„Am dritten Tage auferstanden von den Toten.“

Geliebte Gottes!

Am dritten Tage nach seiner Hinrichtung ist der Herr glorreich aus dem Grabe erstanden. Die Wahrheit der Osterbotschaft des Engels: „Er ist auferstanden, wie Er gesagt hat“ (Mt. 28, 6), ist der Inhalt aller katholischen Glaubensbekenntnisse. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt unserer ganzen katholischen Religion, wie uns der hl. Paulus sagt: „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist nichtig euer Glaube, und ihr seid noch in euren Sünden. Demnach sind auch die in Christus Entschlafenen verloren. Wenn wir in diesem Leben nur auf Christus hoffen, sind wir die erbärmlichsten unter allen Menschen“ (1. Kor. 15, 17-19). Mit der Tatsächlichkeit der Auferstehung Jesu von den Toten steht und fällt unsere Erlösung von den Sünden, steht und fällt unsere Hoffnung auf ein ewiges Leben, steht und fällt Sinn und Zweck der katholischen Religion insgesamt. Deshalb ist es um so wichtiger, nicht nur zu verstehen, was unter diesem Glaubensartikel zu verstehen ist, sondern auch von einer tiefen Glaubensüberzeugung durchdrungen zu sein, daß das, was die Kirche von der Auferstehung Christi lehrt, gewiß wahr ist und genau den historischen Tatsachen entspricht. Wenn wir natürlich das Wunder der glorreichen Auferstehung unseres Herrn als Erweis Seiner göttlichen Allmacht nicht beweisen könne, so können wir doch beweisen, daß es stattgefunden haben muß. Wir wollen hier zwei Punkte eingehender betrachten: 1. Die zahlreichen Zeugen für die Tatsache der Auferstehung unseres Herrn; und 2. die Nichtigkeit der Einwände, die dagegen erhoben werden.

Eine historische Tatsache

Die Auferstehung Christi ist eine historische Tatsache. Sie hat sich vor vielen hundert Jahren im Heiligen Land – genauer in Jerusalem – ereignet, und zwar genau an dem Ort, über dem sich heute die Grabes-Kirche erhebt. Bei einer Tatsache kommt vor allem die genaue Zeit in Betracht, zu welcher sich das jeweilige Ereignis zugetragen hat. Dieser Umstand ist deshalb auch in jedes Glaubensbekenntnis aufgenommen worden: „Am dritten Tage wieder auferstanden von den Toten.“ Am dritten Tage ist der Heiland auferstanden. Das ist ein beschleunigter, vorweggenommener Zeitpunkt. Christus hat Seine Auferstehung nicht auf spätere Zeiten verschoben oder gar bis zur allgemeinen Auferstehung am Ende der Welt – was zweifelsohne möglich gewesen wäre. Das eigentliche Erlösungswerk unseres Heilandes bestand in der Versöhnung des gefallenen Menschengeschlechtes mit Gott. Diese Aussöhnung war mit Seinem Sühnetod am Kreuz vollendet worden. Seine Auferstehung von den Toten hatte keinen weiteren Verdienst im Hinblick auf unsere Erlösung. Daß Christus schon am dritten Tag wieder von den Toten auferstand, war in erster Linie der Würde Seines heiligsten Leibes geschuldet; Er sollte nicht zu lange im Staub des Grabes ruhen. Außerdem sollte mit Seiner glorreichen Auferstehung der Glaube an Seine Gottheit befestigt und uns ein Vorbild unserer eigenen Auferstehung am Jüngsten Tag gegeben werden. 

Obwohl die Auferstehung sehr zeitnah auf Seinen Tod erfolgte, so ereignete sie sich doch nicht schon unmittelbar nach Seinem Tod am Abend des Karfreitags. Sie wurde auf den dritten Tag verschoben. Die Verzögerung geschah besonders dazu, um die Wahrheit Seines Todes und damit zugleich die Echtheit Seiner Auferstehung von den Toten zu verbürgen. „Am dritten Tage“ ist also zum einen ein vorgezogener, ein verzögerter und doch ein bestimmter Zeitpunkt. Die Auferstehung Christi hat damit das Vorbild des Propheten Jonas erfüllt, der sich drei Tage und drei Nächte im Bauch des Walfisches befand, ehe er von ihm wieder ausgespien wurde. – Und mehr noch! Christus hat Seine eigene Weissagung an Sich Selbst erfüllt. Mehrmals hatte Er vorhergesagt: „Am dritten Tage werde ich wieder auferstehen“ (vgl. Lk. 18, 33).

Glaubwürdige Zeugen

Aber woher wissen wir, daß es sich hierbei nicht bloß, wie alle Ungläubigen behaupten, um eine fromme Legende handelt? Woher wissen wir, daß Jesus wirklich auferstanden ist? – Wir wissen es von Zeugen! Wir wissen es aus den Zeugnissen der Apostel und der Jünger Jesu. Ganz zurecht! Tatsachen werden durch Zeugen bewiesen; durch Aussagen von Personen, die dabeigewesen sind. Das ist ein Beweis, der in der ganzen Welt und vor allen Gerichten heute in Geltung ist, stets in Geltung gewesen ist und bleiben wird. Schon durch das alttestamentliche Gesetz hat Gott verfügte: „Auf Aussage zweier oder dreier Zeugen werde bestätigt jede Sache“ (Deut. 19, 15). – Aber, so wird gewiß gleich einer einwenden: Die hll. Apostel und Jünger sind doch gar nicht dabei zugegen gewesen, als der Heiland von den Toten auferstand. Niemand war als Zeuge des Auferstehungsvorganges zugegen. Die Auferstehung ereignete sich in der Nacht, in dem verschlossenen und versiegelten Felsengrab. Wenn überhaupt, dann könnten höchstens die Wächter und Soldaten etwa davon mitbekommen haben. – Freilich, das ist wahr! Und trotzdem können die Apostel und Jünger als Zeugen für die Auferstehung Jesu Christi auftreten. Warum? – Weil sie das Grab leeer und unseren Herrn und Heiland nach Seinem Tod und nach Seinem Begräbnis lebend und mit eigenen Augen gesehen haben. – Wenn wir z. B. gestern mit eigenen Augen gesehen haben, wie einer unserer Freund am Bahnhof in den Zug eingestiegen ist, um zu verreisen, und wir ihm heute auf der Straße wieder begegnen, dann können wir sehr wohl bezeugen, daß er inzwischen wieder zurückgekommen ist. – Selbst dann, wenn wir nicht dabeigewesen sind, als er bei seiner Heimkehr in der Nacht wieder aus dem Zug ausgestiegen ist. Wir wissen sicher, daß genau das geschehen sein mußte, weil er sonst ja heute nicht vor uns auf der Straße stehen könnte. – Bedenken wir also, wie viele Zeugen den Heiland wirklich gesehen haben! Da ist zuallererst die kleine Frauengruppe zu nennen, die sich am Ostermorgen zum Grab aufgemacht hatte, es leer vorfand und von der Engelserscheinung zu den Aposteln geschickt wurde. Auf dem Heimweg wurde ihnen, ob ihrer liebevollen Treue und Fürsorge, die erste Erscheinung des Auferstandenen zuteil. Sodann Maria Magdalena. Auf dem Weg nach Emmaus sahen Ihn zwei Jünger. Am Osterabend erschien Christus den Aposteln im Abendmahlssaal in Jerusalem. Lediglich der hl. Thomas fehlte. Acht Tage später erschien Er abermals den Aposteln, während Thomas diesmal dabei war. Darauf erschien Er sieben Aposteln am See Genesareth; später mehr als fünfhundert Jüngern auf einem Berg in Galiläa – vermutlich auf dem Berg der Verklärung, auf Tabor. Schließlich und endlich erschien Er den Aposteln und zahlreichen Jüngern in Jerusalem vor Seiner Himmelfahrt. Und auch Seine Himmelfahrt auf dem Ölberg fand statt unter den Augen sehr vieler Zeugen.

Das sollten eigentlich Zeugen genug sein. Ja, mehr als genug Zeugen, die durchaus dazu imstande waren, ein glaubwürdiges und vollgültiges Zeugnis abzulegen. Sie kannten unseren Herrn Jesus Christus gut. Drei Jahre hatten sie mit Ihm einen vertrauten Umgang gepflegt. Die Züge Seines hl. Antlitzes waren ihrem Gedächtnis tief eingeprägt. Der Klang Seiner Stimme war ihnen bestens bekannt. An den heiligen fünf Wundmalen konnten sie mit der denkbar größten Gewißheit erkennen, daß Er derselbe ist, der am Kreuz gestorben ist. Insbesondere an Seinem durchbohrten Herzen, das trotz der tödlichen Wunde lebendig schlägt, konnten sie sehen, wie wunderbar und herrlich das Leben des Auferstandenen ist; daß es nicht dasselbe Leben wie vorher ist, sondern ein unerhört kräftigeres und mächtigeres; ein Leben, das stärker ist als der Tod. Sein verklärter Leib trägt die an sich todbringenden Wunden immer noch in Seinem Fleische eingeschrieben. Doch ist der Tod entmachtet und überwunden im Sieg des göttlichen Lebens. – Die Zeugen der Auferstehung sahen den Auferstandenen nicht etwa im Dunkel, sondern auch am hellen Tag. Sie sahen Ihn nicht bloß einmal, sondern oft; nicht bloß aus der Ferne, auch aus der nächsten Nähe. Sie sahen Ihn nicht bloß, sie redeten mit Ihm, sie aßen mit Ihm, die berührten und betasteten Ihn. Ein Sinn kann sich vielleicht täuschen, doch nicht alle fünf Sinne. Ein Mensch kann sich im Wahnsinn etwas einbilden, doch nicht hunderte. Eine Verwechslung ist absolut ausgeschlossen. – Was aber noch wichtiger für die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen ist: Unter ihnen waren nicht bloß solche, die zum Glauben bereit und geneigt waren, sondern auch solche, die schwer zu überzeugen gewesen sind, wie etwa der erwähnte hl. Apostel Thomas. „Wenn ich nicht meine Finder in den Ort der Nägel und meine Hand in Seine Seite lege, so glaube ich nicht“ (Joh. 20, 25). D.h. wenn ich es nicht mit Händen greifen kann, daß Er der derselbe Jesus Christus ist, der gegeißelt, mit Dornen gekrönt, gekreuzigt, mit einer Lanze durchbohrt und zu Grabe getragen wurde, so glaube ich dem Gerede von der Auferstehung niemals. Der hl. Papst Gregor der Große bemerkte, daß der Zweifel des hl. Thomas für unseren Glauben nützlicher ist als der sofortige Glaube der übrigen: „Maria Magdalena, die schnell glaubte, hat uns weniger genützt als Thomas, der lange zweifelte. Denn er durfte wegen seines Zweifels die Wundmale des Herrn berühren und nahm so die Wunde des Zweifels aus unserem Herzen.“ – Unter den Zeugen der Auferstehung befindet sich ferner auch der hl. Paulus, der zunächst ein Feind des Auferstandenen und ein Verfolger der Kirche war, welche die Auferstehung Christi predigte. Durch den plötzlichen Anblick des auferstandenen Heilandes wurde aus Saulus, dem Verfolger der Kirche, der verdiente Völkerapostel Paulus. „Zuletzt“, sagt der hl. Paulus, „ist Er auch mir erschienen, gleich einer Mißgeburt“ (1. Kor. 15, 8). Also wahrlich Zeugen genug.

Und was sind das für Zeugen! Etwa solche, die nur im verborgenen Zeugnis ablegen? Nur mit unbestimmten, mehrdeutigen Aussagen? Verschämte Zeugen? Nein! „Mit großer Kraft“ (Apg. 4, 33) predigten die Apostel Ihr Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi. – Und wo gaben sie Zeugnis und vor wem? Etwa an fernen Orten, wo ihnen niemand widersprechen konnte, weil man keinen Zugriff auf die Fakten und Indizien der Vorgänge des Karfreitags und des Ostermorgens hatte? Etwa bloß vor Freunden, die ihnen nicht widersprechen wollten? Im Gegenteil! Schon am Pfingstfest trat der hl. Petrus öffentlich auf. Also nur wenige Wochen nach der Auferstehung, in derselben Stadt, wo Christus gekreuzigt worden und gestorben war, dort, wo sich Sein Grab befand; vor Seinen erklärten Feinden, vor Seinen Anklägern und Mördern, vor derselben Menge, die am Karfreitag „Kreuzige! Kreuzige!“ skandierte und sich an den Todesqualen Christi ergötzte. Der hl. Petrus sagte es ihnen allen ins Gesicht: „Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Den Jesus von Nazareth, den ihr getötet habt, Ihn hat Gott auferweckt“ (vgl. Apg. 2, 22-24). Keiner stand damals gegen Petrus auf, um ihn öffentlich einer Lüge zu überführen, was damals ein Leichtes gewesen wäre. Statt dessen ließen sich dreitausend taufen!

Waren es vielleicht bestochene Zeugen, verlogene, niedriggesinnte Zeugen? – Was für ein hirnrissiger Einwand! Welchen Lohn konnten die Apostel von der Welt für ihr Zeugnis erwarten? Keinen anderen als den sie auch erhalten haben. Nicht Ehre! Nein, Spott, Verachtung, Verfolgung. – Nicht Bequemlichkeit! Stattdessen Mühsal und Schmerz! – Kein friedliches Leben, sondern Qualen, Marter und einen blutigen Tod. – Eines ist jedoch wahr! Sie haben ihr Zeugnis abgelegt in der Hoffnung auf einen Lohn – auf die übernatürliche Belohnung des ewigen Lebens, auf die Belohnung, eines Tages selbst Anteil an der Auferstehung Jesu Christi zu erlangen. Freilich durften sie an diesen Lohn nur unter der Voraussetzung denken, daß ihr Zeugnis von der Auferstehung Jesu in allen Teilen der Wahrheit entsprach. 

Man muß also zusammenfassend sagten: Für die Tatsache der Auferstehung Jesu Christi haben wir so viele, so übereinstimmende, so glaubwürdige Zeugen, daß man diesem Zeugnis vernünftigerweise Glauben schenken muß. Und umgekehrt ist es über die Maßen unvernünftig, die Tatsache der Auferstehung Christi weiterhin ernsthaft in Zweifel ziehen zu wollen.

Unhaltbare Einwände

Das Zeugnis der Apostel und Jünger Christi erhält aber noch neue Kraft, wenn wir erwägen, wie nichtig die Einwände sind, welche von den Gegnern der wahren Auferstehung des Erlösers erhoben werden.

Da wäre zuerst die sogenannte „Scheintod-Hypothese“. Jesus sei gar nicht wirklich tot, sondern nur scheintot gewesen. Man hätte Ihn vom Kreuz abgenommen und bestattet. Im Grab sei Er dann wieder zu sich gekommen. Man hätte Ihn daraus befreit und von in der Folge von „Auferstehung“ gesprochen. Das wäre selbstverständlich keine wirkliche Auferstehung gewesen. Die Scheintod-Hypothese widerspricht zunächst den Worten des gekreuzigten Heilandes: „Vater, in Deine Hände befehle Ich Meinen Geist“ (Lk. 23, 46). Das sind Worte eines Sterbenden. Diese Einwendung widerspricht außerdem den Worten der Heiligen Schrift. Sie sagt vom Gekreuzigten: „Und Er neigte Sein Haupt und starb“ (Joh. 19, 30). Dieser Einwand wird vor allem widerlegt durch die scharfe Lanze des Soldaten. Denn warum stach er in die Seite des Heilandes? Doch um sicherzustellen, daß auch der geringste Lebensfunke, der in Ihm womöglich noch vorhanden gewesen wäre, durch den Stick ins Herz mit absoluter Gewißheit ausgelöscht sein mußte. – Dieser Einwand wird außerdem widerlegt durch den kaiserlichen Statthalter Pontius Pilatus. Als der Ratsherr Joseph von Arimathäa um die Erlaubnis bat, den hl. Leichnam Jesu vom Kreuze abzunehmen, da erkundigte sich Pilatus zuerst, ob Jesus auch wirklich tot wäre. Nie würde er die Erlaubnis zur Kreuzabnahme gegeben haben, wenn er nicht über den Tod des Heilandes Gewißheit gehabt hätte. – Schließlich wird dieser Einwand widerlegt durch die Mutter Jesu. Die allerseligste Jungfrau Maria hielt den Leichnam ihres Sohnes nach der Kreuzabnahme in ihrem Schoß. Würde sie zugelassen haben, daß der Leichnam ins Grab gelegt würde, wenn sie auch nur den geringsten Zweifel am Tod ihres Sohnes gehabt hätte? Niemals! – Jesus war nicht scheintot sondern wirklich tot. „Gekreuzigt, gestorben und begraben.“

Der zweite Einwand wird von den Modernisten vertreten. Der Erzhäretiker Walter Kasper – Kardinal der Novus-Ordo-Religion und vormals Konzilsbischof von Rottenburg-Stuttgart – behauptet in seinem Buch „Jesus der Christus“, die Auferstehung hätte sich nur im Bewußtsein der Jünger ereignet. Mit anderen Worten, Jesus war wirklich tot. Und Er sei auch tot geblieben. Wenn man am Karfreitag eine Videokamera in der Grabeshöhle installiert hätte, um die Vorgänge des Ostermorgens zu dokumentieren – so ist sich Kasper sicher –, daß auf dem Film nichts zu sehen gewesen wäre. Keine Veränderung am Leichnam Jesu. Er war mausetot und sei es auch geblieben, postuliert er. Die Auferstehung, oder wie Kasper sagt, der „Auferstehungsglaube“ setzte im Bewußtsein der Jünger ein. Sie seien so von Jesus begeistert gewesen, daß sie sich sagten: Die Sache Jesu braucht Begeisterte und dürfe nicht sterben. „Jesus würde weiterleben, wenn wir, Seine Jünger, die Botschaft Seiner Barmherzigkeit, Seiner Liebe und Solidarität in die weite Welt hinaustragen.“ Die Apostel hätten also in einer wahnwitzigen Fiktion gelebt, indem sie nur so getan haben, als wäre Jesus auferstanden. Kasper trägt seinen Namen zu recht! Was er übersieht ist die Tatsache, daß die Apostel 1. in der Folge des am Karfreitag erlittenen Schocks alles andere als von frenetischer Begeisterung über die Botschaft Jesu von dessen Liebe, Barmherzigkeit und Solidarität entflammt waren. Und 2., daß die Apostel ihres Irrsinnes leicht hätten überführt werden können. Die Hohenpriester, die einen Betrug witterten (vgl. Mt. 27, 64), hätten allen in Jerusalem anwesenden und zum Christentum hin tendierenden Juden lediglich den unverändert im Grab liegenden und inzwischen verwesenden Leichnam zeigen müssen, um das begeisterte Zeugnis der Apostel der Lächerlichkeit preiszugegeben. – Man kann sich nur sehr darüber verwundern, wie die auf dem 2. Vatikanum gegründete Novus-Ordo-Religion, deren Anhängerschaft das Selbstverständnis pflegt, mündige, kritisch denkende Christen zu sein, auf dieses Kasperletheater hereinfallen konnte.

Der dritte Einwand schließlich ist der Klassiker. Er geht in die Tage der Auferstehung selbst zurück und wurde von Seiten der Juden erhoben. Dieser klingt schon ernsthafter. Er besagt: Jesus war tot. Er blieb es auch. Die Geschichte von der Auferstehung ist nicht Irrsinn, sondern ein niederträchtiger Betrug. – Wir halten diesem Vorwurf entgegen: Wenn Christus nicht auferstanden ist, wo ist dann Sein Leichnam geblieben? Warum zeigte Ihn die Feinde Jesu nicht? Sie hatten doch das Grab in ihrer Gewalt. Sie hatten es mit Wächtern besetzt. Sie hatten es versiegelt. – Sie sagten uns: „Der Leichnam ist gestohlen worden.“ Von wem? „Von den Jüngern Jesu.“ Die Hohenpriester und Ältesten hatten die römischen Wächter bestochen und sie angewiesen: „Sagt, Seine Jünger sind bei der Nacht gekommen und haben Ihn gestohlen, als wir schliefen“ (Mt. 28, 13). Wie war das möglich, da doch bewaffnete Soldaten das Grab bewachten? „Die Wächter haben geschlafen, und während ihres Schlafes ist der Leichnam entfernt worden.“ – Merkwürdig, nicht wahr? Ist es zu vermuten, daß ein römischer Soldat auf seinem Wachposten schlief? Darauf stand die Todesstrafe! Es war aber nicht genug, wenn einer schlief, es wäre nötig gewesen, daß alle Soldaten geschlafen hätten. Und auch das war nicht genug. Es wäre nötig gewesen, daß alle zugleich geschlafen hätten. Darüber hinaus hätten alle Wachen so tief und fest schlafen müssen, daß man in ihrer allernächsten Nähe unbemerkt den schweren Stein vor dem Eingang des Grabes zur Seite wegwälzen, den Leichnam Jesu nehmen und wegtragen können müssen. Alle diese Dinge wären nötig gewesen, und jedes einzelne von ihnen widerspricht so sehr aller Wahrscheinlichkeit, daß man es einfach als unmöglich bezeichnen muß, daß alle diese unwahrscheinlichen Dinge gleichzeitig eingetroffen sind. – Aber noch etwas viel sonderbareres sei passiert; etwas, das das Husarenstück der Jünger bei weitem übertroffen und schließlich sogar entlarvt habe. Der hl. Augustinus macht uns darauf aufmerksam, indem er dem jüdischen Vorwurf entgegnet: „Unselige Verschlagenheit! So weit irrst du vom Licht der Klugheit und des Rechtes ab, und so tief sinkst du in deiner Bosheit, daß du sagst: ‚Saget, Seine Jünger sind bei Nacht gekommen, während wir schliefen, und haben Ihn gestohlen.‘ Du führst also schlafende Zeugen an! Wahrlich, du hast selbst geschlafen. Darum hast du bei deinem Sinnen und Brüten so daneben gegriffen“. Wenn die Soldaten schliefen, wie hätten sie sehen können, daß es Seine Jünger waren, die den Leichnam aus dem Grab entwendet haben. Welches Gewicht hat schon die Aussage eines schlafenden Zeugen? Er kann doch nur von seinen Träumereien berichten.

Und selbst wenn! Wie bekamen die Jünger Mut zu einem so waghalsigen Unternehmen? Woher wußten sie, daß die Wächter alle einschlafen würden? Und wenn man das Unmögliche für möglich halten wollte, daß die Wächter geschlafen und die Jünger das Unternehmen gewagt und ausgeführt hätten, was hatten sie damit gewonnen? Einen Leichnam, den sie verstecken mußten. Was war damit erreicht? Nichts!

Nein, die Zeugen für die Auferstehung Christi sind so zahlreich und glaubwürdig. Die Einwände sind so fadenscheinig, nichtig und irre, daß man nicht nur Kasper heißen, sondern auch ein Kasper sein müßte, um sich nicht die Worte des Engels am hl. Grab zu eigen zu machen: „Er ist wahrhaft auferstanden.“ Das ist eine Tatsache, die so gut bezeugt, so fest begründet ist, und bis heute nicht widerlegt werden konnte. Sie ist so sicher wie nur irgend etwas, was im Laufe der Menschheitsgeschichte sich zugetragen hat. So dürfen auch wir mit dem hl. Paulus bekennen: „Nun ist aber Christus auferstanden von den Toten, als Erstling der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, werden in Christus auch alle lebendig gemacht werden“ (1. Kor. 15, 20-22). So wollen wir besonders heute mit Freude zusammen mit der gesamten katholischen Kirche zweier Jahrtausende in tiefer Glaubensüberzeugung beten: „Er ist auferstanden am dritten Tage, gemäß der Schrift.“ Amen.