnung herrscht nicht nur mancherorts, sondern überall in der Welt.
a) Die Ordnung in der geschaffenen Welt
Betrachten wir den Lauf und die Ordnung der Gestirne, besonders der Planeten. Welch gewaltige Körper! Wie groß! Wie viele! und wie vielfältig! Und mit welcher Ordnung, mit welcher Schnelligkeit und vor allem mit welcher Pünktlichkeit vollenden sie ihre Laufbahn! Keine Minute zu spät, keine Minute zu früh! Schon Jahrtausende ziehen sie so ihre Bahnen; so zuverlässig, daß man ihren Lauf sicher berechnen kann. – Die beste Maschine leidet Verschleiß, erst recht, wenn sie dauernd im Einsatz ist. Nach einiger Zeit büßt sie an Präzision ein. Sie muß nachjustiert, gereinigt oder ausgebessert werden. Nach einigen Jahren ist sie veraltet oder ganz verschlissen. Sie steht still und wird verschrottet.
Bedenken wir sodann, daß überall in der Welt eine Ordnung vorgefunden wird, wo die Dinge der Welt genauer untersucht werden. Wie viele Dinge gibt es auf der Welt! Wie viele unbelebte Dinge! Wie viele verschiedene Pflanzen: von der Zeder auf dem Libanon bis zum Hysop, der auf der Mauer wächst, wie die Heilige Schrift sagt. Jede Pflanze hat ihre eigentümlichen Blätter, Blüten, Früchte, Farben, ihre eigentümliche Gestalt. Und trotz aller Vielfalt der Pflanzen finden wir eine Ordnung. Sie bilden Familien. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit lassen sie sich nach Gattung, Art und Klasse zusammenfassen.
Gleiches gilt für die Tierwelt. Von den Käfern soll es weltweit über 380.000 verschiedene Arten aus 179 verschiedenen Familien geben. Jeder Käfer und überhaupt jedes Tier hat seine eigentümliche Gestalt, einen für seine Lebensart höchst zweckmäßigen Körperbau, seine Gliedmaßen, Nahrung, Bewegungsform, sei es in der Luft, im Wasser oder auf der Erde. Auch die Tierwelt spiegelt eine Ordnung von Familien, Arten, Gattungen und Klassen wider.
Gleiches gilt schließlich von den unbelebten Dingen; von den verschiedenen Gesteinsarten bis hin zu den Elementen im Periodensystem. Wo wir auch hinschauen: Alles, was ist, ist geordnet. Nicht unser Geist ordnet die Dinge. Sondern unser Geist entdeckt überall, wo er hinschaut, eine Ordnung. Überall finden wir eine Ordnung vor. Wer könnte ernsthaft leugnen, daß in der Welt Ordnung herrscht, sowohl in den größten Dingen, die kein Fernrohr erreichen kann, als auch in den kleinsten, die das Auge selbst unter dem Elektronenmikroskop nicht mehr schauen kann?
b) Die komplexe Zweckmäßigkeit der Dinge
Ferner finden wir in der äußeren Welt nicht nur eine Ordnung vor, sondern eine Ordnung, die in höchst zweckmäßiger Weise verwirklicht ist! Jede Maschine hat einen bestimmten Zweck. Sie ist von ihrem Konstrukteur genau so gebaut worden, damit sie ein ganz bestimmtes Ziel erreichen kann. Eine Waschmaschine ist genau so gebaut, damit man damit Wäsche waschen kann. Ein Geschirrspüler ist genau so konstruiert, damit man damit das gebrauchte Geschirr abwaschen kann. Beiden Maschinen ist ihr bestimmter Daseinszweck von ihrem Erfinder, von ihrem Konstrukteur gewissermaßen „eingeschaffen“ worden. Sie sind genau so gebaut, damit sie ihren Zweck erreichen können.
Die Zielgerichtetheit der Dinge finden wir auch in den sichtbaren Dingen vor. – Nehmen wir das Licht, das in unfaßbarer Geschwindigkeit die Räume des Kosmos durcheilt und erfüllt. Wer kann leugnen, daß das Licht zwecklos wäre, wenn es keine Augen gäbe – und das Auge wäre zwecklos, wenn es kein Licht gäbe?
Das Auge selbst ist genau so kunstvoll gebaut, daß es das Licht selbst und auch die unterschiedlichen Farben, welche die Gegenstände der äußeren Welt reflektieren, aufnehmen, unterscheiden und abbilden kann, damit wir die äußere Welt so sehen können, wie sie in Wirklichkeit ist. – Gerade das Auge weist einen hohen Grad der Komplexität auf, damit es überhaupt imstande ist, seinen Zweck – also das Sehen – zu ermöglichen. Wie viele Dinge müssen zusammen harmonieren, damit das Auge sehen kann! Die verschiedenen Augenmuskeln, die Hornhaut, die Linse, die Netzhaut, die lichtempfindlichen Zellen – Zapfen und Stäbchen – auf derselben, der Sehnerv und schließlich das Sehzentrum in unserem Gehirn. Durch die Hornhaut und eine Linse wird das Licht so gebrochen, daß es ein Bild auf die Netzhaut wirft. Dabei müssen sich die Augenmuskeln genau soweit zusammenziehen, damit das Bild auf der Netzhaut scharf wird. Auf der Netzhaut sind die Sehzellen genau so angeordnet, damit eine große Sehschärfe erreicht werden kann. Das Auge ist höchst zweckmäßig gebaut. Es ist genau so gebaut, daß wir das Licht und die Farben sehen können. Würde auch nur eines der genannten Teile fehlen oder nicht richtig funktionieren, könnten wir kaum oder gar nicht sehen. Ohne das Licht aber wäre dieses höchst komplexe und überaus empfindliche Organ völlig zwecklos.
Ähnlich verhält es sich mit der Luft, welche die Erdatmosphäre erfüllt. Ist die Luft nicht höchst zweckmäßig aus einem Gemisch von Gasen – Sauerstoff, Kohlendioxid und Stickstoff – zusammengesetzt, dessen Verhältnis unseren Lungen das Atmen erlaubt, ohne dabei von den radikalen Gasen angegriffen und verdorben zu werden? Und sind die Lungen in ihrer Komplexität nicht höchst zweckmäßig gebaut, um aus der Luft den lebensnotwendigen Sauerstoff zu ziehen? – Genauso ist auch das Ohr für den Schall eingerichtet und ebenso die Schallwellen für das Ohr. – Wer könnte leugnen, daß die Zunge genau so beschaffen ist, damit man sie zum Sprechen gebrauchen kann? Die Zweckmäßigkeit herrscht in der ganzen Welt; in der unbelebten Welt wie in der belebten Welt. Ganze Bücher würden nicht ausreichen, um sie im Einzelnen aufzuzeigen.
Bleiben wir aber noch einen Augenblick beim menschlichen Leib stehen. Welches unserer Glieder könnte man wegnehmen, ohne die Schönheit und Zweckmäßigkeit unseres Körpers zu beeinträchtigen oder zu zerstören? Kein einziges. Ja, man spricht nicht umsonst von einem Makel, von einer „Behinderung“, wenn eines unserer Glieder fehlt. – Oder welches Körperteil könnte man noch hinzufügen, ohne sowohl die Schönheit als auch die Zweckmäßigkeit unseres Leibes zu entstellen? Wiederum, kein einziges! In den Sagen und Märchen des Altertums wie der Moderne haben Dichter einäugige Menschen ersonnen – die Zyklopen; oder Menschen mit vier Beinen – die Zentauren. Wenn man diese Fabelwesen zeichnet, was kommt dabei zustande? Abscheuliche Kreaturen! Ein Monstrum. Ein höchst befremdlicher Anblick. So stellten schon die Heiden des Altertums fest, es würde sehr lästig sein, wenn man an einer Hand auch nur einen Finger zuviel oder zu wenig hätte.
Die zweckmäßige Anordnung der Dinge findet sich jedoch nicht nur hinsichtlich der Beschaffenheit des menschlichen Leibes. Die ganze Schöpfung ist zweckdienlich geordnet.
So steht etwa die Erde in einem bestimmten Abstand zur Sonne. Dieser Abstand ist überaus zweckmäßig. Wäre nämlich der Abstand größer, dann wäre die Erde ein Eisplanet. Wäre er geringer, dann wäre die Erde ein Wüstenplanet. Nur jener Abstand, der tatsächlich zwischen der Erde und der Sonne besteht, ermöglicht die Existenz von Leben auf der Erde.
Zweckmäßig ist sodann auch der Salzgehalt in den Weltmeeren. Er beträgt durchschnittlich 3,5 %. So wird einerseits das Verderben verhindert und andererseits bleibt doch die Existenz von Leben möglich. Wäre der Salzgehalt höher, dann wären unsere Meere und Küsten leblos, wie das Tote Meer, das mit seinen 28 bis 33 % Salinität alles Leben unmöglich macht.
Auch die sog. „Anomalie des Wassers“ ist höchst zweckmäßig für das Leben auf Erden. Anders als andere Flüssigkeiten hat das Wasser bei 4 °C seine höchste Dichte. Das Wasser ist bei 4 °C am schwersten, sinkt also immer auf den Grund. Das aber hat zur Folge, daß ein See von oben nach unten zufriert und nicht von unten nach oben. Auch bei größter Kälte bleibt die Wassertemperatur am Grund eines Gewässers bei hinreichender Tiefe stets konstant 4 °C, was den Wasserlebewesen das Überwintern ermöglicht.
Nach allem, was wir gesagt haben, können wir also sicher festhalten: Überall finden wir in der äußeren Welt eine vorgegebene Ordnung vor. Und diese Ordnung ist überaus zweckmäßig, sowohl für die Existenz und den Fortbestand der einzelnen Dinge und Lebewesen als auch für das harmonische Bestehen des Ganzen.
Woher kommt die zweckmäßige Ordnung in der sichtbaren Welt?
Die zweite Überlegung, die wir jetzt anstellen müssen, zielt auf die Beantwortung der Frage: Woher kommt diese allgegenwärtige Ordnung in der Welt? Und noch mehr: Woher kommt die wundersame Zweckmäßigkeit, welche wir in allen Dingen vorfinden?
a) Aus blindem Zufall?
Man sagt uns: Diese Ordnung sei das Werk des Zufalls! Die ganze Welt bestehe aus kleinen und kleinsten Teilchen, den Atomen. Und diese wiederum bestehen aus Ladungen, aus Elektronen, Protonen und Neutronen. Die den Atomkern bildenden Neutronen und Protonen setzten sich wiederum aus Hadronen zusammen. Und diese wiederum bestünden aus unteilbaren Elementarteilchen, den sog. Quarks.
Diese kleinen und kleinsten Teilchen haben jedes eine bestimmte Bewegung. Sie laufen, fallen, steigen, kreisen, aufwärts, abwärts, vorwärts, rückwärts, übereinander, gegeneinander, durcheinander, aneinander, bald so, bald anders. In dieser chaotischen Bewegung träfen sich die Teilchen in tausendfacher, millionenfacher, ja unzähliger Gestalt. Manche stoßen einander ab. Manche ziehen einander an. Und so entstehe die körperliche Welt. Und wer weiß, nach wievielen mißglückten Zusammensetzungen sei dann endlich durch einen glücklichen Zufall diese Welt entstanden, in der alles geordnet ist und nicht nur geordnet ist, sondern alles überaus zweckmäßig geordnet ist. Ein so glücklicher Zufall sei es gewesen, daß wir bei der Betrachtung der Welt der Täuschung erlägen, diese sei mit Vorbedacht, mit Absicht, nach einem genialen Plan eingerichtet worden. Aber das sei nur eine Täuschung. Denn in Wirklichkeit habe das der Zufall fertiggebracht.
Eine schöne Erklärung für den herrlichen Aufbau der Welt, oder? Sie klingt sehr „schlüssig“ und „wissenschaftlich“, nicht wahr? Da sind die Baustoffe, aus denen die Welt besteht: die Teilchen. Da sind die Maurer und die Bauarbeiter: nämlich die chaotische Bewegung der Teilchen. Und auf einmal war die Welt da, wie wir sie heute sehen. – Aber wo ist der Plan? Kein Plan! Wo ist der Baumeister, der Architekt? Kein Baumeister! Zufällig sei die ganze wunderbare Schöpfung und ihr kunstvolles Zusammenspiel entstanden. Aus blindem, wildem Chaos sei die höchst komplexe Ordnung entstanden.
Jedes kleine Kind kann erkennen, daß der blinde Zufall und das wilde Chaos der Teilchen unmöglich eine hinreichende Ursache für die Ordnung und Zweckmäßigkeit der Dinge sein kann. Jedes Kind kann das in seinem Sandkasten feststellen. Denn es mag hundertmal, tausendmal, ja, wenn es möglich wäre, unendlich oft sein Eimerchen mit Sand füllen, den Sand kräftig durchmischen und ihn dann vor sich auf den Boden schütten. Niemals wird dabei eine fertige Sandburg mit Türmen, Toren und Mauern und einem Fähnchen auf dem Bergfried entstehen. Das Chaos und der Zufall sind nicht in der Lage, auch nur die primitivste Ordnung und Zweckmäßigkeit herzustellen. – Wenn wir aber tatsächlich eine schöne Sandburg am Strand oder auf einem Spielplatz im Sandkasten vorfinden, dann würde niemand die Erklärung gelten lassen, sie sei aus Zufall entstanden. Jeder weiß, daß ein Mensch sie gebaut haben muß. Nur die äußere sichtbare Welt, die um ein Zigfaches kunstvoller und komplexer ist als jede Sandburg; nur diese höchst zweckmäßig angeordnete Schöpfung sei aus blindem Zufall entstanden.
Ein Gelehrter behauptete in Gegenwart eines Geistlichen, daß die Welt durch Zufall entstanden sei. Da entgegnete ihm der Geistliche schelmisch: „Herr Doktor, wissen Sie, wie die berühmten Gedichte Schillers entstanden sind? Die Sache verhielt sich dabei so: Schiller hatte einmal einen Stoß weißes Papier in seinem Zimmer liegen gehabt und war fortgegangen. In der Zwischenzeit haben sich einige Fliegen auf das Papier gesetzt und lauter Punkte hinterlassen. Diese Punkte waren rein zufällig genau so aneinandergereiht, daß am Ende lauter Gedichte zu lesen waren. Sie sehen also, Herr Doktor, mitnichten darf behauptet werden, daß Schiller diese Gedichte selber verfaßt und niedergeschrieben habe, sonst gerät man nämlich in Widerspruch mit der modernen Naturwissenschaft.“ Glaubt jemand im Ernst, daß der Baumeister „Zufall“ es fertigbrächte, aus den Hinterlassenschaften einiger Stubenfliegen auch nur die Buchstaben einer einzigen Zeile eines Gedichtes in sinnvoller Weise zusammenzufügen? Niemand glaubt das! – Sind in der Welt aber nicht viel mehr Dinge als bloße Papierseiten oder Worte oder Buchstaben in einem Buch? Ist nicht das kleinste Blatt eines Baumes kunstvoller zusammengesetzt als alle Gedichte der Welt?
Der Zufall kann unmöglich die hinreichende Ursache der wunderbaren Ordnung sein, die wir wahrnehmen, ebensowenig wie die zufällige Mischung einiger Schrauben und Metallteile eine funktionstüchtige Waschmaschine oder eine Geschirrspülmaschine hervorbringen kann. Denn die Ordnung der Teile in ihnen und der Zweck, der diesen Maschinen hineingeschaffen ist, setzen einen denkenden Geist und das technische Wissen eines Ingenieurs voraus, der den Zweck der Maschine beabsichtigt und bestimmt, ihren Aufbau erdacht und geplant und die Teile genau so angeordnet hat, damit sie am Ende den beabsichtigten Zweck, Wäsche zu waschen oder das Geschirr zu spülen, erfüllen kann.
b) Durch einen allwissenden, allmächtigen und allgegenwärtigen Geist!
Jede Ordnung setzt einen Grund voraus. Und zwar nicht nur irgendeinen Grund, sondern einen hinreichenden Grund! Alle Dinge, die wir in der sichtbaren Welt vorfinden, konnten sich ihren Zweck nicht selbst geben. Das Auge ist, wie wir sagten, da zum Sehen. Aber diesen Zweck hat das Auge nicht aus sich selbst. Denn das Auge ist nicht sich selber Zweck. Es sieht nicht für sich selbst. Es ist für einen anderen da. Es ist dazu da, daß der Mensch damit sehen kann. Sein Zweck ist dem Auge von einem anderen eingeschaffen worden. Dem Aufbau des Auges liegt ein wunderbarer Plan zugrunde, bei dem, wie wir sahen, zahlreiche Faktoren konsequent zusammenwirken müssen, damit das Auge sehen kann. Der Plan aber verweist auf eine denkende und vernünftig erkennende Ursache. Ordnung und Zweckmäßigkeit ist stets das Werk eines ordnenden Geistes, eines überlegenden Geistes, der den Dingen ihren Zweck gegeben hat und sie zur Erlangung ihres Zweckes leitet, wie der Pfeil nicht aus sich selbst, sondern durch den Bogenschützen ins Ziel gelenkt wird.
Die Ordnung der Welt ist also notwendigerweise das Werk eines Geistes. Aber welches Geistes? Nur eines Geistes, der alle Dinge, ihre Eigenschaften, ihre Natur, ihre Kräfte, ihre Größe kennt. Ja, man muß sagen, eines Geistes, der die Wissenschaft aller Dinge von Ewigkeit ohne Lehrer und ohne Bücher besaß. Eines Geistes, der die Eigenschaften, die Natur, ihre Kräfte, ihre Größe und die Wissenschaft des Zusammenspiels aller Dinge nicht nur kennt, sondern sie alle selber erdacht hat! Die Welt ist somit das Werk eines allwissenden Geistes! – Eines Geistes, dem sodann alle Dinge der Welt gehorsam waren und sich Seiner Anordnung fügten, wohin und wozu Er sie haben wollte. Die Welt ist also das Werk eines allmächtigen Geistes. – Eines Geistes, der allen Dingen innerlich und äußerlich gegenwärtig war, als Er sie ins Dasein rief, und der sie beständig im Dasein erhält. Die Welt ist ein Werk eines allgegenwärtigen Geistes.
Mit einem Wort: Die Ordnung und Zweckmäßigkeit der Welt findet einzig und allein in jenem Geist einen hinreichenden Grund, der die Welt aus dem Nichts erschaffen hat. Und dieser zweckmäßig ordnende Geist, der in die Dinge ihren jeweiligen Zweck hineingelegt und ihr komplexes Zusammenspiel ermöglicht und der seinen Plan durch Seinen allmächtigen Willen verwirklicht hat, dieser allwissende, allmächtige und allgegenwärtige Geist, das ist Gott.
„Herr, alles hast Du mit Weisheit gemacht!“
So klar und deutlich weist uns die Welt auf den allmächtigen Schöpfer hin, daß auch ein schwaches Nachdenken zur Erkenntnis Gottes führen muß. Dies ist so wahr, daß sogar die heidnischen Philosophen des Altertums das Dasein Gottes deutlich erkannten und teilweise in ihren Schriften bewiesen haben. So wahr, daß auch die primitivsten Völker niemals ganz ohne Religion, ohne Gott und ohne Opferkult gewesen sind. So wahr, daß der um die Zeitenwende lebende griechische Schriftsteller Plutarch sagte, es sei leichter, eine Stadt ohne Sonne zu finden als ein Volk ohne Gott. So wahr, daß die Heilige Schrift diejenigen, die da sagen: „Es gibt keinen Gott!“ (Ps. 13,1; Ps. 52,2), schlechtweg als „Toren“ bezeichnet. So wahr, daß der hl. Paulus von den Heiden, die Gott nicht kannten, sagte, sie seien ohne Entschuldigung, sie hätten Gott aus seinen Werken erkennen können und erkennen müssen. So klar ist das Dasein Gottes in der erschaffenen Welt offenbart, daß die Kirche nicht bloß diejenigen aus ihrer Gemeinschaft ausschließt, welche sagen, es sei kein Gott, sondern auch diejenigen, welche behaupten, das Dasein Gottes könne nicht im strengen Sinne aus der sichtbaren Welt bewiesen werden. Denn „die Weisheit [Gottes] reicht mit Macht von einem Ende der Welt bis zum andern.“ (Weis. 8,1). Jeder, der Augen hat zum Sehen, kann das erkennen.
Danken wir Gott, daß wir so sicher zur Erkenntnis Seines Daseins gelangt sind. Verwerfen wir alle Einflüsterungen falscher „Wissenschaftler“, die dieser Bezeichnung unwürdig sind, und alle falschen „Lehrer“, die ihren Schülern und uns das Dasein Gottes durch ihre lächerlichen Theorien und phantastischen Ideen zweifelhaft machen wollen! Hinweg mit den „Freunden“, mit den Büchern, mit den Schriften, die an dem einfachen und unfehlbaren Bekenntnis rütteln wollen: „Ich glaube an Gott.“
Er ist der Anfang und das Ende der Welt, das Alpha und das Omega. Er hat jedem Geschöpf sein Dasein und mit dem Dasein auch seinen Daseinszweck eingeschaffen, durch den Er es auf sein letztes Ziel hinlenkt. Auch uns Menschen hat Er einen Daseinszweck und ein letztes Ziel gegeben. Einen Daseinszweck und ein letztes Ziel, das Gott mit sich Selbst verknüpft hat. Denn wozu ist der Mensch geschaffen: um Gott zu erkennen, Ihn zu lieben und Ihm zu dienen! Und zu welchem letzten Ziel gelangt der Mensch auf diese Weise? Zum ewigen Besitz Gottes im Himmel und zu einer unverlierbaren unendlichen Glückseligkeit. Deshalb haben wir am meisten Grund, mit dem Psalmisten staunend und dankbar zugleich auszurufen: „O wie herrlich sind Deine Werke, o Herr! Alles hast Du mit Weisheit gemacht.“ (Ps. 103,24). Amen.