Vom Dasein Gottes

Geliebte Gottes!

Der dreifaltige Gott bereitet den Menschen im Übermaß Seiner Liebe ein Gastmahl im Himmel, von dem der Empfang des heiligsten Leibes Jesu Christi in der hl. Kommunion sowohl ein Vorbild als auch eine Vorwegnahme ist. Eine Vorwegnahme im Dunkel des Glaubens und noch nicht des Schauens wie einst im Himmel. Gott selbst will und wird uns in der Ewigkeit erfüllen und sättigen, wie eine Speise. Er wird uns erfüllen und sättigen mit Seinem göttlichen Leben, mit Seiner wonnevollen Liebe, mit Seiner ewigen Glückseligkeit. Dazu hat Gott die Menschen geschaffen. Dazu sind sie aus erbarmender Liebe berufen. Sie sollen in den Himmel kommen, damit ihr Hunger und Durst nach dem Glück, zu lieben und geliebt werden, endgültig gestillt werden.

„Halte mich für entschuldigt.“

Das Verhalten der geladenen Gäste erscheint uns heutigen Hörern des Gleichnisses Jesu außerordentlich dumm und töricht. Und das mit Recht! Wie kann man das Landgut, die fünf Joch Ochsen, ja selbst das Eheglück – alles vergängliche Dinge, die mit dem Tod zurückgelassen oder gelöst werden – einer solchen Einladung zur ewigen Glückseligkeit vorziehen? Kein vernünftig denkender Mensch würde sich so verhalten. Und doch ist es bis heute so geblieben, daß sich viele Menschen Gott und Seinem Ruf gegenüber so verhalten wie die Erstgeladenen im Gleichnis.

Für die meisten Menschen ist die Rede von Gott und von Seinem Reich im Himmel, das mit seiner ewigen Seligkeit erst nach dem Tod anbricht und seine Vollendung erst am Jüngsten Tag bei der Auferstehung des Fleisches erhält; für die meisten Menschen ist Gott und das Himmelreich wie ein Märchen; wie eine Fata Morgana; wie ein Opioid, ein Betäubungsmittel, das den leidgeplagten Menschen die Härten ihres irdischen Daseinskampfes erträglich machen soll. Einem solchen scheinbar unwirklichen Traum wollen sie nicht hinterherjagen und dabei ihre kostbare Lebenszeit verschwenden. Also sagen sie zu Gott und Seinen kirchlichen Gesandten: „Nein, danke!“ „Halte mich für entschuldigt.“

Statt dem göttlichen Himmel liegt ihnen der „Himmel auf Erden“ näher. Deshalb wandten und wenden sich die Menschen damals wie heute den Gütern dieser Welt zu, um sich hier in diesem Leben ihres Glückes Herd zu bauen. Sie streben nach einem „Landgut“, d. h. nicht nur nach dem täglichen Brot, sondern nach einem sorgenfreien, abgesicherten Leben und nach einem vergnügten Dasein. Sie streben nach den „fünf Joch Ochsen“, d. h. nach der Verwirklichung ihrer Träume von Erfolg und Aufstieg und Reichtum in der Berufs- und Arbeitswelt. Der Stolz und der Ehrgeiz treiben sie an, in der Kraft ihrer natürlichen Vermögen des Leibes und des Geistes nach Höherem und Höchstem zu streben. Und schließlich suchen sie ihr Glück in der „Liebe ohne Gott“. Denn alle Sicherheit und aller Reichtum und alles Ansehen machen den Menschen letztlich nicht glücklich, wenn er einsam ist und niemanden hat, mit dem er diese Güter genießen kann.

Gewiß, die Wenigsten unserer Zeitgenossen sind überzeugte Atheisten, also entschiedene Gottesleugner und erklärte Feinde Gottes. Weitaus verbreiteter als die atheistische Haltung ist stattdessen der Agnostizismus oder Indifferentismus und die religiöse Gleichgültigkeit, die voraussetzt, man könne nicht mit Sicherheit wissen, ob Gott existiert oder nicht. Neben der strikten Ablehnung der Möglichkeit der Gotteserkenntnis finden wir eine überraschend weitverbreitete Ansicht, von der Gott zwar als geistige Realität zugegeben wird, aber diese Annahme dann doch nur den Status einer vagen Überzeugung hat. Es würde ja im Hinblick auf das praktische Leben gar keinen Unterschied machen, ob Gott nun existiere oder nicht, denn Gott sei für die praktischen Belange und Ziele des menschlichen Lebens nicht relevant. Deshalb halten sich viele Menschen von der Suche nach der Wahrheit und von der religiösen Praxis für entschuldigt. Deshalb streben sie nach ihren Zielen und leben in der Praxis ihres Alltages so, als gäbe es keinen Gott. Und wie die Erstgeladenen im Gleichnis haben sie dabei auch noch ein „gutes Gewissen“.

Aber können sich die vielen Menschen, die heute dem Glauben, der Kirche und der religiösen Praxis völlig entfremdet sind, vielleicht nicht doch berechtigterweise für „entschuldigt“ halten? Die meisten scheinen es ja nicht besser zu wissen, oder? Ist das kein Entschuldigungsgrund? – Was ist denn mit „Entschuldigung“ gemeint? Man entschuldigt sich oder wird entschuldigt, wenn etwas ohne persönliche Schuld schiefgelaufen ist. Wer etwa zu einer freundschaftlichen Verabredung nicht erscheint, ist etwa durch den unvorhersehbaren Ausfall der Zugverbindung oder durch irgendeine plötzlich eintretende Notsituation „ent-schuldigt“, d. h. sein Nichterscheinen beruht nicht auf persönlichem Versagen, sondern auf unglücklichen Umständen, die das Treffen mit dem Freund vereitelt haben. Der andere Freund, der sich wartend über die vermeintliche Unzuverlässigkeit echauffierte, erkennt diese Gründe an, indem er die Bitte um Entschuldigung annimmt. Täte er das nicht, würde er sich seinerseits ins Unrecht setzen und schuldig werden. – Sind nun also nicht auch die meisten unserer Zeitgenossen, die leben, als gäbe es keinen Gott, in Wirklichkeit doch entschuldigt? Sie scheinen es doch nicht besser zu wissen; ja, es scheinbar sogar nicht besser wissen zu können.

Unentschuldbar!

Sowohl die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments als auch die Lehre der katholischen Kirche und auch der Ausgang des heutigen Gleichnisses widersprechen diesem sträflichen Optimismus im Hinblick auf die Entschuldbarkeit der Ignoranz gegen Gott und Seinen Ruf, sagt doch der Hausvater am Ende: „Ich sage euch aber, keiner von den Männern, die geladen waren, wird von meinem Mahle kosten.“ (Lk. 14,24). Ausschluß vom himmlischen Gastmahl ist gleichbedeutend mit ewigem Hunger nach Liebe und Glück. Ewiger Hunger nach Liebe und Glück ist aber gleichbedeutend mit der Qual ewiger Verdammnis.

Im 13. Kapitel des alttestamentlichen Buches der Weisheit finden sich die Verse: „Töricht sind von Natur alle Menschen, denen die Erkenntnis Gottes fehlt, und die aus den sichtbaren Vollkommenheiten den Seienden nicht zu erkennen vermochten und bei der Betrachtung Seiner Werke den Werkmeister nicht fanden. Aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird durch richtiges Schlußfolgern deren Schöpfer erkannt.“ (Weis. 13,1.5). Deshalb, so fährt der Weise fort, sind die Gottesleugner und die Gleichgültigen nicht zu entschuldigen: „Reichten ihre geistigen Fähigkeiten doch hin, die Welt zu erforschen [durch die eifrig betriebene Naturwissenschaft], wie kommt es, daß sie nicht eher deren Herrn fanden?“ (Weis. 13,9). Die Schuld wächst mit der gesteigerten Einsicht in die wunderbare Gesetzmäßigkeit und Harmonie, die in allen Bereichen der Schöpfung herrscht und ohne Annahme einer persönlichen überweltlichen Macht und Weisheit völlig unerklärlich bliebe.

Der hl. Apostel Paulus schreibt, auf die genannten alttestamentlichen Stellen Bezug nehmend, im ersten Kapitel des Römerbriefes: „Denn was an Ihm [Gott] unsichtbar ist, wird am Schöpfungswerk der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen; seine ewige Macht und Gottheit, so daß sie [die Menschen] unentschuldbar sind.“ (Röm. 1,20). Kurz: Jeder Mensch muß notwendigerweise durch die Betrachtung der geschaffenen Welt auf Gott, der alles geschaffen hat, zurückschließen. Das Dasein Gottes drängt sich jedem menschlichen Geist auf. Woher aber kommt es dann, daß viele an Gottes Existenz zweifeln und Ihn nicht erkennen? Der Völkerapostel erklärt: „Weil sie trotz ihrer Erkenntnis Gottes Ihn nicht als Gott verherrlichten und Ihm nicht dankten, verfielen sie in ihren Gedanken auf Nichtigkeiten, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.“ (Röm. 1,22). Die scheinbar entschuldigende Entfremdung des Menschen von Glaube, Kirche und Gott ist nach der Lehre des hl. Paulus nicht die Ursache des Nicht-Erkennen-Könnens Gottes, sondern umgekehrt. Weil die Menschen sich selbst in Besitz, Karriere und Liebesglück verwirklichen wollen und Gott weder als Urheber all dieser Dinge verherrlichen noch Ihm dafür danken noch Ihm dienen wollen, deshalb wurde ihr unverständiges Herz verfinstert, so daß ihnen das Dasein Gottes zweifelhaft erscheint. Nicht mangelnde Erkenntnismöglichkeit, sondern mangelnde Willensbereitschaft ist die Ursache für die Verfinsterung der heutigen Geister.

Wege der Gotteserkenntnis

Die katholische Kirche weist dem Menschen drei Pfade zur Erkenntnis Gottes. Gott hat sich nämlich dem Menschen auf drei verschiedene Weisen zu erkennen gegeben.

  1. durch die sichtbare Welt,
  2. durch die Stimme des Gewissens,
  3. vor allem aber durch die übernatürliche Offenbarung.

Drei Wege führen uns zu der Einsicht, daß Gott existiert: die sichtbare Welt außer uns, die Stimme des Gewissens in uns und das Wort Gottes, das Er an uns richtet.

Die äußere, sichtbare Welt existiert.

Heute wollen wir lediglich den ersten Weg eingehender beleuchten; jenen, der uns zu der Einsicht führt, daß die äußere, sichtbare Welt uns auf Gott als ihren allmächtigen Schöpfer hinweist.

Auf welche Weise weist uns denn die äußere Welt auf den allmächtigen Gott und Schöpfer hin? Wir wollen, um diese Frage zu beantworten, zuerst ein sicheres Fundament, einen unerschütterlichen Grundstein legen, auf dem wir weiter aufbauen können. Was ist das für ein Fundament? Es ist der sehr einfache, leichtverständliche Satz, daß außer uns wirklich eine äußere, sichtbare Welt existiert. Das ist eine Tatsache. Ein festes Fundament. Es gibt die Welt, in der wir leben! Wer könnte ernsthaft daran zweifeln, daß Sonne, Mond und Sterne wirklich am Himmel stehen? Daß unter unseren Füßen die Erde ist? Daß auf dieser Erde Land und Wasser, Berg und Tal miteinander abwechseln? Daß Pflanzen auf ihr wachsen? Daß Tiere und Menschen diese Welt bewohnen? Niemand kann daran zweifeln.

a) Gegen die Skeptizisten und Idealisten

Gewiß! Es gab und gibt kranke Geister, wie Descartes und Emanuel Kant und ihre Jünger bis heute, die mit spitzfindigen Gedanken und spitzen Worten so weit gegangen sind, zu bezweifeln, ob es wirklich eine äußere Welt gibt, oder wenigstens zu behaupten, daß der Mensch keine wahre Erkenntnis dieser äußeren Welt haben könne. Die ganze äußere Welt sei in Wirklichkeit nur ein Traum, von einem Wachenden geträumt; lediglich das Produkt, das Erzeugnis unseres eigenen Gehirns, welches die nur scheinbar existierende äußere Welt hervorbringt, wie die Spinne durch die Fäden, welche sie aus sich selbst herauszieht, ihr Netz, ihren Lebensraum, ihre eigene Welt erschafft.

Diese phantastischen Behauptungen stehen heute noch bei sog. „Philosophen“ in höchstem Ansehen, nicht weil sie irgendeiner kritischen, wissenschaftlichen Prüfung standhalten könnten – sie sind von wahren Philosophen längst widerlegt worden –, sondern weil sie es ermöglichen, eine „Welt ohne Gott“ zu erklären; weil sie es ermöglichen, sich von der sicheren Erkenntnis Gottes und den daraus erwachsenden Konsequenzen – Anbetung, Dank, Gehorsam gegen die Gebote etc. – zu „entschuldigen“. Jede Denkrichtung aber, welche die Erkenntniskraft des Menschen und damit seinen Zugang zur äußeren Welt der Dinge anzweifelt, unterminiert den ersten Weg zur Gotteserkenntnis.

Niemand, der sich einen gesunden Menschenverstand bewahrt hat, wird ernsthaft anzweifeln, daß die äußere Welt tatsächlich existiert; daß sie für alle in der gleichen Art und Weise existiert; und daß wir alle, so wir über gesunde fünf Sinne verfügen, die äußere Welt und alle Dinge in ihr in derselben Art und Weise wahrnehmen. – Ja, die „modernen Philosophen“ selbst widerlegen ihre haltlosen Behauptungen, indem sie nicht nach ihren Überzeugungen gehandelt haben. Nein, sie haben, gerade so wie wir, ihre Füße auf der Erde, um darauf zu stehen und zu gehen; ganz ohne Furcht, der nächste Schritt auf dem Weg vor ihnen sei in Wirklichkeit ein Schritt in einen tiefen Abgrund. Sie weichen wie wir einer Wasserpfütze aus, weil sie dieselbe wie wir erkennen, und keine nassen, schmutzigen Schuhe haben wollen. Sie haben, wie wir, mit der Hand die Speise zum Mund geführt, um sie zu genießen, und haben keinen Moment daran gezweifelt, daß es sich bei dem Wiener Schnitzel auf ihrem Teller womöglich um einen giftigen Eintopf aus Fliegenpilzen handeln könnte. Wenn sie aber die ganze sichtbare Welt nur für Schein hielten und danach handelten, so wären diese Leute reif für die Psychiatrie gewesen. Ja, sie hätten es verdient, sich im Irrenhaus „Könige“ nennen zu lassen.

Die äußere sichtbare Welt ist wirklich vorhanden. An dieser Aussage kann kein Zweifel bestehen. Darüber sind sich alle Menschen einig. Das ist der Grundstein. Ja, es ist mehr! Es ist eine feste Brücke, die uns zur Erkenntnis Gottes führt, wenn wir diese Brücke nur benutzen wollen.

b) Die Brücke zur ersten Ursache aller Dinge

Wie kann uns die sichtbare Welt eine Brücke zur Erkenntnis des unsichtbaren Gottes sein? Ganz einfach! Bei dieser ganzen sichtbaren Welt und bei jedem Teil dieser Welt kann und darf und muß man fragen: „Woher ist das alles?“ Diese Frage: „Woher?“ ist unser Zauberwort, das uns zu Gott führt. Wir müssen diese Frage nur oft und lange genug wiederholen, und wir gelangen unfehlbar bei der Erkenntnis Gottes an.

Versuchen wir einmal den Weg über diese Brücke. Nehmen wir den erstbesten Apfel, der unter dem Baum im Gras liegt. Woher kommt der Apfel? Vom Baum. Woher kommt der Baum? Aus einem Apfelkern, der in die Erde gepflanzt wurde? Woher kommt der Kern? Aus einem Apfel. Woher der Apfel? Von einem Baum. – Wie oft werden wir diese Frage wiederholen müssen? Der Weg ist langweilig. Kürzen wir ihn also ab. Es ist sicher, wenn wir lange genug fragen, dann kommen wir zu einem Punkt, wo die alte Antwort nicht mehr gilt. Die Kette von Apfel, Baum, Kern kann nicht unendlich sein. Ganz am Anfang muß entweder ein erster Baum stehen, der aus keinem Kern gewachsen ist, oder ein erster Kern, der aus keinem Apfel stammt, oder ein erster Apfel, der auf keinem Baum gewachsen ist. – Woher aber kommt dieses erste? Auf diese Frage muß eine andere Antwort gegeben werden!

Wollte man nun ernsthaft behaupten, wie es manche tun: Der erste Apfel, oder der erste Baum, oder der erste Kern sei zufällig entstanden, indem sich diese und jene Elemente, biochemischen Verbindungen und Stoffe in diesem Verhältnis und in jener Mischung zufällig zusammengefunden haben? Etwa so, wie der Staub der Straße und der fallende Regen sich zusammenfinden und in ihrer Verbindung den Schmutz bilden? Obwohl es durchaus gegen alle Erfahrung ist, daß aus niederen Elementen durch Zufall etwas Vollkommeneres entstehen kann, wollen wir einmal annehmen, in solcher Weise sei der erste Apfel oder der erste Baum oder der erste Kern entstanden: durch zufällige Vermischung bestimmter Elemente, biochemischer Verbindungen und Stoffe. – Woher aber kommen dann die Stoffe? Woher die Elemente? Woher die komplizierten Verbindungen? Sie waren schon früher da, sagt man uns. Schon lange, lange vorher. Vielleicht in anderer Form, in anderer Gestalt und anderer Verbindung. Einverstanden. Aber wir lassen nicht locker, wir gehen weiter und weiter und fragen so lange: „Woher?“ „Woher?“ bis wir den Stoff in seiner allerersten Form, Gestalt und in seinem rohen Zustand haben. – Und wieder stellen wir die Frage: „Woher kommt die Urmaterie?“ Wir verlangen eine vernünftige Antwort! Hat sich die Urmaterie selbst hervorgebracht? Kann ein Ding sich selbst hervorbringen? Unmöglich! Diese Annahme wäre noch unvernünftiger, als wollte jemand ernsthaft behaupten, er könne sehen, noch bevor er Augen hat. Keine Sache kann sich selbst verursachen. Jedes Ding ist von einem anderen verursacht. Auch die Urmaterie, der Urstoff, konnte sich nicht selber hervorbringen. Aber woher ist er dann? Ist er von einem Engel erschaffen worden oder von einem Menschen? Engel und Menschen können nichts erschaffen, und wenn sie es könnten, so würden wir wieder fragen: „Woher kommt der Mensch?“ „Woher kommt der Engel?“ Und so würden wir fragen und weiterfragen, bis wir bei dem allerersten Geschöpf, vor dem kein anderes Geschöpf war, angelangt sind. Und wieder würden wir unsere Frage wiederholen: „Woher?“ Wir müssen eine Ursache finden, eine vollständige, eine hinreichende, eine befriedigende Ursache, die uns erklärt, wie das erste Geschöpf entstanden ist. Auf dieses letzte „Woher?“ gibt es keine andere Antwort als diese: Es muß eine Ursache geben, die das erste Geschöpf und alle anderen Geschöpfe ins Dasein rief. Eine Ursache, die alles erschaffen hat, selbst aber nicht erschaffen ist. Eine Ursache, die selber nicht geworden ist, sondern immer schon da ist. Eine Ursache, die den Anfang aller Dinge enthält, selbst aber keinen Anfang hat. Eine Ursache, die stark genug ist, die Geschöpfe aus dem Nichts ins Dasein zu rufen. Und diese erste unverursachte und allmächtige Ursache aller übrigen Dinge, das ist Gott.

Es nützt den Gottesleugnern und Zweiflern nichts, wenn sie versuchen, den Weg länger und länger zu machen. Er hat doch einen Anfang. Mögen sie die wahnwitzige und immer noch unbewiesene Behauptung aufstellen, die Menschen hätten sich durch Evolution aus den Tieren entwickelt und die Tiere aus den Pflanzen und die Pflanzen aus kleinen Wasserlebewesen, die wiederum ihr Leben durch einen Sternenimpakt oder Blitzschlag empfangen hätten. Oder die ganze Welt überhaupt sei aus dem sog. „Urknall“ hervorgegangen. Kann man denn im Hinblick auf den Sternenimpakt oder den „Urknall“ nicht ebensogut fragen: „Woher?“ Es nützt ihnen nichts, zu sagen, das Universum sei aus dem Urknall entstanden und dehne sich bis zu einem bestimmten Punkt immer weiter aus, bis es wieder in sich zusammenstürzt und sich die Materie so weit verdichtet, daß darauf ein erneuter Urknall erfolge usw. usf. Ein ewiger Zyklus. – Alles unbewiesene Behauptungen und Phantastereien sog. „Naturwissenschaftler“! Wozu? Nur um nicht zugeben zu müssen, daß es einen Gott gibt und geben muß. Einen Gott, der alles, was ist, erschaffen hat und an den wir folglich glauben müssen, dem wir dienen und den wir lieben müssen. Vergebliche Versuche!

Denn selbst wenn es einen sich ständig wiederholenden Zyklus von Urknall, Ausdehnung, Zusammenbruch und erneuter Verdichtung des Universums gäbe: Was sollte das nützen? Auch so kommen wir an Gott nicht vorbei. Mögen sie Tausende und Millionen und Milliarden und Drillionen von Jahren aufeinanderhäufen. Mögen sie Milliarden neuentstehender und untergegangener Welten hintereinanderstellen, von denen die folgende auf die erste entsteht, wie der Apfel vom Baum. Wir gehen bis zur ersten Welt und zu ihrem ersten Zustandekommen – mag man diesen Augenblick den Ur-Ur-Ur-Urknall nennen – und wir stellen wieder unsere Frage: „Woher kommt dieser allererste Urknall?“ Können die Gottesleugner und Zweifler eine andere Antwort geben als diejenige, die wir schon gegeben haben? Niemals!

Gott existiert!

Wenn es auf der weiten Welt nichts gäbe und gegeben hätte als einen einzigen dürren Strohhalm, man könnte beweisen, daß es einen allmächtigen Gott gibt. Der Strohhalm könnte nicht existieren und bestehenbleiben ohne die Allmacht Gottes, die ihn erschaffen hat.

Schauen wir aber in einer sternklaren Nacht zum Himmel empor! Rufen nicht die Sterne einstimmig mit stummer, aber deutlicher Sprache: „Ja, es existiert ein allmächtiger Gott“? Von den Sternen schreibt der Prophet Baruch: „Sie werden gerufen und sagen: ‚Da sind wir!‘ Sie leuchten mit Lust vor ihrem Schöpfer.“ (Bar. 3,35). Und im 18. Psalm heißt es: „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke Seiner Hände.“ (2). Und wenn wir das Meer anschauen, alle seine rauschenden Wogen sagen: „Es gibt einen allmächtigen Gott, der uns erschaffen hat.“ Alle Geschöpfe, Berge und Täler, Tiere und Menschen, Erde und Himmel rufen mit tausendfacher Stimme, so laut, so einstimmig, so nachdrücklich, daß der Taube es hört: „Gott existiert! Ohne Ihn wäre nichts. Ohne Ihn wären wir nicht. Ohne Ihn könnten wir nicht fortbestehen.“

Stellen wir uns vor, wir sähen im frischgefallenen Schnee die Spur eines menschlichen Fußes. Wir sind zwar auf unserem winterlichen Spaziergang keinem Menschen begegnet, auch haben wir weit und breit keinen Menschen gesehen, und doch sagen wir: „Da ist ein Mensch gegangen.“ – Wir sehen ein herrliches Kunstwerk; ein vollendetes Gemälde. Wir haben niemanden bei der Arbeit gesehen. Der Künstler ist vielleicht schon seit Jahrhunderten tot. Und doch sagt jeder: „Das hat ein meisterlicher Maler gemalt.“ Niemand käme angesichts der berühmten „Mona Lisa“ auf die Idee, zu sagen, es sei nur eine Legende für das einfache Volk, daß dieses Gemälde von einem Künstler namens Leonardo da Vinci stamme. In Wirklichkeit sei es aus Zufall entstanden. Der Staub und der Schmutz hätten sich im Laufe der Zeit zufällig so angeordnet, daß sich auf der Leinwand mehr und mehr dieses anmutige Frauengesicht herausgebildet habe. Oder es sei plötzlich nach einer Explosion, nach einem Knall einfach dagewesen. Niemand behauptet solchen Unsinn. Nur im Hinblick auf die Entstehung des größten Kunstwerks überhaupt, des ganzen Kosmos, wird solcher Wahnsinn für wahr gehalten. Ernsthaft? – Wenn wir vor dem Kölner Dom stehen, da sehen wir die Baumeister längst nicht mehr bei der Arbeit und doch sagen wir: „Ein derart komplexes Monumentalbauwerk kann nicht aus Zufall entstanden sein, sondern ein großer Meister, ein großer Geist muß den Plan dazu entworfen haben.“ Der Zufall kennt keinen Plan. Die ungesteuerte Kraft einer Explosion kann unmöglich die hochkomplexe Ordnung eines gotischen Domes herstellen.

Schauen wir uns um! Die ganze sichtbare Welt, so groß, so schön, so weit, so hoch, so reich, so vielfältig, so kunstvoll, so geordnet, so komplex und so voll Leben. Sehen wir nicht die Spuren der allmächtigen Hand Gottes? Ja, so wahr, wie Tatsache ist: „Es gibt eine Welt“ – so wahr ist auch das andere: „Es gibt einen allmächtigen Gott, der sie erschaffen hat.“ Die eine Tatsache ist für jedermann offensichtlich: „Die sichtbare Welt existiert.“ Und daraus ergibt sich mit Notwendigkeit die andere: „Gott existiert.“ Deshalb das strenge Wort des Völkerapostels: „Denn was an Ihm [Gott] unsichtbar ist, wird am Schöpfungswerk der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen; seine ewige Macht und Gottheit, so daß sie [die Gottesleugner, die Skeptiker, die Gleichgültigen] unentschuldbar sind.“

„Meines Herzens Gott und Anteil in Ewigkeit“

Welches Verbrechen ist es also, so vielen und deutlichen Zeugen zu widersprechen, die alle sagen: „Gott existiert!“? Gewiß wird niemand der hier Anwesenden zu der Zahl der Gottesleugner zählen oder zu denen, welche die Existenz Gottes anzweifeln. Nichtsdestotrotz ist es gerade in unserer heutigen Zeit, in der uns so viele haltlose lügnerische Behauptungen als „wissenschaftlich erwiesene Tatsachen“ verkauft werden, angebracht und nützlich, sich in der Überzeugung von dem Dasein Gottes zu befestigen.

Auf dem Glauben an das Dasein Gottes beruht alle Religion, alle Ordnung des Staates, die Heiligkeit der Familie, die Sicherheit und Sittlichkeit des öffentlichen Lebens, die Bildung des menschlichen Gewissens, man könnte sagen: die Ordnung des ganzen Weltalls.

Sprechen wir also aus vollem Herzen: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer Himmels und der Erde.“ Wir brauchen nicht zum Staub der Erde zu sagen: „Du bist unsere Mutter. Aus dir sind wir entstanden.“ Wir brauchen nicht zu den Affen zu sagen: „Ihr seid unsere Vorfahren“. Nein, Gott ist unser Vater!

Welche Ehre, einem solchen Herrn zu dienen, dem Schöpfer und Herrn des Weltalls! Welch eine Hoffnung, daß wir einen so großzügigen und barmherzigen Herrn haben, der uns „die Armen und Schwachen, die Blinden und Lahmen“, wie uns der Herr in Seinem Gleichnis nennt, zu sich in den himmlischen Hochzeitssaal ruft. Nur eine Forderung richtet Er an uns, um uns bei sich einzulassen. Sagt Er doch: „Mein Sohn, gib Mir dein Herz!“ (Spr. 23,26). Wie sollten wir Gott nicht lieben, da Er unser Schöpfer ist, unser Herr, unser König, unser Seligmacher, der uns liebt und unsere Liebe verlangt, der sich uns ganz schenkt, wenn wir uns nur Ihm schenken?

So wollen wir aus ganzem Herzen sprechen: „Über alles will ich Dich lieben, Dich, die erste Quelle meines Daseins. Denn das ist ja die einfachste Ordnung, die sich denken läßt, daß der Schöpfer mehr geehrt und geliebt werden muß als alle Werke, die Er geschaffen hat: mehr als alle Landgüter und irdischen Sicherheiten. Mehr als alle Arbeitskraft und allen damit zu erreichenden Glanz und Reichtum. Mehr als alle teuren und lieben Menschen. „Was habe ich im Himmel und was will ich auf Erden?“ Da finde ich nur Geschöpfe, die mir gleich sind, die etwas höher sind, die etwas niedriger sind als ich. Du allein bist „meines Herzens Gott und mein Anteil, Gott in Ewigkeit“. (Ps. 72,26). Amen.

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