Das Athanasische Glaubensbekenntnis

Geliebte Gottes!

Das Dogma von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist das vom Lehramt am deutlichsten definierte Dogma überhaupt. Die im 4. Jahrhundert aufkommenden Irrlehren zwangen die Kirche mehr als 350 Jahre hindurch immer wieder dazu, das richtige Verständnis des Dreifaltigkeitsgeheimnisses noch deutlicher herauszustellen, um es von der Häresie abzugrenzen. Die ersten sechs ökumenischen Konzilien (Nizäa, Konstantinopel I.-III., Ephesus, Chalzedon) befaßten sich in dem Zeitraum zwischen 325 bis 681 hauptsächlich mit der Trinitätslehre oder solchen Fragen, die damit in sehr engem Zusammenhang stehen.

Eine der schönsten Früchte dieses Ringens der Kirche um den Schutz und die Entfaltung des Dreifaltigkeitsgeheimnisses kann ein Text genannt werden, das „Glaubensbekenntnis des hl. Athanasius“, auch „Athanasianum“ genannt. Es geht auf den großen hl. Kirchenvater Athanasius von Alexandrien zurück, der im Kampf gegen die Arianer unnachgiebig den katholischen Glauben verteidigte und dafür nicht weniger als fünfmal die Vertreibung von seinem Bischofssitz und die Verbannung nach Trier, Rom und in die ägyptische Wüste erdulden mußte. Dieses Glaubensbekenntnis enthält die Essenz der Lehre über die Allerheiligste Dreifaltigkeit in komprimierter Form. Es ist von solcher Bedeutung, daß die Kirche neben dem Apostolischen Glaubensbekenntnis, das wir am Anfang des Rosenkranzes beten, und dem Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis, das wir in der hl. Messe beten, auch das Athanasische Glaubensbekenntnis in die Liturgie des sonntäglichen Offiziums (Stundengebet) aufgenommen hat.

Was ist Person und Natur?

Schon gleich zu Anfang schärft das Athanasianum die Bedeutung des wahren Glaubens ein: „Wer auch immer gerettet sein will, der muß vor allem den katholischen Glauben festhalten. Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig zugrunde gehen. Der katholisch Glaube aber besteht darin, daß wir den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehren.“ Um unsere Seele zu retten müssen wir in der rechten Weise an die Dreifaltigkeit glauben. Wir müssen glauben, daß drei Personen in dem einen Gott sind – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Zwei Punkte sind wesentlich: Wir müssen zum einen an die Einheit und Einzigkeit der göttlichen Natur glauben. Und zum anderen an die Dreiheit der Personen. – Zwei Begriffe müssen hierzu geklärt werden: Person und Natur. Was ist eine Person? Eine Person ist ein vernunftbegabtes, selbstbewußtes Ich. Weder ein Stein, noch ein Baum oder ein Tier ist Person. Ihnen allen fehlt das Bewußtsein ihrer selbst. Jeder Mensch hingegen ist Person. Er hat die geistige Anlagen der Vernunft und Selbstbewußtsein. Dasselbe gilt auch für einen Engel. Auch die Engel sind Personen. In Gott sind drei Personen, drei „Ichs“. Personen können nur dort sein, wo vernünftige geistige Naturen sind. So stellt sich also die Frage nach der Natur. Die Natur ist das, was eine Sache zu dem macht, was sie ist. Die menschliche Natur ist das, was den Menschen zum Menschen macht: Also ein menschlicher Körper aus Fleisch und Blut, mit zwei Armen und Beinen, sowie mit aufrechtem Gang. Außerdem eine unsterbliche Geistseele, begabt mit Vernunft und freiem Willen. Alle Menschen kommen darin überein. Aber jede menschliche Person besitzt eine menschliche Natur für sich. Jede menschliche Person ist Inhaber, Besitzer und Eigentümer einer bestimmten, einzigartigen menschlichen Natur. Sie besitzt diesen bestimmten Körper und diese bestimmte Seele. Bei den Menschen gibt es ebenso viele Naturen als Personen und ebenso viele Personen als Naturen. – Bei Gott ist das anders! Es gibt nämlich nur eine einzige göttliche Natur. Ja, es kann überhaupt nur eine göttliche Natur geben. Denn Gott ist per Definition der unendlich vollkommene Geist. Gott besitzt alle Vollkommenheiten in unendlichem Maß. Es kann aber nur einen unendlich Vollkommenen geben. – Gäbe es zwei unendlich Vollkommene – also zwei Götter –, dann wären sie in Wirklichkeit nur ein Vollkommener. Unendlich plus Unendlich ist nicht zweimal Unendlich, sondern bleibt Unendlich. Gäbe es zwei unendlich Vollkommene, so würden sie sich in nichts voneinander unterscheiden können und wären deshalb ein und dieselbe unendliche Vollkommenheit. Das ist der Grund, warum es nur einen einzigen Gott geben kann. Es kann unmöglich mehrere Götter geben, weil es nur eine einzige unendlich vollkommene göttliche Natur geben kann – einen einzigen Gott. Was nun unser menschliches Fassungsvermögen übersteigt, ist die Tatsache, daß diese eine und einzige göttliche Natur nicht nur einer, sondern drei Personen – Vater, Sohn und Heiliger Geist – vollkommen zu eigen ist. Dafür gibt es in der gesamten Schöpfung keine Entsprechung. Hier müssen wir glauben, wie uns das Athanasianum anleitet: „Der katholische Glaube besteht darin, daß wir den einen Gott in der Dreiheit der Personen und die Dreiheit der Personen in der Einheit der Gottheit verehren.“

Um die Dreiheit in der Einheit Gottes zu veranschaulichen, bediente sich später der hl. Patrick des Kleeblattes, um dem Volk der Iren das Dreifaltigkeitsgeheimnis nahezubringen. So wie das Kleeblatt aus drei Blattsegmenten besteht, die zusammen doch nur ein einziges Blatt sind, so sind, vereinfacht gedacht, auch in der Einheit der Gottheit die drei Personen: Vater, Sohn und Hl. Geist. 

Eins in der göttlichen Natur

Bevor wir auf die Unterschiede der drei göttlichen Personen eingehen, wollen wir noch vertiefen, wie es zu denken ist, daß die drei Personen das eine göttliche Wesen besitzen. Im Athanasischen Glaubensbekenntnis heißt es weiter: „Eine andere nämlich ist die Person des Vaters, eine andere die Person des Sohnes, eine andere die Person des Heiligen Geistes. Aber Vater, Sohn und Heiliger Geist besitzen eine Gottheit. Vater, Sohn und Heiliger Geist besitzen eine Gottheit, gleiche Herrlichkeit, gleiche ewige Erhabenheit.“ Alle drei göttlichen Personen besitzen die eine göttliche Natur vollständig. Sie sind wesensgleich. Was im Bezug auf die Gottheit vom Vater gilt, das gilt in derselben Weise vom Sohn und in derselben Weise auch vom Heiligen Geist: „Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist. Unermeßlich ist der Vater, unermeßlich der Sohn, unermeßlich der Heilige Geist. Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist. Und dennoch sind nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger; ebenso nicht drei Unerschaffene und auch nicht drei Unermeßliche, sondern ein Unerschaffener und ein Unermeßlicher. Ebenso allmächtig ist der Vater, allmächtig ist der Sohn, allmächtig ist der Heilige Geist. Und dennoch sind nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger. So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott. Und dennoch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott. So ist der Vater Herr, Herr der Sohn und Herr der Heilige Geist. Und dennoch sind nicht drei Herrn, sondern nur ein Herr.“ In der Einheit der Gottheit gibt es kein größer und kleiner, kein älter und jünger, kein höher und niedriger. Jede der drei Personen besitzen die eine göttliche Natur vollständig für sich! Das bedeutet, daß hier auch der bereits erwähnte anschauliche Vergleich mit dem Kleeblatt an seine Grenzen stößt. Wenn wir uns nämlich die Dreifaltigkeit wie ein Kleeblatt denken, so scheint es ja so, als besäße jede der drei göttlichen Personen nur den dritten Teil von der göttlichen Natur. Es erscheint so, als würden sich die drei Personen die Gottheit untereinander aufteilen, wie man einen Kuchen in drei Teile schneidet. Aber nein! Der Vater besitzt das eine göttliche Wesen ganz für sich. Genauso besitzt es auch der Sohn vollkommen für sich. Und genauso auch der Heilige Geist. Die drei göttlichen Personen teilen sich die göttliche Natur nicht, sondern jede besitzt sie komplett für sich. Das bedeutet, daß Vater, Sohn und Heiliger Geist einander gleichsam überlagern und ineinander wohnen. Die drei göttlichen Personen leben ineinander. Wenn wir an die gegenseitige Einwohnung der drei göttlichen Personen – die sog. „Perichorese“ – denken, dann wird uns mit einem Mal auch das Verständnis einiger Worte unseres Herrn Jesus Christus im Evangelium in ihrer Bedeutungstiefe klar: Etwa wenn Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh. 10, 30 ). Oder die Worte an den hl. Apostel Philippus beim letzen Abendmahl: „Philippus, wer Mich sieht, der sieht den Vater“(Joh. 14, 9). „Glaubt Mir, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist!“ (Joh. 14, 11). Diese Wahrheit, daß die drei göttlichen Personen die eine göttliche Natur jeweils vollständig besitzen und deshalb ineinander wohnen, ist der Kirche so wichtig, daß sie Eingang in die Liturgie der Messe gefunden hat. Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum eigentlich dreimal „Kyrie eleison“, dann dreimal „Christi eleison“ und wiederum dreimal „Kyrie eleison“ gebetet wird. Eben weil die drei göttlichen Personen ineinander wohnen, so daß wir, wenn wir beim ersten Kyrie den Vater anrufen, damit auch die beiden anderen göttlichen Personen, der Sohn und der Heiligen Geist, im Vater anrufen. Wenn wir dann im „Christe eleison“ den Sohn anrufen, so sind aufgrund der gegenseitigen Einwohnung auch der Vater und der Heilige Geist im Sohn mit angesprochen. Und beim dritten Ruf, der sich wiederum mit den Worten „Kyrie eleison“ an den Heiligen Geist richtet, werden auch der Vater und der Sohn im Heiligen Geist angerufen. Deshalb jeweils dreimal drei Anrufung. 

Drei im unterschiedlichen Besitz

Wenn aber die drei göttlichen Personen im Besitz der einen und einzigen göttlichen Natur vollkommen identisch sind, wodurch unterscheiden sie sich dann überhaupt? Müßte man nicht, statt von einem Vater, einem Sohn und einem Heiligen Geist, besser von drei Vätern, oder von drei Söhnen oder von drei Heiligen Geistern sprechen? Noch einmal die Frage: Wodurch unterscheidet sich der Vater vom Sohn, und diese beiden wiederum vom Heiligen Geist? Die Antwort auf diese Frage ist von großer Bedeutung! Sie lautet: Die drei göttlichen Personen sind in allem vollkommen identisch. Sie unterscheiden sich nur in ihren Beziehungen zueinander. Die drei Personen sind nur dadurch voneinander unterschieden, daß sie ein und dieselbe göttliche Natur auf verschiedene Weise besitzen. Der Vater hat sie aus sich selbst. Er empfängt die göttliche Natur von keiner anderen göttlichen Person. Der Sohn empfängt die göttliche Natur allein vom Vater. Der Heilige Geist besitzt die göttliche Natur, weil er sie sowohl vom Vater als auch vom Sohn empfängt. – Von äußeren Dingen ist es klar, daß sie von mehreren Personen auf verschiedene Weise besessen werden können. Denken wir beispielsweise an ein wertvolles Gemälde. Der Maler, der es gemalt hat, besitzt es, weil er es durch seine kunstfertige Hand hervorgebracht hat. Der Künstler verkauft es, und der Käufer besitzt es, weil er es bezahlt hat. Derselbe verschenkt es, und der Beschenkte besitzt es als Geschenk. Noch ein Vierter könnte es erlangen durch Tausch, ein Fünfter durch Erbschaft usw. Ob es nun durch Kauf, als Geschenk, durch Tausch oder Erbschaft besessen wird, ändert an dem Gemälde selbst gar nichts. Nur die Art des Besitzes ändert sich dadurch. Dieses zweifelsohne sehr unvollkommene Beispiel zeigt uns andeutungsweise, wie wir uns den Unterschied der göttlichen Personen untereinander vorstellen müssen. Sie besitzen alle drei von Ewigkeit dieselbe göttliche Natur. Aber der Vater ist deshalb Vater, weil Er und Er allein aus keiner anderen göttlichen Person hervorgeht. Er ist die einzige völlig ursprungslose Person in Gott. – Der Sohn ist deshalb der Sohn, weil Er auf die Weise der Zeugung aus dem Vater, und nur aus dem Vater, hervorgeht. Von Ewigkeit spricht der Vater: „Mein Sohn bist Du, heute habe Ich Dich gezeugt“ (Ps 2, 7). Aber wie wird der Sohn vom Vater gezeugt? Es ist eine geistige Zeugung und natürlich keine physische. Der Sohn wird durch der Erkenntnis des Vaters gezeugt. – An mehreren Stelle wird die zweite göttliche Person in der Heiligen Schrift „das Wort“ genannt. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“ (Joh. 1, 1). Aber warum heißt der Sohn auch das Wort? Durch diesen Namen wird die Art seines Ursprungs aus dem Vater angedeutet. Worte gibt es nur, wo Gedanken sind. Das Wort ist nichts anderes als der Ausdruck eines Gedankens. Nun gibt es im Vater nicht viele Gedanken, die in ewigem bunten Wechsel dahintreiben, sondern nur einen einzigen Gedanken von ewiger Dauer. Einen Gedanken, der alles umfaßt, einen Gedanken, der von der göttlichen Natur nicht verschieden ist, einen Gedanken, der nichts anderes als die Wesenheit Gottes selbst ist. Spricht der Vater diesen Gedanken auch aus? Ja! In Seinem Wort! In einem einzigen Wort, weil es nur ein Gedanke ist. Er spricht es aus in einem einzigen Wort von ewiger Dauer, das nicht kommt und verhallt wie ein menschliches Wort. In diesem einen Wort ist die gesamte göttliche Natur des Vaters ausgesagt und enthalten. Deshalb ist das göttliche Wort wesensgleicher Gott, wie der Vater. Das Wort ist gezeugt aus der Selbsterkenntnis des Vaters und damit Sein eingeborener Sohn, die zweite Person in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Wenn die Erkenntniskraft Gottes so fruchtbar ist, dann liegt es nahe, daß auch der Wille oder die Liebe Gottes fruchtbar sein wird. Vater und Sohn sind sich vollkommen gleich, außer darin, daß der Vater nicht der Sohn und der Sohn nicht der Vater ist. Es gibt keinen stärkeren Beweggrund und kein festeres Band der Liebe als die Ähnlichkeit und die Gleichheit der Liebenden. Unter uns Menschen findet man die stärkste Liebe unter denjenigen, die verbunden sind durch das gleiche Blut der Abstammung, durch gleichen Stand, gleiche Interessen, gleiche Schicksale, gleiche Heimat, gleiche Grundsätze und Sitten. Die Ähnlichkeit zu sich selbst, die der Liebende im Geliebten entdeckt, ist das Fundament seiner Liebe. Der Grad der Ähnlichkeit verhält sich proportional zum Grad der Liebe. Je größer die Ähnlichkeit, um so größer die Liebe. Gott Vater und Gott Sohn sind einander nicht nur ähnlich. Sie sind vollkommen wesensgleich. Deshalb liebt der Vater den Sohn, den Er als den „Abglanz Seiner Herrlichkeit und die Gestalt seiner Wesenheit“ (Heb 1, 3) erkennt. Der Sohn erwidert die Liebe des Vaters, den Er als den Ursprung Seiner eigenen unendlichen Vollkommenheit erblickt. Die gegenseitige Liebe ist aber wiederum nichts von Gott unterschiedenes, sondern die göttliche Wesenheit selber. „Gott ist die Liebe“ (1. Joh. 4, 8). – Wie sich nun der Gedanke im Wort ausdrückt, so drückt sich die Liebe aus im Geschenk, in der Gabe, in der Hingabe an den Geliebten. Der Vater schenkt sich dem Sohn und der Sohn schenkt sich zugleich dem Vater. Die gegenseitigen Hingabe beider aneinander ist der Heilige Geist, die dritte Person der Dreifaltigkeit. Der Heilige Geist wird im theologischen Sprachgebrauch auch „donum“ genannt, d.h. Gabe, Geschenk. Der Heilige Geist ist die Gabe, welche der Vater dem Sohn und welche der Sohn dem Vater gibt; eine Gabe, die von Ewigkeit gegeben, die von Ewigkeit angenommen wird; eine Gabe, die vom Vater und vom Sohn ausgeht und beide umfängt und eint; eine Gabe, welche die wesenhafte Liebe Gottes ist; eine Gabe, die Gott selbst ist. 

Darin unterscheiden sich die drei göttlichen Personen also voneinander: Der Vater selbst ist ursprungslos. Der Sohn hat seinen Ursprung allein aus dem Vater, durch die Zeugung aus dem göttlichen Erkennen. Der Heilige Geist hat seinen Ausgang sowohl vom Vater als auch vom Sohn durch die Liebe. In dieser freilich nicht leicht zu fassenden und geheimnisvollen Weise unterscheiden sich die drei göttlichen Personen, die ansonsten vollkommen identisch sind. 

Das Athanasische Glaubensbekenntnis drückt diesen Sachverhalt in einfachen Sätzen aus: „Der Vater wurde von niemand gemacht, nicht erschaffen, nicht gezeugt. Der Sohn ist vom Vater allein, nicht gemacht und auch nicht erschaffen, sondern gezeugt. Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn, nicht gemacht, nicht erschaffen, nicht gezeugt, sondern hervorgehend. Ein Vater also, nicht drei Väter, ein Sohn, nicht drei Söhne, ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister. Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind untereinander gleich ewig und vollkommen gleichartig, so daß in allem, wie oben schon gesagt wurde, sowohl die Einheit in der Dreifaltigkeit als auch die Dreifaltigkeit in der Einheit zu verehren ist.“ Mit anderen Worten: Die Hervorgänge der göttlichen Personen sind Vorgänge, die von Ewigkeit her und bis in alle Ewigkeit andauern. Es ist nicht so, daß erst der Vater war und dann der Sohn gezeugt wurde und schließlich der Heilige Geist aus beiden hervorging. Es gibt in Gott keine zeitliche Abfolge. Die göttlichen Hervorgänge hatten keinen Anfang und nehmen kein Ende, wie die Personen keinen Anfang und keine Ende nehmen. Der Sohn geht immerwährend auf dem Weg der Zeugung aus dem Vater hervor; genauso wie der Heilige Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit vom Vater und vom Sohn gehaucht wird.

Zusammenfassend können wir also über das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit festhalten: Es gibt nur einen einzigen Gott. In Gott sind jedoch drei Personen – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Jede der drei Personen besitzt nicht nur den dritten Teil der göttlichen Natur, sondern die ganze vollständig für sich. Die drei Personen sind vollkommen identisch und wohnen ineinander. Der einzige Unterschied zwischen den einzelnen Personen besteht darin, daß sie die eine und einzige göttliche Natur auf unterschiedliche Weise besitzen. Der Vater als ursprungsloser Urgrund. Der Sohn auf die Weise der Zeugung allein vom Vater. Der Heilige Geist auf die Weise der Hauchung, sowohl vom Vater als auch vom Sohn. Ein Gott in drei Personen. Und der trinitarischen Teil des Athanasischen Glaubensbekenntnisses schließt feierlich: „Wer also gerettet werden will, muß in dieser Weise an die Dreifaltigkeit glauben.“

Anbetung

Alles menschliche Reden und Erklären bleibt letztlich nur unbeholfenes Gestammel. Viel besser und heilsamer, als das Geheimnis der Dreifaltigkeit mit unserem schwachen Geist durchdringen zu wollen, ist es einfach in die Knie zu gehen und anzubeten. Beten wir den dreifaltig-einen Gott an auf dem Thron des Himmels, mit dem Lobpreis des „Gloria Patri“. Beten wir Ihn an in unserer Seele, wo Er durch die heiligmachende Gnade in unserem Herzen wohnt. Beten wir zusammen mit der ehrwürdigen Elisabeth von der Dreifaltigkeit: „O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete, hilf mir, mich ganz zu vergessen, um ganz in Dir zu ruhen, regungslos und friedlich. O Ihr meine hochheiligen Drei, mein Alles und meine Glückseligkeit, unendliche Einsamkeit und Unermeßlichkeit, in der ich mich verliere, Euch liefere ich mich aus wie eine Beute, versenkt Euch in mich, damit auch ich mich in Euch versenke, bis ich einmal in Eurem Lichte die Abgründe Eurer Größe betrachten kann.“ Amen.