„Daher prüfe sich der Mensch!“ (1. Kor. 11, 28)

Geliebte Gottes!

Das Fronleichnamsfest stellt einen ganz besonderen Höhepunkt des gesamten Kirchenjahres dar. Deshalb feiert es die Kirche auch mit einer Oktav, damit wir in die Tiefe dieses Festes vordringen können. Nach der Menschwerdung, derer wir an Weihnachten gedenken; nach dem vollbrachten Erlösungswerk durch die österlichen Geheimnisse von Kreuzigung, Tod, Begräbnis, Auferstehung und Himmelfahrt; nach der Gründung der Kirche durch die Einsetzung des Priestertums und des Petrusamtes, die mit Aussendung des Heiligen Geistes an Pfingsten ihre Vollendung fand; so feiert die Kirche mit dem Fronleichnamsfest den letzten und höchsten Zweck der ganzen göttlichen Heilsökonomie überhaupt – nämlich die Vereinigung des Menschen mit Gott. Um eben dieses letzte Ziel zu erreichen, hat Gott all das andere gewirkt. Die Vereinigung des Menschen mit Gott soll aber nicht erst auf dem nimmer endenden Gastmahl des Himmels stattfinden, sondern schon hier auf Erden beginnen, indem sich Jesus Christus mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menschheit mit uns in der hl. Kommunion vereint und wir uns mit Ihm verbinden. Angesichts dieser mystischen Hochzeit von Christus und der Seele, zwischen dem Haupt der Kirche und den Gliedern der Kirche, zwischen dem Bräutigam und der Braut, würden wir vielleicht meinen, daß die Kirche nun in ihrer Liturgie in ekstatischem Freudenjubel, in Hymnen und Lobgesängen ausbrechen müßte. Doch läßt die Kirche an allen Wochentagen der Fronleichnamsoktav die eindringliche Warnung des hl. Paulus als Epistel verlesen: „Wer also unwürdig dieses Brot ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der versündigt sich am Leib und Blute des Herrn. Daher prüfe sich der Mensch!“ (1. Kor. 11, 27 f.). Und unmittelbar darauf wiederholt der Völkerapostel noch einmal: „Wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht“ (1. Kor. 11, 29). Auch die Meßtexte des heutigen Sonntags lassen jeden Gefühlsüberschwang vermissen und atmen etwas von der mahnenden und warnenden Pädagogik einer Mutter. Bei aller Festfreude redet uns die Kirche heute ordentlich ins Gewissen bezüglich unseres Nahens an den „Tisch des Herrn“, bezüglich unseres Hintretens zur Kommunionbank.

Die Einladung zur Emigration

Der hl. Johannes Chrysostomus sagt: „Keiner trete also mit Überdruß hinzu, d.h. aus gelangweilter Gewohnheit, keiner mit Gleichgültigkeit, vielmehr alle voll Liebesglut, voll Feuer und Begeisterung. Wenn die Juden im Stehen, mit Schuhen an den Füßen, mit einem Stock in der Hand in Eile ihr Osterlamm aßen, dann mußt du noch viel eifriger sein. Jene wollten ja nur nach Palästina ziehen und taten deshalb alles, was zur Reise notwendig war. Du sollst in den Himmeln emigrieren!“ Wir müssen jene Weltverachtung an den Tag legen, welche die Erstgeladenen im heutigen Gleichnis vom großen Gastmahl vermissen ließen, indem sie sich von weltlichen Belangen zurückhalten ließen, der an sie ergangenen Einladung Gottes zu folgen.

In gewisser Weise müßten wir uns eigentlich eine Scheibe von den auf den griechischen Inseln ausharrenden Migranten abscheiden. Nicht alle, aber einige von ihnen haben auf alles verzichtet, haben ihre Heimat hinter sich gelassen, ja womöglich ihr letztes Hab und Gut verkauft, um irgendwo einen Platz zu finden, um in das „Gelobte Land“ Europa gelangen zu können. Während diese Migranten das alles auf sich nehmen, um am Ende sicherlich in ihrem ersehnten Wunderland Europa eine bittere Enttäuschung erfahren zu müssen – eine Enttäuschung, deren Wut wir dann mit einer großen Wahrscheinlichkeit zu spüren bekommen werden –; während diese also große Opfer auf sich nehmen, um schließlich hier bei uns doch nicht das ersehnte Schlaraffenland vorzufinden, wird uns Gott niemals enttäuschen. Wir werden von Gott nicht irregeführt wie diese von ihren falschen Erwartungen. Auch wir sind Migranten; Migranten von der Erde in den Himmel. Der Preis dieser Migration ist nicht billig. Im Gleichnis selber deutet es Jesus an, was dem Menschen das Reich Gottes wert sein muß: mehr als ein Landgut – also mehr als Eigenheim und Garten, Wohlstand und Bequemlichkeit, Geld und Besitz; mehr als das beste Stück Vieh – also mehr auf Schaffenskraft und beruflicher Erfolg, materielle Sorglosigkeit und Unabhängigkeit; ja sogar mehr als der liebste Mensch – mehr als der Ehegatte und die Familie. Lesen wir im Lukasevangelium auch nur wenige Verse weiter, so ruft uns der Herr sogar zu: „Wenn jemand zu mir kommt, aber Vater und Mutter und Frau und Kind und Bruder und Schwester, ja auch sich selbst nicht haßt, so kann er mein Jünger nicht sein“ (Lk. 14, 26). Mit einem billigen Lottoeinsatz ist das Reich Gottes nicht zu gewinnen. Gott will über alles geliebt werden. Deshalb verlangt Er, daß wir alle diesseitigen Güter verachten, um so Ihn und Sein Reich zu gewinnen.

Bereitung zu einer würdigen hl. Kommunion

Wie es um unseren Eifer diesbezüglich tatsächlich bestellt ist, zeigt sich hier in der Kapelle, an der Kommunionbank nämlich. Die hl. Kommunion ist ja, wie gesagt, die Vorwegnahme des großen himmlischen Hochzeitsmahl in der ewigen Herrlichkeit. Was lassen wir uns die hl. Kommunion kosten? Was ist sie uns wert? Auch unter Traditionalisten ist der Gedanke an die Kommunion selbstverständlich. Weniger vertraut scheint dabei jedoch der Gedanke an die Kommunionwürdigkeit zu sein. Viele kommunizieren bei jeder sich bietenden Gelegenheit, gehen aber kaum einmal zur Beichte. Bedenken wir, wie sehr wir uns doch entrüsten über den Verrat des Judas, der den Herrn mit einem Kuß tötete. Jede Kommunion im Stand der Todsünde ist ein solcher Judaskuß, mit dem wir uns selbst verdammen. „Wer unwürdig iß und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht.“ „Daher prüfe sich der Mensch!“ Eine Gewissenserforschung ist auch notwendig vor der hl. Kommunion: Erfülle ich die Grundbedingung zu einer würdigen Vereinigung mit Christus? Bin ich im Stand der heiligmachenden Gnade? Oder habe ich eine schwere Sünde auf dem Gewissen und müßte die Seele deshalb zunächst erst durch das Bußsakrament vom Tod der Sünde zum Leben der Gnade erweckt werden? Um die innere Reinheit zu gewährleisten ist die regelmäßige Beichte dringend angeraten. Denn jeder Mensch sündigt täglich. Meist sind es bloß läßliche Sünden. Aber die läßlichen Sünden führen notwendigerweise und unfehlbar zu Todsünden. Um das zu verhindern, müssen auch die läßlichen Sünden immer wieder entfernt werden, so wie wir unseren Leib ja auch regelmäßig waschen und sauber halten, um gesund zu bleiben. Stellen wir uns vor, wir würden uns seit unserer letzten Beichte nicht mehr gewaschen haben. Welchen Ekel hätten wir vor uns selbst. Ja, wenn Sünde stinken würde, wäre es unter uns vielleicht nicht auszuhalten. Dabei wäre der Beichtstuhl die Duschkabine für die Seele. Einmal im Monat die Seele im Blute Christi von toten Werken reinigen, wäre eine hinreichende Seelenhygiene. So empfiehlt es uns der Himmel durch Unsere Liebe Frau von Fatima, die eine monatliche Beichte im Rahmen der Andacht zu ihrem Unbefleckten Herzen fordert.

Der inneren Vorbereitung der Seele muß auch eine innere Vorbereitung des Leibes entsprechen. Diese erfolgt durch die Eucharistische Nüchternheit. Seit den Anfängen der Christenheit galt es vor der hl. Kommunion von Mitternacht ab weder etwas zu essen noch etwas zu trinken – auch kein Wasser! Über 1900 Jahre war das Nüchternheitsgebot so gefaßt, bis Papst Pius XII. im Jahr 1953 mit seiner Enzyklika „Christus Dominus in qua“ diese Regel lockerte und auf drei Stunden verkürzte, wobei fortan das Trinken von Wasser die Nüchternheit nicht mehr bricht. Dabei schärfte der Papst den Bischöfen jedoch ein, in ihren Diözesen darauf zu achten, daß es bloß zu keiner weiteren Aufweichung der Drei-Stunden-Regelung komme, da diese eigentlich schon eine unerhörte Lockerung darstelle. Die drei Stunden sind also schon ein großes Zugeständnis. Wer selbst diese aus körperlicher Schwäche oder aus Versehen nicht einhalten kann, muß auf die Kommunion an diesem Tag verzichten. Man sei sich dabei jedoch bewußt, daß man dem Allerheiligsten Altarsakrament auf diese Weise größere Ehrfurcht erweist, als würde man unerlaubterweise doch kommunizieren und dabei schwer sündigen, weil man „den Leib des Herrn nicht von gewöhnlicher Speise unterscheidet“ (1. Kor. 11, 19).

Zum Gnadenstand und zur eucharistischen Nüchternheit kommt noch eine dritte Vorbereitung. Der Leib soll auch äußerlich in ein würdiges, dem Anlaß entsprechendes Erscheinungsbild gebracht werden. Die gute Sitte, ein sonntägliches Gewand in die Kirche anzulegen, ist insbesondere im deutschsprachen Raum in argen Verfall geraten, während es in den romanischen und angelsächsischen Ländern ganz selbstverständlich ist, daß die Männer, wenn sie schon keinen Anzug tragen, so doch wenigstens ein sauberes Hemd und eine Stoffhose, evtl. Krawatte und Jackett tragen. Keine Kapuzenpullover! Keine Jeans oder gar kurze Hosen! Auch keine Turnschuhe! Für die Frau und die Mädchen gehört sich für die Kirche ein Rock oder ein Kleid, das Gesäß und Knie verhüllt und nicht hervorhebt. Schultern sind bedeckt zu halten. Man gebe sich bescheiden. Ausgefallene Schnitte und schrille Farben haben in der Kirche nichts verloren. Die fast völlig außer Übung gekommene Kopfbedeckung, wie sie in Italien und Spanien in Form der Mantilla eine kunstfertige Tradition ist, ist eine apostolische Anordnung des hl. Paulus. Er schreibt im 1. Korintherbrief: „Jede Frau, die mit unverhülltem Haupt betet, oder weissagt, entehrt ihr Haupt. … Wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so schneide man ihr die Haare ab. … Darum soll die Frau ein Zeichen der Herrschaft auf dem Haupte haben, um der Engel willen“ (1. Kor. 11, 5.6.10). Für eine Privataudienz beim Papst gab es früher eine strenge Kleiderordnung, ohne deren Einhaltung man nicht vorgelassen wurde. Männer in Frack oder wenigstens Anzug mit Krawatte oder Fliege. Frauen stets ganz in Schwarz; Rock bis zu den Knöcheln und selbstverständlich Kopfbedeckung. Wenn wir auf eine Hochzeit oder sonst einem festlichen Anlaß eingeladen sind, erscheinen wir doch auch nicht im Werktags- oder Freizeitgewandung. In der hl. Kommunion empfängt uns nun ein Größerer als der Papst! Die hl. Kommunion ist die Vereinigung mit dem heiligen Gott! Zweifelsohne ein Anlaß, der alle anderen irdischen Feierlichkeiten in den Schatten stellt. Setzen wir also auch in unserem äußeren Erscheinen einen Akzent des Respektes und der Ehrerbietung gegen den hohen Seelengast. Eine Ehrerbietung, die der Christkönig auch von uns erwartet! Das Gleichnis vom königlichen Gastmahl beendet Christus wie folgt: „Der König kam herein, um die Gäste zu sehen. Da erblickte er dort einen Mann, der kein hochzeitliches Kleid anhatte. Und er sprach zu ihm: Freund! Wie bist du hier hereingekommen, ohne ein hochzeitliches Gewand zu haben? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: ‚Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die Finsternis draußen; dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.‘ Denn viele sind berufen, wenige aber auserwählt“ (Mt. 22, 11-14). Wenngleich die innerliche Bereitung auf die hl. Kommunion und das strahlendweiße Gewand der heiligmachenden Gnade zweifelsohne das Entscheidende ist, so sollten wir doch bedenken, daß Gott nicht nur auf das Innere des Herzens schaut, sondern auch auf das Äußere.

Vereinigung im Fleisch

Die hl. Kommunion ist eine Vorwegnahme der ewigen Vereinigung mit Gott. Sie ist eine solche Herablassung Gottes, die uns an Würde über alles Geschaffene hinaushebt. Der hl. Johannes Chrysostomus drückt das in sehr klaren Worten aus: „Wir werden ein Leib, Glieder an seinem Fleisch und seinem Gebein. Damit wir nicht bloß durch die Liebe, sondern in voller Wirklichkeit eins mit ihm werden, wollen wir mit diesem Fleische geeint sein.“ Wörtlich: „wollen wir mit diesem Fleische vermengt, vermischt werden.“ Der hl. Chrysostomus betont durch seine Wortwahl die wirkliche Vereinigung des Getauften mit Gott im Fleische Jesu Christi. Er hat unseren Leib mit seinem Leib „vermengt.“ Zu welch unfaßbaren Würde sind wir doch berufen und geladen!

Schauen wir auf die allerseligste Jungfrau Maria. Sie war die erste, mit der sich Gott vereinigt hatte. Aus ihr hat Er Fleisch angenommen. Für die erste neunmonatige Kommunion mußte die Gottesmutter ganz rein und heilig sein. Die Unbefleckte Empfängnis ist uns das vollkommenste Beispiel, was es heißt würdig zu kommunizieren. Sie ist ganz schön – innerlich und äußerlich! Ganz schön ist Maria an Leib und Seele. So machen auch wir uns bereit der Einladung zum Gastmahl zu folgen. Machen wir uns schön an Leib und Seele – innerlich und äußerlich. Waschen wir den Schmutz der Sünde von unserer Seele ab in der Beichte – wenigstens einmal im Monat. Schmücken wir uns mit dem Opfer der Eucharistischen Nüchternheit – wenigstens drei Stunden. Machen wir uns auch äußerlich schön für Gott – wenigstens an Sonn- und Feiertagen.

Feuerspeiende Löwen

Der hl. Augustinus sagt, daß bei der hl. Kommunion Sein Leib und Sein Blut in unseren Venen zirkuliert und so unsere Umgestaltung in Ihn bewirkt, was abermals der hl. Augustinus wunderbar ausdrückt indem er Christus die Worte in den Mund legt: „Ich bin das Brot der Starken; wachse, genieße mich! Doch nicht du wirst mich umwandeln in dich, gleich leiblicher Speise; nein, du wirst umgewandelt werden in mich!“ (Conf. VII, 10). In der hl. Kommunion werden wir ihm mehr und mehr verähnlicht, werden wir geheiligt, ja, quasi vergöttlicht. Diese Umgestaltung muß sich an zu auch zeigen. „Wie Löwen, die Feuer hauchen, wollen wir also von diesem Tische weggehen“, sagt der hl. Johannes Chrysostomus. Feuerspeiende Löwen sollen wir sein, was den Eifer, die Liebe, die Großzügigkeit, was die Bereitschaft angeht unser eigenes Leben, so wie Jesus Christus Seines hingegeben hat, selbst für Ihn hinzugeben.

Das Schlimme, liebe Gläubige, in unserer heutigen Zeit ist nicht die angestrebte Neue Weltordnung, auch nicht der sich ankündigende Zusammenbruch der Weltwirtschaft oder das beängstigende antichristliche Klima. Nein, das Schlimme ist unser mangelnder Eifer, diese feuerspeienden Löwen für Christus zu werden. Löwen, die Beute machen für Christus durch den Feueratem ihrer Liebe und ihres Opfers „in Tat und Wahrheit“ (1. Joh. 3, 18). Das größte Übel ist nicht, das ein Nicht-Papst und eine Nicht-Hierarchie den Vatikan besetzt hält und die Wahl eines Nachfolgers für Papst Pius XII. blockiert. Das wirkliche Übel und auch die Ursache für die beweinenswerte kirchliche Lage heute ist das Abhandensein wahrhaft christlicher Seelen, die sich mit Jesus Christus in Seinem Fleisch und Blut verbinden und gleichsam feuerhauchende Löwen werden, durch Ihn, der ja selber der „Löwe aus dem Stamme Juda“ (Offb. 5, 5) ist. Es fehlt uns oft der lebendige Glaube, die vertrauensvolle Hoffnung und die tätige Liebe. Es fehlen uns die größten übernatürlichen Güter, weil wir so sehr an den Irdischen hängen: an dem Landgut, an dem Joch Ochsen, an der Zuneigung zu geliebten Menschen; weil wir uns allzu leicht bei Gott für das Große, das Er mit uns vor hätte, entschuldigen.

Bitten wir deshalb die Unbefleckte Gottesmutter, die Zuflucht der Sünder und Hilfe der Christen; sie, die sowohl äußerlich als auch innerlich durch und durch Reine, daß sie uns lehre stets würdig zu kommunizieren, damit auch unser schwaches Herz wie ihr Unbeflecktes Herz zum Glutofen der göttlichen Liebe werde. Damit wir gleich feuerhauchenden Löwen unsere Seele retten, viele andere Seele mit der Liebe Gottes anzustecken und so dem Satan entreißen können. Amen.