Was der Mensch sät, das wird er auch ernten

Geliebte Gottes!

Wir feiern Erntedank. Früher konnte man sagen: Es ist geschafft. Die Ernte ist eingebracht. Viel Mühe und Arbeit, zum Teil auch Sorgen und Nöte lagen nun hinter unseren Vätern, Großvätern und Urgroßvätern. Jetzt konnte man sich an den Gütern freuen und Gott, dem Spender alles Guten, dafür danken. Und heute? – Wohl kaum einer von uns stand im Frühjahr auf dem Acker, um die Saat auszubringen. Und genauso wenige waren in den letzten Wochen damit beschäftigt, die Ernte einzubringen. Wozu also Erntedank feiern? Heute gibt es Tomaten, Weintrauben, Äpfel, Birnen, Kartoffeln und all die anderen Güter das ganze Jahr über im Supermarkt zu kaufen, nicht nur im Herbst. Ist also das Erntedankfest tatsächlich nur ein Relikt aus vergangen Tagen? Nicht Tradition, sondern bloß ein „Traditiönchen“, ein bißchen Folklore also?

Warum wir das Erntedankfest brauchen

Nein, gerade weil unser Leben inzwischen fast ganz von Feld und Acker sowie von den natürlichen Wachstumszyklen losgelöst und davon unabhängig geworden zu sein scheint, gerade deshalb haben wir das Erntedankfest vielleicht noch notwendiger als frühere Generationen. Denn erstens erinnert uns dieses Fest daran, daß das, was da mehrmals in der Woche von LKWs angekarrt, dann bei Aldi, Lidl, Rewe und Edeka exakt abgewogen, eingeschweißt und schön verpackt im Regal steht, eben nicht nur „Frucht der menschlichen Arbeit“ ist, sondern daß da noch ein anderer ist, der Seinen Segen geben mußte, damit die Regale voll sind und wir unser täglich Brot genießen dürfen. Ja daß derjenige sogar die Hauptarbeit geleistet hat. Was Paulus von der übernatürlichen Ordnung sagt, das gilt auch für die Gesetze des natürlichen Wachstums: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, aber Gott gab das Gedeihen. So ist weder der Pflanzende etwas noch der Begießende, sondern Gott, der das Gedeihen gibt“ (1. Kor. 3, 6). Unser tägliches Brot ist letztlich und damit vor allem von Gott abhängig. Das Sprichwort gilt noch heute: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Deshalb ist ein Dankfest zur Ehre Gottes, dem Urheber alles Guten, überaus angemessen. – Zweitens: Gerade weil wir nicht mehr, wie frühere Generationen, das bange Gefühl um eine gute Ernte kennen; gerade weil wir im Falle von Frostnächten im Frühjahr trotzdem im Herbst nicht auf Äpfel, Birnen und Nüsse verzichten müssen oder im Falle von Dauerregen oder Trockenheit im Sommer trotzdem nicht hungern brauchen, weil auf dem Weltmarkt einfach alles nachgekauft werden kann, was die eigene Landwirtschaft nicht hergibt – deshalb brauchen wir wenigstens einmal im Jahr ein Dankfest, bei dem wir uns in Erinnerung rufen, wie unverdient und wenig selbstverständlich es ist, daß wieder ein Jahr vergangen ist, an dem keiner von uns aus Not Hunger leiden mußte, sondern jeder sein tägliches Brot zu essen bekam. – Und noch ein dritter Grund läßt sich anführen: Durch die Danksagung macht sich der Mensch würdig, weitere Wohltaten aus Gottes Hand zu empfangen. Freilich heißt es im Evangelium: „Wer bittet, der empfängt“ (Mt. 7, 8). Aber demjenigen, der hinterher dafür dankt, dem gibt man ein weiteres Mal viel lieber als dem Undankbaren. – Und obwohl es zwar nicht den Anschein hat, so müssen wir uns doch eingestehen, daß trotz unseres heutigen Wohlstandes unser tägliches Brot weit weniger gesichert ist als das der Menschen früherer Generationen. Man stelle sich nur vor, was passieren würde, wenn ab morgen die Versorgungsketten abreißen, wenn keine LKWs die Supermärkte und Geschäfte versorgen, wenn die Auslagen in den Lebensmittelgeschäften und Bäckereien leer blieben. Heute können sich viel weniger Haushalte selbst versorgen als früher. Die Nutzgärten sind vielerorts längst den Ziergärten gewichen. Das Wissen, das Oma und Opa über Haltbarmachung von Lebensmitteln und Vorratsplanung noch hatten, ist zumeist mit ihnen gestorben und der jüngeren Generationen verlorengegangen. Der moderne Mensch ist anfälliger für Versorgungskrisen. Deshalb hat er allen Grund, Gott Dank zu sagen für Seine Freigebigkeit und Güte, mit der Er uns erhalten hat und hoffentlich weiterhin erhält.

Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ 

Aber das Erntedankfest erinnert uns nicht nur an unsere Abhängigkeit von Gottes Freigebigkeit, sondern auch noch an etwas anderes, das nicht minder wichtig ist für uns moderne Menschen. Es erinnert uns an das Gesetz von Aussaat und Ernte und damit an die Verantwortung des Menschen für das, was er erntet. „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Gal. 6, 7). Der Mensch hat seinen Teil zur Ernte beizusteuern: Der Ackerboden, dem Gott die Kräfte verliehen hat, Leben hervorzubringen, mußte vom Landwirt schon im vorherigen Herbst oder im Frühjahr bestellt werden. Das Saatgut mußte sorgsam ausgesucht werden. Genausoviel Sorgfalt ist auf das Ausbringen der Samen zu verwenden. Die Abstände müssen stimmen, das Feld muß richtig ausgenutzt werden, denn: „Wer spärlich sät, wird spärlich ernten. Doch wer Segensfülle sät, wir Segensfülle ernten“ (2. Kor. 9, 6). Ist das geschehen, so bricht auch heute noch die für uns moderne Menschen so fremdgewordene Zeit geduldigen Wartens an. Man muß wachsen lassen, wie es unser Herr Jesus Christus so trefflich schildert: „Die Saat sproßt und wächst, der Bauer weiß nicht wie. Von selber trägt die Ernte Frucht; Saatgrün zuerst, dann die Ähre, dann in der Ähre volles Korn. Läßt es die Frucht dann zu, legt er sogleich die Sichel an; die Erntezeit ist da“ (Mt. 4, 27). Diese Zeit des Wartens hatte man früher gut ausgenützt mit Flurumgängen, Feldersegnungen, Wallfahrten um günstige Witterung und mit dem auch uns heute noch vertrauten Wettersegen – kurz: für Gebet und Opfer. Und dann schließlich die Ernte selbst. Bei alledem gilt das Gesetz, an welches uns Erntedank erinnert: „Ohne Saat keine Ernte.“ Ohne Mühe kein Erfolg. „Wie du wirst säen, so wirst du mähen. Was du mit Fehlern säst, wirst du mit Schmerzen ernten.“

Das Gesetz von Saat und Ernte gilt jedoch nicht allein im Bereich der Landwirtschaft. Es gilt auch sonst in allen anderen Bereichen des menschlichen Lebens. „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ In der Arbeitswelt gilt dasselbe Gesetz. Wenn man bleibende und gute Erfolge zeitigen möchte, dann muß man sich hochherzig für den Betrieb, für die Abteilung, für den Kunden einsetzen. – Das gilt nicht minder für die Erziehungsarbeit der Eltern und Lehrer im Hinblick auf die Entwicklung der Kinder. „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ – Ja es gilt sowohl auf der hohen politischen Parket genauso wie im zwischenmenschlichen Umgang der einfachen Menschen. In der Familie, in der Verwandtschaft, in der Nachbarschaft und im Freundeskreis: „Wie es in den Wald hinein schallt, so hallt es auch heraus.“Oder eben anders ausgedrückt: „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“

Wenn dieses Gesetz also in allen natürlichen Bereichen des menschlichen Lebens gilt, nimmt es da wunder, wenn es auch auf dem weiten Feld der Übernatur seine Geltung hat? Ja, auch in der bedeutenden Angelegenheit unseres ewigen Heiles hat es seine Geltung, wie uns der hl. Paulus im Galaterbrief mahnt: „Täuscht euch nicht, Gott läßt seiner nicht spotten; denn was einer sät, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten. Wer auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Laßt uns nicht müde werden, Gutes zu tun; denn zur rechten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht nachlassen“ (Gal. 6, 7-9)

Saatgut für die ewige Ernte

Zwei verschiedene „Böden“ unterscheidet der Völkerapostel voneinander, die jeweils ihre ganz eigenen Früchte zeitigen. Der Boden ist entweder „das Fleisch“, d.h. die Konkupiszenz, die dreifache Begierlichkeit der Augenlust, der Fleischeslust und der Hoffart des Lebens. Was wir darauf säen, wird uns ewiges Verderben einbringen. Der andere Boden wird von Paulus „Geist“ genannt und meint das „gute Erdreich“, bestehend aus dem Humus der Demut. Das lateinische Wort für Demut, „humilitas“, enthält das Wort Humus – feuchte, benetzte Erde. So wie die feuchte Humuserde das Pflanzenwachstum günstig beeinflußt, so die Demut das Wachstum der übernatürlichen Tugenden und guten Werke. Denn die Demut zieht den Tau des Heiligen Geistes, d.h. Seine übernatürliche Gnade und die Sieben Gaben auf die Seele herab und macht sie fruchtbar für das ewige Leben. Da wir die Bodenarten geklärt hätten, bleibt noch die Frage nach dem Saatgut. – Das Saatgut, mit dem wir unser Feld zur ewigen Ernte bestellen, sind alle Dinge und Begebenheiten unseres Lebens: unsere Lebenszeit, unsere Fähigkeiten, unser Beruf, unsere Gesundheit, unser Geld, unsere Kräfte, unser Einfluß auf andere Menschen. Kurzum: Alles im Leben ist Saatgut für die ewige Ernte. Ja, selbst die Widerwärtigkeiten, Krankheiten, Leiden, Demütigungen oder sonstige Kreuze. Wir müssen sie nur in der rechten Weise zu gebrauchen wissen, um sie für die Ewigkeit fruchtbar zu machen. Doch dabei müssen wir unseren Glauben betätigen.

Die Erbsünde hat den Verstand des Menschen nachhaltig verdunkelt und seinen Blick auf die Ewigkeit getrübt. Statt die uns zur Verfügung stehenden Mittel im Licht der Ewigkeit zu beurteilen und dementsprechend einzusetzen – indem wir das tun, was Gottes Gebot vorschreibt und das unterlassen, was Sein Gebot verbietet – urteilt der verdunkelte Verstand nach anderen Kriterien. Nicht „der Geist“, also der Wille Gottes, sondern „das Fleisch“ ist der Maßstab für sein Tun und Lassen. „Das Fleisch“ urteilt jedoch nicht nach dem sittlichen Maßstab von „gut“ und „böse“, von „richtig“ und „falsch“, von „Tugend“ und „Sünde, sondern nach den sinnlichen Prinzipien von „Lust“ und „Unlust“. Das Fleisch will nicht zwangsläufig das Richtige und das Gute, sondern lediglich das Angenehme. Es flieht nicht aus Prinzip das Sündhafte und Falsche, sondern nur das Unangenehme. Und wie wir aus leidvoller Erfahrung wissen, erscheint dem Fleisch das Sündhafte oft überaus süß und angenehm, hingegen das Gute beschwerlich und lästig. – Wir dürfen uns demnach nicht vom Fleisch leiten lassen, sondern müssen darauf bedacht sein, überall in unserem Leben den Maßstab der Ewigkeit anzulegen. Der hl. Stanislaus Kostka machte es sich zur Gewohnheit, sich bei allem zu fragen: „Was bringt mir das für die Ewigkeit?“, um dann zu entscheiden, ob und wie er eine Sache gebrauchen würde.

Um eine reiche Ernte für das ewige Leben einzufahren, müssen wir im Geiste säen. Dazu müssen wir uns allen Dingen und Begebenheiten gegenüber, die uns in diesem Leben begegnen, gleichmütig machen. Gleichmütig heißt einerseits, sich nicht an das Angenehme zu klammern, und andererseits, Unangenehmes nicht zurückzuweisen, sondern sowohl das eine als auch das andere bereitwillig aus der Hand Gottes anzunehmen, wie Er es schickt. Zur Veranschaulichung gibt der hl. Ignatius von Loyola in seinem Exerzitienbüchlein vier gegensätzliche Paare an. Er sagt: Reichtum soll uns genauso willkommen sein wie Armut; ein langes Leben genauso wie ein kurzes; Gesundheit genauso wie Krankheit; Ehre wie Unehre. Alle diese Dinge können, sofern wir sie „auf den Geist säen“, d.h. dem Willen Gottes gemäß gebrauchen, reichen Ertrag für die Ewigkeit abwerfen. So sie jedoch „im Fleische gesät“ werden, können sie uns zu einem Fallstrick werden, der uns ins ewige Verderben stürzt.

Reichtum – Armut

Der Reichtum beispielsweise. An sich ist Geld und Besitz weder gut noch schlecht. Geld ist ein neutrales Tauschmittel. Man kann es sehr wohl zum Guten gebrauchen: etwa zur Sicherung des Lebensunterhaltes der eigenen Familie oder um den Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Der Besitz von Geld und Gütern ermöglicht es, Werke der Nächstenliebe zu tun: Bedürftigen zu helfen, Not zu lindern, die Werke der Kirche zu unterstützen. Viele Heilige waren reich, ja sogar sehr reich. Denken wir an die heiligen Fürsten, Könige und Kaiser des Mittelalters. Sie haben ihren Reichtum gerade für die Werke der Caritas und für den Unterhalt der Kirche bzw. für die Ausbreitung des katholischen Glaubens eingesetzt. Das Vermögen kann also durchaus dazu beitragen, daß man selbst das ewige Ziel erreicht und dabei durch Mildtätigkeit auch anderen ermöglicht, das ewige Heil erreichen. – Aber natürlich kann der Reichtum auch mißbraucht werden. Geschichte und Gegenwart kennen unzählige Beispiele der Habgier, der Verschwendung, der Ausschweifung und des Geizes. Der Reichtum kann buchstäblich „auf das Fleisch“ gesät werden, nämlich zur Befriedigung selbstsüchtiger Wünsche und fleischlicher Lüste. Der Besitz kann zum Prahlen mißbraucht werden, um damit anzugeben, was man sich nicht alles leisten kann: das Neueste, das Teuerste, das, was die anderen noch nicht haben, versteht sich.

Dem Reichtum gegenüber steht die Armut. Auch die Armut kann ein Mittel sein zu Gott. Sie ist ein wertvolles Saatgut, das kostbare Früchte für die Ewigkeit hervorbringen kann. Die Armut lehrt bitten. Sie lehrt auf Gottes Vorsehung vertrauen. Sie gibt dem Armen das lebendige Gefühl der Abhängigkeit von Gott. Das ist der Grund, warum die Ordensleute das Gelübde der Armut ablegen. Sie wollen sich ganz von Gott abhängig machen. Das ist sehr verdienstlich! – Aber, allein die Tatsache, wenig begütert zu sein, ist nicht schon gleich eine Tugend, wie uns das Herr Bergoglio immer wieder weiszumachen sucht. Ein armer Mensch ist nicht gleich auch schon ein guter Mensch. Man kann sich gegen die Armut innerlich auflehnen, die Reichen um ihren Besitz beneiden. Man kann auch als armer Mensch habgierig, ungenügsam und unersättlich im Verlangen nach materiellen Gütern sein. Die „auf das Fleisch“ gesäte Armut kann eine Motivation zum Stehlen werden. Sie macht es revolutionären Führern leicht, zum Haß und zu Gewalttaten aufzustacheln. Die Kommunisten hatten die arme Arbeiterschaft erfolgreich aufgehetzt, um ihre totalitären Herrschaftsträume gewaltsam und blutig umzusetzen. – Während „das Fleisch“ den Reichtum der Armut stets vorziehen würde, weiß „der Geist“ beides zu seinem Vorteil zu gebrauchen. Egal ob Reichtum oder Armut. Beides muß uns gleich lieb sein, wenn Gott sie schickt. Beides kann uns dienlich sein, damit wir Früchte zeitigen, die uns in der Ewigkeit zu Gott führen.

Langes Leben – kurzes Leben

Gleiches gilt für den Gegensatz zwischen einem langen oder einem kurzen Leben. „Das Fleisch“ würde, wenn es die Wahl hätte, ein langes Leben vorziehen. – Es gibt aber Kinder, die sich in kürzester Zeit geheiligt haben. Der hl. Dominico Savio starb mit vierzehn; die hl. Imelda mit elf; die hl. Theresia von Lisieux mit 24 Jahren, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie haben sich in kurzer Zeit geheiligt. Und niemand weiß, wie es ausgegangen wäre, hätten sie länger gelebt. – Die Tatsache, daß der Mensch heute in einem hohen Grand der Heiligkeit steht, ist keine Garantie dafür, daß er es morgen auch noch tut. Wer weiß, was aus diesen heiligen Kindern geworden wäre, hätte Gott sie nicht in jungen Jahren zu Sich gerufen. 

Es gibt Menschen, die sehr gut begonnen haben und sehr schlecht endeten. Beispielsweise König Salomon. Er hatte ein langes Leben. Anfangs war er sehr fromm und gottesfürchtig. Der Heilige Geist bediente sich seiner, um mehrere Bücher des Alten Testaments anzufassen. Salomon baute den ersten Tempel in Jerusalem, regierte weise und gerecht, so daß der Ruhm seiner Weisheit weit über die Grenzen Israels hinaus drang und ihm Könige und Königinnen ferner Länder mit kostbaren Geschenken aufwarteten. Doch im Laufe der Zeit verlor König Salomon die Gottesfurcht, nahm sich zahlreiche heidnische Frauen, die ihn zum Götzendienst verführten und endete schließlich als verdorbener Apostat. – Manche benutzen die Zeit eines langen Lebens nur dazu, sie mit Spielereien und Vergnügungen zu vergeuden, um Laster auf Laster, um Sünde auf Sünde aufzuhäufen – zu noch größerem Verderben. – Andere hingegen wissen jeden neuen Tag dazu zu gebrauchen, um sich noch mehr zu heiligen, um täglich Gott näher zu kommen; durch das Gebet, durch die Gottergebenheit in Prüfungen und Leiden, durch würdigen Sakramentenempfang, so oft dieser möglich ist. Die Lebenszeit ist ein kostbares Saatgut, das wir recht gebrauchen müssen, damit es Frucht für das ewige Leben bringt. Nur darauf kommt es an.

Gesundheit – Krankheit

Gesundheit und Krankheit. Auch die Gesundheit ist ein hohes Gut. Man kann viel Gutes tun, wenn man seine körperlichen und geistigen Kräfte ohne Beeinträchtigung gebrauchen kann, was in Tagen der Krankheit nicht so ohne weiteres möglich ist. Aber wie viele Menschen gebrauchen ihre Gesundheit zum Sündigen? Zu einem liederlichen Leben; zu Betrügereien, Gewalt, Drogenkonsum, sexuellen Exzesse, Partys und Sauftouren. Was nützt solchen Menschen ihre gute Gesundheit? Für manche wäre eine gebrechlichere Gesundheit besser. Dann würden sie weniger sündigen.

Hingegen gibt es viele Menschen, denen eine Krankheit zum Segen geworden ist. Oft geschieht es, daß Menschen in ihrem Schmerz zu Gott zurückfinden; insbesondere, wenn sie von schweren Krankheiten heimgesucht werden. Dann erkennen sie, daß die Welt und ihre Genüsse doch nicht halten, was sie versprechen. Die Zeit auf dem Krankenbett kann eine heilsame Denkpause werden, um sich wieder auf den wahren Sinn und Zweck dieses irdischen Lebens zu besinnen. Krankheiten und Schmerzen stellen außerdem eine wertvolle Gelegenheit dar, um zeitliche Sündenstrafen abzubüßen und also das Fegfeuer abzukürzen und dabei auch noch das ewige Verdienst zu mehren. Zahlreiche Heilige haben sich auf dem Krankenlager von einem sündhaften Leben bekehrt. Und wir wissen nicht, wieviele von ihnen gerade durch den Bußeifer, mit dem sie ihre körperlichen Gebrechen trugen, heilig geworden sind. Leider begreifen heute nur noch wenige Menschen, daß die Zeit der Krankheit in Wirklichkeit eine Zeit der Gnade ist.

Die Krankheit kann aber auch schlecht gebraucht werden. Etwa um sich von Gott abzuwenden; um die Faust wider Ihn zu ballen und sich gegen Gott aufzulehnen; um sich und sein Leben zu verfluchen. Auf das Feld des rebellischen Fleisches gesät, gereicht die Krankheit dann zum Verderben.

Ehre – Unehre

Bleibt noch der Gegensatz zwischen Ehre und Unehre. Ehre kann sehr förderlich sein und darf von demjenigen erstrebt werden, dem sie aufgrund seiner Qualifikation oder aufgrund seiner Verdienste zusteht. „Ehre, wem Ehre gebührt.“ Sie bringt Ansehen. Sie gibt moralische Autorität, deren Vorbild und gutem Beispiel andere Menschen folgen. Der hl. König Ludwig von Frankreich war ein frommer Herrscher. Er gebrauchte seine Prominenz, um seinem Volk ein vorbildliches Christenleben vor Auge zu stellen. Er selbst pflegte und fütterte die Kranken und Notleidenden im Siechenhaus, hörte täglich zwei hl. Messen und betete neben seinen Regierungsgeschäften das ganze Brevier. Er setzte sein Ansehen ein für die Religion. Wenn auch heute Politiker, professionelle Sportler, Musiker, Schauspieler, berühmte Wissenschaftler und Literaten oder sonstige Personen des öffentlichen Lebens ihre Prominenz und ihren Einfluß für ein vorbildliches christliches Leben einsetzte würden, so könnte viel Gutes daraus erwachsen.

Den meisten von ihnen schaden Ruhm und Ehre jedoch. Entweder weil sie dem Ruhm nicht gewachsen sind; weil sie für ein Amt nicht hinreichend qualifiziert sind, oder weil sie ihre Macht und ihren Einfluß mißbrauchen. – Zweifelsohne wäre es etwa für die Konzilspäpste besser gewesen, sie wären unbedeutende Kapläne geblieben. So mancher Staatspräsident wäre besser ein kleiner Versicherungskaufmann, so manche Bundeskanzlerin besser Putzfrau geworden. – Ehre kann mißbraucht werden. Sie bläht den Stolzen auf. Von einfachem Dünkel angefangen, über Angeberei, Prahlerei und überheblichem Benehmen bis dahin, sich als „kleinen Herrgott“ zu gebärden.

Nicht jedem tut Ehre gut. Deshalb kann ein Sturz vom Podest eine große Gnade sein. Verleumdungen, Ehrabschneidung, Demütigungen, üble Nachrede, Verkennung und Geringschätzung der eigenen Person kann dem Menschen zum wahren Segen werden, damit er sich besinnt. Damit er Bescheidenheit, Güte und Verantwortungsbewußtsein lernt. – Freilich kann Unehre und Schmach einer Seele auch schlecht bekommen. Etwa dann, wenn sie sich haßerfüllt gegen die Demütigung auflehnt und auf Rache sinnt; oder sich völlig entmutigt einfach gehen läßt, frei nach dem Motto: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich‘s völlig ungeniert.“

Der Name des Herrn sei gepriesen.“

Egal, was Gott uns im vergangen Jahr geschickt hat und uns im kommenden Jahr schicken wird. Wir wollen ihm heute dafür danken. Er ist derjenige, der sich unentwegt um unser Heil sorgt; der uns nicht nur das tägliche Brot, sondern vielerlei andere Güter und Gelegenheiten zukommen läßt, damit wir noch größere Frucht für die ewige Ernte bringen. Täuschen wir uns also nicht: „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf sein Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten. Wer auf den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten. Laßt uns nicht müde werden, Gutes zu tun; denn zur rechten Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht nachlassen“ (Gal. 6, 7-9). In Reichtum oder Armut, während eines langen Lebens oder eines kurzen. Gesund oder krank. Angesehen oder verachtet. Alles wollen wir dankbar annehmen mit dem Kuß unserer ergebenen Hingabe an Gott, den Geber alles Guten, und auf diese Weise furchtbar machen für die Ewigkeit. Gott macht keine Fehler! Deshalb sei Ihm sei Lob und Ehre und Dank in alle Ewigkeit. Amen.