Sonntag Septuagesima
Vom Laster des Neides
Geliebte Gottes!
Der Satz, welcher der eigenartig klingenden Parabel von den Arbeitern im Weinberg vorausgeht, aber nicht in den Evangelientext des Sonntags Septuagesima aufgenommen wurde, lautet: „Viele Erste werden Letzte sein.“ (Mt. 19,30). Der einleitende Spruch lautet also so ähnlich wie die Lehre, die am Ende des Gleichnisses wiederholt wird: „So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.“ (Mt. 20,16).
Erste werden Letzte und Letzte Erste
Unter den „Ersten“ versteht der Herr jene, die Er schon vor längerer Zeit in Seine Nachfolge – als Streiter Christi, als Gottgeweihte, als Priester – berufen hat. Sie sind diesem Ruf auch gefolgt und arbeiten seitdem in Seinem Weinberg. Der Weinberg ist ein Bild für die eigene Seele bzw. auch für die Kirche. Dazu verließen die Arbeiter in hochherziger Gesinnung den Marktplatz der Welt. Man muß die Welt und die Anhänglichkeit an sie verlassen, um Dienst im Weinberg Gottes zu tun: Man muß Gott über alles lieben, mehr als Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker. Und wenn man Gott mehr lieben muß als diese guten und ehrbaren Güter, dann natürlich noch viel mehr als die Sünde.
In anfänglichem Eifer tun sich diese Ersten hervor. Aber sie haben die Welt nur rein äußerlich verlassen. Den Weltgeist und noch mehr ihren eigenen verkehrten, nach weltlichen Kategorien urteilenden und rechnenden Menschengeist haben sie jedoch mitgenommen. Sie gefallen sich in ihren Frömmigkeitsübungen, in ihren religiösen Kenntnissen, in ihren guten Werken. Und sie meinen, damit den anderen etwas voraus zu haben. In Strebermanier dünken sie sich anderen gegenüber aufgrund ihrer „Leistungen“ überlegen. Insofern sind sie „Erste“.
Im Kontrast dazu stehen die „Letzten“. Das sind jene, die vielleicht lange Zeit auf religiösen und/oder sittlichen Irrwegen wanderten, ehe sich der göttliche Gnadenruf zur Bekehrung an sie richtete; Menschen, die vielleicht auch nicht so reich an Talenten sind, dafür aber von Herzen demütig und denen vielleicht gerade deshalb so verlorene Posten und einfache Arbeiten zugeschoben werden. In den Augen der Menschen gelten sie als ungeschickt, minderbemittelt, fehlerbehaftet, rückständig. Doch schreiben sie selbst das Gelingen ihrer scheinbar bescheidenen Werke nicht ihren eigenen Kräften zu, sondern der Gnadenkraft Gottes, was sie, die „Letzten“, zu den „Ersten“ werden läßt, während die äußerlich Leistungsstarken aufgrund ihrer Selbstgefälligkeit und ihres vermessenen Anspruchs zu Letzten werden.
Die ganze Parabel von den Arbeitern im Weinberg ist demnach ein erklärendes und klärendes Beispiel dafür, wie es kommen kann, daß Erste Letzte werden. Besonders ein Laster wird dabei hervorgehoben, welches scheinbar „Erste“ zu „Letzten“ macht: der Neid. „Diese – die Letzten – haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt“, klagen jene Arbeiter, welche den ganzen Tag geschuftet und dabei die Hitze ertragen mußten, scheinbar berechtigt. Aber der Hausvater entlarvt ihre Anklage. Denn es geht den murrenden Arbeitern der ersten Stunde nicht um Gerechtigkeit. Denn sie erhielten ja den am Morgen vereinbarten Lohn. Sie wurden also gerecht bezahlt. Nein, der Hausvater bringt es auf den Punkt: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ (Mt. 20,15). Die ersten Arbeiter sind neidisch. Sie murren, weil Gott gegenüber den scheinbar geringeren Mitmenschen gütig ist.
Das Wesen des Neides
Der Neid ist ja ein Schmerz oder eine Art Traurigkeit über das Gut eines anderen, insofern es als eine Beeinträchtigung des eigenen Vorzugs angesehen wird. Die Traurigkeit des Neides entsteht, weil man das Glück des anderen als eigenes Unglück ansieht, weil man den Glanz, der den anderen umgibt, als Schatten auf dem eigenen Leben empfindet.
So ist der Neid direkt der Liebe entgegengesetzt, welche ja die Freude an den Gütern und dem Wohl des Mitmenschen verlangt. Neidisch ist also der, welcher im Inneren unruhig, traurig und betrübt wird, wenn sein Nächster mehr besitzt, mehr geehrt wird, mehr gewinnt als er. Wenn der andere etwas bekommt, was er nach dem Urteil des Neidischen nicht verdient hat.
Der Neidische kann das Glück des anderen nicht sehen. Deshalb die lateinische Bezeichnung „invidia“, von dem negativen Präfix „in“ und dem Verb „videre“, d. h. „sehen“. Das Glück, das Gut des Nächsten, ist ihm unerträglich. Deshalb wendet er seinen Blick davon ab – in der Körpersprache den Blick der Augen, aber auch den Blick des Geistes. Er trachtet nämlich danach, dem Nächsten in Worten und Werken zu schaden, indem er sein Unvermögen kritisiert, seine Fehler offenlegt und alles Gute in ein schlechtes Licht rückt. Der hl. Basilius der Große sagt: „Keine Tugendübung findet bei ihnen Lob. Wie die Geier sich auf das Übelriechende stürzen – im Flug hinweg über viele Wiesen und viele wonnige, duftige Plätze –, wie die Fliegen am gesunden Teil vorbeilaufen und das Geschwür aufsuchen, so sehen auch die Neidischen über die Schönheiten im Leben und die Großtaten [des Nächsten] hinweg und wenden sich dem Erbärmlichen zu. Und kommt einmal ein Fehler vor, wie oft im menschlichen Leben, so tragen sie das in die Öffentlichkeit und wollen damit die Menschen brandmarken. Ja, raffiniert wissen sie, das Lobenswerte schlechtzumachen und zu begeifern und die Tugend durch das angrenzende Laster zu verleumden.“ (Serm. de invid. 5). Mit dem Neid geht also immer auch eine Trübung des Urteilsvermögens einher, ja eine Verblendung des Geistes. Höchst ungern vernimmt der Neidische das Lob, welches seinem Nächsten zuteil wird. Er sucht dasselbe zu verwischen, setzt dessen Verdienste herab, offenbart seine Fehler, streut Verleumdungen aus und scheut auch nicht vor schweren Beleidigungen zurück.
Darum ist nach der Lehre des hl. Thomas von Aquin vor allem der Stolz die Quelle des Neides und deshalb bezieht sich der Neid vorzüglich auf solche Dinge, „in denen Ehre liegt und in denen die Menschen lieben, geehrt zu werden und in Ansehen zu stehen“. Der Stolze kann keinen leiden, der höher steht als er, mehr hat als er oder sich ihm gleichstellt, und darum regt sich alsbald der Neid in seinem Herzen gegen jene, die sich auszeichnen, mehr gewinnen, mehr besitzen, mehr geliebt und höher angesehen sind.
Darum kommt der Neid, wie auch der hl. Alphons sagt, in der Regel bei Ehrgeizigen vor. Also bei solchen, die danach streben, die „Ersten“ zu sein. Aber auch bei Greisen gegen Jüngere, weil den Älteren im Alter manches an Kräften verloren geht und sie zurückgedrängt werden, ferner bei denjenigen, die etwas nur mit großer Schwierigkeit erreicht haben, was andere leicht erreichen – wie unsere Arbeiter im Gleichnis, die den ganzen Tag schuften mußten, während den Letzten der Tageslohn nur für eine Stunde Arbeit zuteil wurde.
Eine Hauptsünde
Der Neid äußert sich gegenüber Höhergestellten genauso wie gegenüber Gleichgestellten oder gegenüber Geringeren. Gegenüber den Höhergestellten äußert sich der Neid, weil der Neidische ihm nicht gleichkommen kann. Gegenüber dem Geringeren, weil er fürchtet, sie könnten ihm gleichkommen. Gegenüber Seinesgleichen, weil er ihnen nichts voraus hat.
So beneidete König Saul den jungen David, weil dieser durch die Gunst Gottes größere Heldentaten vollbrachte als der König selbst und ihm das Volk mehr Liebe und Hochachtung entgegenbrachte, indem es sang: „Saul erschlug Tausend, David aber Zehntausend.“ (vgl. 1. Kön. 17). In gleicher Weise beneideten die Hohenpriester, die Schriftgelehrten und Pharisäer unseren göttlichen Erlöser, weil man im Volk von Jesus sagte: „Dieser lehrt wie einer, der Macht hat, nicht wie unsere Schriftgelehrten.“ Und wegen der Wunder, die Christus wirkte, beschlossen sie, Ihn zu töten. „Was sollen wir tun, da dieser Mensch viele Wunder tut? Wenn wir Ihn so gewähren lassen, werden alle an Ihn glauben; und die Römer werden kommen und uns das Land und das Volk wegnehmen.“ (Joh. 11,47 f.). Neidisch war sodann der Satan auf die Stammeltern im Paradies; Kain auf seinen Bruder Abel, weil dessen Opfer Gott angenehm war (Gen. 4); die Söhne Jakobs auf ihren Bruder Joseph, weil diesen der Vater von ihnen am meisten liebhatte (Gen. 37).
Anhand dieser Beispiele können wir schon die verheerenden Folgen sehen, die der Neid zeitigen kann. Der Neid ist eine der sieben Hauptsünden, weil aus ihm eine Reihe anderer Sünden hervorgeht, die alle der Art nach schwere Sünden sind. So etwa die Zungensünden der Ohrenbläserei, der Ehrabschneidung und der Verleumdung; sodann die Schadenfreude. Wenn der Neid erst einmal den Haß geboren hat, dann folgen aus ihm auch Feindschaft, Rache, Mord und Totschlag. Deshalb schreibt der hl. Cyprian: „Der Neid ist die Wurzel aller Übel, die Quelle der Kriege, der Same der Missetaten.“ Der Neid ist der Vater der meisten Häresien und Schismen. Der Neid ist es, der Brüder entzweit und die schrecklichsten Ärgernisse herbeiführt.
Eine teuflische Sünde
Und der hl. Johannes Chrysostomus fügt hinzu: „Die Neidischen sind schlechter als die wilden Tiere und den Teufeln gleich.“ Ja, unter allen Sünden macht der Neid den Menschen am meisten dem Teufel ähnlich, denn der Neid ist nach dem Stolz die eigentliche Sünde des Teufels. So heißt es im Buch der Weisheit: „Durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen.“ (Weis. 2,24). Der hl. Johannes Chrysostomus sagt: Wer neidisch ist, der ahmt den Teufel nach. Der Neid ist nichts anderes als die Gesinnung des Teufels. So wie Jesus sagt: „Daran werden alle erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt, wie Ich euch geliebt habe“, so kann auch der Teufel sagen: „Daran wird man erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr euch beneidet, wie ich euch beneidet habe.“
Der Neid, als direkter Gegensatz zur Liebe, ist der Art nach Todsünde und wird vom hl. Paulus im Galaterbrief unter die Sünden gezählt, die vom Himmelreich ausschließen: „Neid, Mordtaten, Trunkenheit, Schwelgerei und dergleichen, wovon ich euch voraussage, wie ich es schon ehedem gesagt habe, daß die, welche solches tun, das Reich Gottes nicht erlangen werden.“ (Gal. 5,21). Meist wird der Neid freilich eine läßliche Sünde sein, weil dem Akt entweder die volle Zustimmung fehlt, wie bei den unüberlegten Regungen des Neides, oder aufgrund einer Geringfügigkeit des Gegenstandes. Damit er zur Todsünde wird, ist erforderlich, daß er sich auf ein bedeutendes Gut des Nächsten bezieht und daß der Neidische ernsthaft will, der andere möge dieses Gut nicht besitzen.
Besonders schwerwiegend ist jedoch, wenn man dem Nächsten die übernatürlichen Güter mißgönnt, etwa seinen Tugendfortschritt oder besondere Gnaden, die ihm Gott zuteilwerden ließ. Das Mißgönnen der göttlichen Gaben zählt zu den Sünden wider den Heiligen Geist, die nicht vergeben werden können.
Eine schädliche Sünde
Der Neid richtet dabei den, der von ihm beherrscht wird, selbst zugrunde. Er ist ein bösartiges Raubtier. Er raubt den Frieden, stört die Eintracht, löscht die Liebe aus, benagt wie ein Wurm alle Tugenden, befleckt die Herzensreinheit, mindert oder raubt die heiligmachende Gnade, verkürzt das Leben, schwächt die Urteilskraft und erzeugt Überdruß im religiösen Leben, da sich Gott vor dem Neidischen zurückzieht. Wie im Gleichnis sagt Er auch zum Neidischen: „Nimm dein Geld und geh!“ D. h., Gottes Segen weicht und die Sünde gewinnt in seinem Herzen die Oberhand.
Der Neid ist unter allen Sünden die einzige, die keine Befriedigung gewährt. Der Unmäßige gewinnt den Genuß, der Geizige das Geld, der Zornige den Streit, der Unkeusche die Lust, der Träge seine Muße, welche sie als ein Gut begehren. Einzig der Neidische strebt nicht nach einem Gut für sich, sondern ist betrübt über das Gut eines anderen.
„Siehe“, sagt der ehrwürdige Ludwig von Granada, „der Neid verzehrt das Herz, härmt den Körper ab, quält den Geist, stört die Ruhe des Gewissens, erfüllt das ganze Leben mit Mißmut und Traurigkeit und verscheucht jede Freude aus der Seele.“ Und mit all diesen Opfern erlangt der Neidische auch nicht den geringsten Vorteil, sondern nur Unsegen und Strafe. Je mehr er Anderen ihre Güter mißgönnt, desto ärmer wird er selbst an all den seinen. Und wenn er nicht aufrichtig Buße tut und sich von diesem Laster bekehrt, so wird er auch der ewigen Güter verlustig gehen und der ewigen Verdammnis anheimfallen; denn, so merkt der hl. Johannes Chrysostomus an: „Wenn wir schon die Feinde zu lieben verpflichtet sind, welche Strafe wird uns da treffen, wenn wir diejenigen mit unserem Neide verfolgen, die uns kein Unrecht getan haben?“
Mittel gegen den Neid
Was ist also zu tun, damit nicht auch wir von den Ersten zu den Letzten herabsinken, indem wir dem Neid in unserem Herzen Raum gewähren? Damit wir die Wurzel dieses Lasters, sobald sie sich im Herzen ansetzt, sofort ausrotten können, ist es gut, zu folgenden Mitteln zu greifen:
- natürlich zum Gebet, sowohl für sich selbst als auch für den Nächsten, gegen den sich der Neid regt. Denn das Gebet ist ein Akt der übernatürlichen Liebe. Beim Gebet, da schwingen wir unsere Seele auf zu Gott, dem Geber alles Guten, der jedem zuteilt, wie Er will; der dabei keine Fehler macht! Wo das Gebet ist, da herrscht das Gottvertrauen, da bleiben Freude und Friede im Herzen. Da erkennen wir in jeder Gabe und Gnade ein Wirken der Güte Gottes, der gepriesen sei in Ewigkeit.
- Erwägen wir den Schaden, den der Neid verursacht. Mißgunst und Schadenfreude machen, wie gesagt, den Menschen dem Teufel ähnlich. Der Neid hat zahllose andere Sünden im Gefolge. Er verbittert das eigene Leben, verschafft nicht den geringsten Gewinn; verursacht aber den größten Verlust, nämlich den des ewigen Lebens im Himmel. Der Neidische wird immer umso ärmer und verderbter, je mehr sein Nächster an guten Werken zunimmt. Das Heilmittel ist die Mit-Freude über die Erfolge, über das Glück und über die Segnungen, die dem Nächsten zuteilwerden. Denn wenn wir uns mitfreuen, dann wird das Glück des anderen auch zu unserem Glück. So sagt der hl. Papst Gregor d. Gr.: „Die Liebe eignet sich fremde, gute Werke an, dadurch, daß sie selbige liebt; der Neid aber schlägt sich durch sein Hassen immerzu Wunden in der eigenen Brust.“
- Die Betrachtung der Schöpfung. Nirgends findet sich der Neid! Die Sonne gibt allen Geschöpfen ihr Licht. Die Erde teilt ihre Früchte allen Lebewesen mit. Die Glieder im menschlichen Leib unterstützen sich gegenseitig. Und unter den Heiligen des Himmels freut sich jeder über die Herrlichkeit und Freude des anderen wie über die eigene. Der Neid hat also keine Daseinsberechtigung!
- Austrocknen der Quellen des Neides. Wenn der Neid eine Frucht des Stolzes ist, der keinen leiden kann, der höher steht oder ihm gleichgestellt ist, dann muß der Mensch, der dem Neid entgehen will, die Tugenden der Demut, der Bescheidenheit und der Zufriedenheit üben. Dazu müssen wir aufhören, uns in eitlen Gedanken zu ergehen. Gedanken, mit denen wir uns mit anderen vergleichen, uns an anderen messen, uns mit den Angelegenheiten anderer befassen. Gedanken, mit denen wir uns ein vermessenes Urteil anmaßen, ob der Nächste nun dieses oder jenes Gut, diesen oder jenen Erfolg, diesen oder jenen Vorzug, diese oder jene Gunst verdient hat oder nicht! Das zu beurteilen, ist nicht unsere Sache. Gott teilt zu, wie Er will, wem Er will und wieviel Er will. Man bedenke dabei, daß Gott nicht auf das Ansehen der Person, nicht auf Vermögen und Ehre, sondern auf ein demütiges, sanftes, liebendes Herz sieht und gerade ein solches mit Seinen Gütern reich erfüllt.
- Schließlich kann man dem Neid am besten durch Werke der Liebe entgegensteuern. Die Liebe ist Helm, Panzer, Schild und Schwert gegen das teuflische Ungeheuer des Neides. So sagt der hl. Isidor von Sevilla: „Wider den Neid rüste sich die Liebe.“ – Zwei Kaufleute hatten in einer Stadt ihre Geschäfte einander gegenüber. Aus Neid und Eifersucht wurden sie Feinde. Einem von diesen machte aber das Gewissen Vorwürfe. Er bat seinen Beichtvater um Rat, was zu tun sei, um seinen Feind zu versöhnen. Der Priester sprach: „Das beste Mittel ist das: Wenn Leute in deinen Laden kommen und du hast die Sache nicht, die gewünscht wird, so schicke diese Leute zu deinem Nachbarn.“ Und so geschah es. Der andere Kaufmann erfuhr bald, wer ihm die Kundschaft sandte, und bei der nächsten Gelegenheit bedankte er sich bei ihm. So kam es, daß beide wieder Freunde wurden. Wie die Wärme das Eis schmilzt, so verjagen die Liebe und das Wohlwollen den Neid.
So wollen wir, als gute Arbeiter, in den Weinberg dieser Vorfastenzeit eintreten und die Mahnung des Völkerapostels beherzigen: „Laßt uns nicht eitler Ehre nachjagen, so daß wir einander reizen, einander beneiden“ (Gal. 5,26); sondern „beeifert euch um die vorzüglicheren Gaben“ (1. Kor. 12,31); „trachtet nach der Liebe“ (1. Kor. 14,1); denn „die Liebe beneidet nicht“. (1. Kor. 13,4). Amen.