Jerusalem

Geliebte Gottes!

Man kann die heilige Fastenzeit mit einer 40-tägigen Wallfahrt vergleichen. Schon ganz am Anfang rief unser göttlicher Erlöser Seinen Jüngern zu: „Laßt uns hinaufziehen nach Jerusalem. Dort wird alles in Erfüllung gehen, was die Propheten über den Menschensohn geschrieben haben.“ Heute kommt das Reiseziel in Sicht – Jerusalem. Und wie es bei den jährlichen Tempelwallfahrten der Juden üblich gewesen ist, so legt uns auch unser Mutter, die hl. Kirche, beim ersten Anblick der Gottesstadt ein Freudenlied auf die Lippen. Es sind die Worte des Introitus: „Laetare – Freue dich Jerusalem! – Kommt alle zusammen, die ihr es liebt. Froh überlaßt euch der Freude, die ihr traurig wart. Frohlocken sollt ihr und satt euch trinken an der Tröstung Überfülle, die euch quillt.“

Jerusalem

Der Name der Gottesstadt verheißt Frieden. Jerusalem bedeutet übersetzt soviel wie „Erbteil des Friedens“. Aufgrund ihrer felsigen Lage auf dem Sionsberg galt die Stadt als uneinnehmbar und deshalb beständig befriedet. Wer dort sein Erbteil hatte und in ihren Mauern Wohnrecht anmelden konnte, der war des Friedens sicher. Jerusalem ist deshalb ein Bild für die Uneinnehmbarkeit und Unzerstörbarkeit der katholischen Kirche und natürlich auch für das allerletzte Wallfahrtsziel unserer gesamten irdischen Pilgerschaft, für die himmlische Gottesstadt, in deren Umfriedung der Mensch sein ewiges Erbteil, unendliches Glück und immerwährenden Frieden finden soll. 

Die Liturgie des vierten Fastensonntag stellt uns unser Wallfahrtsziel geistig vor Augen. Jerusalem kommt in Sicht. Und zwar insbesondere in der Epistel des hl. Apostels Paulus an die Galater. Dort ist von Jerusalem die Rede. Aber – und das ist Drama dieses Freudensonntags – der hl. Paulus spricht von zwei verschiedenen Jerusalem – einem irdischen und einem himmlischen. Eines wird durch Hagar und ihre Nachkommenschaft symbolisiert, das andere durch Sarah und ihre Kinder. Das eine gebiert zur Knechtschaft, das andere zur Freiheit. Das eine ist von dieser Welt, das andere von oben. Beide sind ganz unterschiedlich. Sie stehen für die beiden Testamente, das Alte und das Neue. Beide haben ihre Charakteristik. Beide haben ihre Früchte. Beide haben ihre Verheißung von Erlösung und Frieden. 

Das Jerusalem in der Knechtschaft

Der hl. Paulus spricht von einem „jetzigen Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft ist“ (Gal. 4, 25). Der Alte Bund wurde auf dem Berg Sinai in der arabischen Wüste gestiftet und von den Hebräern in das irdische Jerusalem übertragen. Es ist der Gesetzesdienst des Fleisches, der keine übernatürliche Erlösung hervorbringen kann. Es ist die äußerliche Gesetzesfrömmigkeit, welche das Judentum bis heute prägt, die aber auch eine Gefahr für den Katholiken darstellt. Die fleischliche Gesinnung wird charakterisiert durch eine veräußerlichte Religiosität, durch den Eigennutz, durch die Bequemlichkeit, die stets den Weg des geringeren Widerstandes wählt. Sie besteht in der Selbstsicherheit und Selbstgerechtigkeit, die auf die eigenen Kräfte und Leistungen baut, alles zu rechtfertigen und zu entschuldigen weiß. Ihr Streben ist auf die Güter dieser Welt ausgerichtet. Der hl. Paulus benennt die Werke, welche aus der „Gesinnung des Fleisches“ hervorgehen, einige Verse später wie folgt: „Offenkundig sind die Werke des Fleisches, welche sind: Unzucht, Unlauterkeit, Unschamhaftigkeit, Unkeuschheit, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streitigkeiten, Eifersucht, Zorn, Hader, Zerwürfnisse Spaltungen, Mißgunst, Mordtaten, Trunkenheit, Schwelgerei, und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich es schon ehedem gesagt habe, diejenigen, welche solches tun, werden das Reich Gottes nicht erlangen“ (Gal. 5, 19-21). Die fleischliche Gesinnung des irdischen Jerusalem, das zur Knechtschaft der Sünde gebiert, ist beherrscht von der Liebe zu sich selbst, bis hin zur Verachtung Gottes. Die Verachtung Gottes findet ihren Höhepunkt darin, daß der Mensch danach trachtet, sich selbst der Religion zu bemächtigen und sie für die eigenen Interessen zu „verzwecken“. Das heutige Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung stellt uns solche Menschen vor Augen, die nicht davor zurückschreckten Gott selbst für ihre rein innerweltlichen Ziele einspannen zu wollen. „Da nun die Leute das Wunder sahen, das Jesus gewirkt hatte, sprachen sie ‚Dieser ist wahrhaft der Prophet, der in die Welt kommen soll!‘ Jesus aber erkannte, daß sie kommen und Ihn mit Gewalt fortführen wollten, um Ihn zum König zu machen“ (Joh. 6, 14). Ihre Freude und Begeisterung bricht sich Bahn in dem Ausruf: „Dieser ist wahrhaft der Prophet!“ – Was ist damit gemeint? Wer ist dieser Prophet? – Das frenetisch jubelnde Volk hatte einen Ausspruch des Moses gegenwärtig, der den von Gott verheißenden Messias als „den Propheten“ ankündigte. Moses prophezeite vor seinem Tod über den kommenden Erlöser des Menschengeschlechtes: „Einen Propheten wie mich wird Gott aus der Mitte des Volkes erstehen lassen, auf ihn sollt ihr hören“ (Deut. 18, 15). Einen Propheten wie mich! Der verheißene Messias würde sich ausweisen, indem er die gleichen Zeichen wie Mose wirken würde. Moses ernährte bekanntlich das auserwählte Volk in der Wüste vierzig Jahre hindurch mit dem Manna, welches Gott täglich vom Himmel regnen ließ. Der Messias war als „Prophet wie Moses“ verheißen und würde an den Taten des Moses gemessen werden. Die wunderbare Speisung der Fünftausend wies unseren Herrn als den Verheißenen aus. Deshalb der begeisterte Jubel. Deshalb die Freudenrufe. Doch war es eine rein natürliche, fleischliche Freude. – Die Brotfrage war damals wie heute von zentraler Bedeutung. Heute nennt man sie die Sorge um die Welternährung und um die gerechte Güterverteilung. Die Verheißung eines Messias, der immer bleibt und der wie Moses Manna gibt, galt den Juden damals als Verheißung der Verheißungen. Es war die Behebung aller Nöte und Sorgen um den täglichen Broterwerb. Es war ihre Vorstellung von Erlösung. Sie meinten, mit dem Auftreten eines solchen Heilsbringers wäre ein für alle Mal das drängendste Problem des Menschengeschlechtes auf Erden gelöst – der Hunger. Endlich werde eine bessere Welt, ein Zeitalter des allgemeinen Wohlstandes und eine neue Weltordnung anbrechen. Gewaltsam wollten sie Jesus zum König machen. Sie wollten sich Seiner bemächtigen und Ihn zu ihrem „Brotmessias“ verzwecken. „Da sprachen sie zu Ihm: ‚Herr, immerdar gib uns dieses Brot!‘“ (Joh. 6, 34). Sie wollten ihm folgen, unter der Voraussetzung, daß Er die Welt in ihrem Sinne erlösen würde, indem Er ein irdisches Paradies schaffen würde. Darin spiegelt sich gleichsam die erste Versuchung Jesu durch den Satans in der Wüste wider. Der Teufel forderte Jesus heraus: „Wenn du der Sohn Gottes bist, dann befiehl, daß diese Steine Brot werden“ (Mt. 4, 3). Gerade die einleitenden Worte – „Wenn du der Sohn Gottes bist“ – gaben der Versuchung ihre ganze Schärfe. Denn was widerspricht mehr dem Glauben an Gott, der das Heil aller will, und dem Glauben an einen Erlöser als der Hunger und die materielle Not der Menschen? Wenn du also von uns als Gottessohn anerkannt werden willst; wenn du willst, daß wir an dich glauben, dann muß uns dieser Glaube auch etwas bringen! Dann mußt du dafür sorgen, daß das Leid, Hunger und Not aus der Welt geschafft werden und daß es uns gut geht. Nur dann kannst du unser Erlöser sein! – Ja, wie viele, selbst fromme Menschen denken auf diese Weise? Wie viele haben nicht schon die religiöse Praxis aufgegeben, weil sich Glaube, Gebet, sittliches Ringen und Sakramentenempfang in ihren Augen nicht ausgezahlt und damit als unnütz erwiesen haben? Wie viele verweigern trotzig den Glauben aus persönlicher Enttäuschung oder aus unverstandenem Leid heraus? – Doch haben die Menschen aller Zeiten nicht nur ihre Gefolgschaft an Bedingungen geknüpft, sondern immer wieder auch danach getrachtet, sich der göttlichen Religion selbst zu bemächtigen. Wie damals die Juden, so haben sich seit der Aufklärung die Freimaurer zum Ziel gesetzt, die katholische Kirche an sich zu reißen und für ihre Zwecke dienstbar zu machen. Das Ziel der liberalen Katholiken und Modernisten bestand genau darin, sich den Herausforderungen der modernen Welt zu stellen, auf die Welt von heute zuzugehen – und sich ihr anzupassen. Paul VI. gründete auf dem 2. Vatikanum die „Religion des Menschen“, deren Missionsarbeit in rein innerweltlicher Solidarität und humanitärer Entwicklungshilfe besteht. Nicht mehr die Menschen sollten erlöst werden, sondern ihre Lebensumstände. Der Ökumenismus des Konzils, den Wojtyla, Ratzinger und heute Bergoglio getreulich in die Tat umgesetzt haben, zielt auf eine rein innerweltliche Verbrüderung der Menschen über alle religiösen Unterschiede hinweg ab. Und zwar allein zu dem Zweck eines friedlichen, solidarischen und humanen Zusammenlebens hier auf Erden. Das verstehen die Konzilspäpste unter Erlösung. Daher ist es nicht verwunderlich, daß in ihren Predigten so gut wie nie die Rede von übernatürlichen Dingen ist. Sie predigen nicht den Himmel, sondern die bessere Welt. Das ist die neue Religion, die heute von den meisten Menschen immer noch mit der katholischen Religion verwechselt wird. Das irdische, fleischlich gesinnte Jerusalem verlangt nach dem Brotmessias. Über seine Nachkommenschaft fällt der hl. Paulus das vernichtende Urteil: „Ihr Ende ist Verderben, ihr Gott der Bauch, ihr Ruhm besteht in ihrer Schande, Irdisches haben sie im Sinn“ (Phil. 3, 19). Und deshalb ist zu erwarten, daß der Antichrist, wenn er eines Tages in Erscheinung treten wird, als starker Führer und Weltverbesserer auftritt und bei diesen Menschen breite Annahme finden wird.

Laßt uns hinaufziehen!

Doch auch wir müssen uns in acht nehmen. Auch wir sind versucht die Wallfahrt unseres Lebens auf diesen falschen Pfad und damit auf ein ganz abwegiges Ziel hinzulenken. Wir dürfen mitten in der Fastenzeit nicht stehen bleiben und uns umschauen nach den fleischlichen Freuden, sondern unseren Blick weiter auf die geistigen Güter gerichtet halten. Wir bedürfen der Mahnung des hl. Paulus: „Wandelt im Geiste, so werdet ihr die Gelüste des Fleisches nicht vollbringen. Denn das Fleisch begehrt wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch“ (Gal. 5, 16 f.). Deshalb fasten wir und tun Abbruch, um uns loszuschälen von allem, was nicht ewig ist; um die Begierden des Fleisches zu bezähmen und unter die Kontrolle des Geistes zu bringen. Der selbstsüchtigen Eigenliebe stellen wir die Gottesliebe entgegen. Die Gesinnung, mit den Weg des Geistes zu beschreiten ist nicht die des Fleisches, sondern die Opfergesinnung aus Liebe zu Gott. Sie ist die Grundvoraussetzung damit die Abtötung unserer Sinne und die Abtötung unseres Geistes vor Gott Wohlgefallen finden. Die im Opfer erprobte Gottesliebe macht uns würdig Seine übernatürliche Gnadenhilfe zu empfangen, ohne die es unmöglich ist, dem Aufruf Christi zu folgen: „Laßt uns hinaufziehen nach Jerusalem“ Ja, hinaufziehen müssen wir! Das himmlische Jerusalem ist uns zum Ziel bestimmt. „Jenes Jerusalem, das von oben stammt“ (Gal. 4, 26). Hierzu müssen wir uns über unsere Selbstsucht erheben und alles Vergänglich unter uns lassen. Auf diese Weise werden wir frei von der Knechtschaft des Fleisches. Durch die Gnade werden wir erlöst und Kinder „der Freien“ (Gal. 4, 31). Das himmlische Jerusalem „aber ist die Freie, und das ist unsere Mutter“ (Gal. 4, 26). Es ist das Reich der übernatürlichen Gnade, das himmlische Gottesreich, wo wir die wahre Freiheit im Willen Gottes finden und unser ewiges Erbteil besitzen sollen. Auf dem schmalen, einsamen Höhenpfad der Erlösung ist uns Christus Führer und Vorbild. 

Als die Juden Jesus ergreifen und zum König machen wollten, entzog Er sich ihnen. Er zog sich zurück auf den Berg, um dort allein zu beten (vgl. Joh. 6, 15). Durch Seinen Rückzug „nach oben“ und Seine Hinwendung in die geistige Welt Seines himmlischen Vaters gab Jesus dem Volk auf seine anmaßende Herausforderung dieselbe Antwort wie schon zuvor dem Satan in der Wüste: „Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt“ (Mt. 4, 4).

O heil’ge Seelenspeise!

Der göttliche Erlöser weiß es besser: Er weiß, den Menschen hungert in der Tiefe seiner Seele nach mehr. Nicht ein voller Bauch stellt ihn zufrieden. Den Menschen hungert nach „jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Nur davon wird er gänzlich gesättigt, d.h. vollends glückselig. – Und Jesus gibt diese Speise. Er weist sich tatsächlich als der wahre Moses, als „der Prophet“ aus. Christus gibt die geistige Speise Seines Evangeliums. Dazu ist Er in die Welt gekommen, um durch Sein Wort die göttliche Wahrheit zu verkünden, damit auch wir sagen können: „Meine Speise ist, daß ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, damit ich Sein Werk vollbringe“ (Joh. 4, 34). Ja, mehr noch! Unser Herr Jesus Christus selbst ist das ewige Wort! Er ist das „Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.“ Nicht nur die Kunde, die Er uns aus dem Herzen Seines Vaters gebracht und offenbart hat (vgl. Joh. 1, 18); nein, Er selbst ist es, der allein den Hunger jedes Menschenherzens stillen kann. – Unser göttlicher Erlöser ist jedoch nicht nur das ewige Wort Gottes. Er ist das fleischgewordene Wort Gottes. „Und das Wort ist Fleisch geworden“ (Joh. 1, 14). Er ist das wahre Manna, das vom Himmel herabgestiegen ist, um der Welt das Leben der Unsterblichkeit zu geben. – Genau das erklärte Jesus am Tag nach dem Wunder der Brotvermehrung, in der Synagoge von Kapharnaum. Er weist dabei die fleischliche Gesinnung der Menschen zurück: „Bemüht euch nicht um vergängliche Speise, sondern um die Speise, die ins ewige Leben führt“ (Joh. 6, 27). Als die fleischlich gesinnten Juden nicht verstanden, erklärte Er ihnen den eigentlichen Sinn des Wunders der Brotvermehrung: „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgestiegen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird leben in Ewigkeit“ (Joh. 6, 48.51) „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt“ (Joh. 6, 51) „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben“ (Joh. 6, 54). „Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise“ (Joh. 6, 55). „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (Joh. 6, 56). Mit anderen Worten: Jesus ist tatsächlich gekommen, um den Hunger der Welt zu stillen. Nicht den Hunger des Magens oder das fleischliche Verlangen nach einem sorglosen, bequemen Leben in einem irdischen Schlaraffenland. Stattdessen Er ist gekommen, um den Hunger der Seele nach Gott zu stillen! Dazu gibt Er eine Speise, welche der Seele übernatürliche Kraft gibt, den steilen Pfad der Vollkommenheit zur Heiligkeit zu erklimmen. Christus selbst ist diese Speise im Allerheiligsten Altarsakrament! Das ewige Wort Gottes unter der Gestalt des Brotes! Durch dieses soll der Mensch in Christus hineingezogen und übernatürlich umgewandelt werden. „Unser Wandel aber ist im Himmel, von wo wir auch den Heiland erwarten, unseren Herrn Jesus Christus,“ – das wahre Manna – „welcher den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten wird, aß er gleichgestaltet werde dem Leibe Seiner Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch welch Er sich auch alles unterwerfen kann“ (Phil. 3, 21). Auf diese Weise wird der Mensch zu einem Jünger Christi und Erben des himmlischen Jerusalem, zu einem Freien, „dem Geiste nach Geborenen“ (Gal. 4, 29). Im Genuß der „heil‘gen Seelenspeise auf dieser Pilgerreise“ findet der gläubige Mensch die Ruhe des Herzens sowie einen ersten Vorgeschmack für die endgültige Stillung seines geistigen Hungers und den Frieden der ewigen Gottesstadt. Wer die himmlische Speise würdig empfängt und in ihrer Kraft fortfährt in dieser hl. Fastenzeit und darüber hinaus die fleischliche Gesinnung in seinem Herzen zu bekämpfen; wer fortfährt, stetig weiter dem letzten Ziel, das uns im himmlischen Jerusalem erwartet, emporzusteigen, der wird auf diesem Weg die übernatürlichen Früchte des Geistes bringen: „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit“ (Gal. 5, 22 f.).

In einer solchen Seele wird am Ende das empfangene göttliche Leben der heiligmachenden Gnade übergehen in das ewige unverlierbare Leben, welches nicht mehr vom Hunger oder sonst einem Mangel gefährdet sein wird; welches uns aber befähigt das ewige Erbteil in der himmlischen Gottesstadt Jerusalem in Besitz nehmen zu können. 

Freue dich, Jerusalem!

Eine Vorfreude darauf wird uns heute gewährt. Das Ziel ist noch nicht erreicht. Aber es ist in Sichtweite. Wir kennen die Gefahren, die auf dem verbleibenden Wegstück zu meiden sind. Wir wissen von dem dafür notwendigen Kampf, der in den kommenden Wochen der Fastenzeit und bis zu einem seligen Ende fortgesetzt werden muß. Wir kennen die selige Traurigkeit, welche die Reue und Zerknirschung über unsere Sünden enthält. Wir haben einen König, den wir nicht erst dazu machen müssen. Er gibt uns die Speise, deren Genuß unsere Seele um so mehr nährt, als dabei gleichzeitig der Leib fastet – Sein eigen Fleisch und Blut. So wollen wir einander freudig zurufen. „Laetare – Freue dich Jerusalem! Kommt alle zusammen, die ihr es liebt. Froh überlaßt euch der Freude, die ihr traurig wart. Frohlocken sollt ihr und euch sättigen an der Tröstung Überfülle. Friede sei in deiner Festung, Überfluß in deinen Türmen. Die Stämme, Gottes Stämme, wallen dort hinauf, zu preisen Deinen Namen, Herr.“ Amen.