Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit
Von der Dreifaltigkeit Gottes im Lichte des „Athanasianums“
Geliebte Gottes!
Das Dogma von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit mußte vom unfehlbaren Lehramt der katholischen Kirche oft gegen Häresien verteidigt werden. Besonders die seit dem 4. Jahrhundert aufkommenden Irrlehren zwangen das kirchliche Lehramt mehr als 350 Jahre hindurch wiederholt dazu, das richtige Verständnis des Dreifaltigkeitsgeheimnisses noch tiefer zu erforschen, noch deutlicher herauszustellen und noch klarer zu bezeugen, um es von den falschen Lehren der Häretiker abzugrenzen. Die ersten sechs ökumenischen Konzilien (Nizäa, I.–III. Konstantinopel, Ephesus, Chalzedon) befaßten sich in dem Zeitraum zwischen 325 und 681 hauptsächlich mit der Trinitätslehre oder mit solchen Fragen, die damit in sehr engem Zusammenhang stehen.
Eine der schönsten Früchte dieses Ringens der Kirche um die richtige Auffassung und den Schutz des Dreifaltigkeitsgeheimnisses ist das „Glaubensbekenntnis des hl. Athanasius“, auch „Athanasianum“ genannt. Es geht auf den großen hl. Kirchenvater Athanasius von Alexandrien zurück, der im Kampf gegen die Arianer unnachgiebig den katholischen Glauben verteidigte und dafür nicht weniger als fünfmal die Vertreibung von seinem Bischofssitz und die Verbannung nach Trier, Rom und in die ägyptische Wüste erdulden mußte. Dieses Glaubensbekenntnis des hl. Athanasius enthält die Essenz der Lehre über die Allerheiligste Dreifaltigkeit in dichter Form zusammengefaßt. Es ist von solcher Bedeutung, daß die Kirche neben dem Apostolischen Glaubensbekenntnis, das wir am Anfang des Rosenkranzes beten, und dem Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis, das wir in der hl. Messe beten, auch das „Athanasische Glaubensbekenntnis“ in die Liturgie des sonntäglichen Offiziums (Breviergebet) aufgenommen hat.
„Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht.“
Schon gleich zu Anfang schärft das Athanasianum die Bedeutung des wahren Glaubens ein: „Wer auch immer gerettet sein will, der muß vor allem den katholischen Glauben festhalten. Wer diesen nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, der wird zweifellos auf ewig zugrunde gehen. Der katholische Glaube aber besteht darin, daß wir den einen Gott in der Dreifaltigkeit und die Dreifaltigkeit in der Einheit verehren.“ Um unsere Seele zu retten, müssen wir in der rechten Weise an die Dreifaltigkeit Gottes glauben. Wir müssen glauben, daß drei Personen in dem einen und einzigen Gott sind – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Zwei Punkte sind wesentlich: Wir müssen zum einen an die Einheit und Einzigkeit der göttlichen Natur glauben. Und zum anderen an die Dreiheit der Personen.
Heute glauben die meisten Menschen nicht in jener Weise an Gott, wie es uns das Lehramt der katholischen Kirche durch den Beistand des Heiligen Geistes aus der göttlichen Offenbarung erklärt hat. Die meisten Menschen glauben heute, daß alle Religionen und vor allem die großen sog. monotheistischen Religionen des Judentums und des Islam, aller offensichtlichen Gegensätze in ihrer Gottes- und Sittenlehre zum Trotz, in Wirklichkeit ein und denselben Gott anbeten. Insbesondere seit das 2. Vatikanum und die daraus hervorgegangene „konziliare Kirche“ ihre Anhänger zur Annahme der Lehre verpflichtet, daß die Juden unsere älteren Brüder im Glauben seien und die Mohammedaner „zusammen mit uns den einen Gott anbeten“. Aufgrund dieser allgemeinen „Lehre“ des 2. Vatikanums war es nicht erstaunlich, daß sich ausnahmslos alle „Konzilspäpste“ gerade dadurch hervorgetan haben, einen „interreligiösen Dialog“ mit allen Religionen und unter diesen insbesondere mit dem Judentum und dem Islam anzustoßen, um dadurch besonders die scheinbare Übereinkunft der Lehre von dem einen Gott herauszustreichen. Aber das ist letztlich nur eine dieser gefährlichen Halbwahrheiten, vor denen wir auf der Hut sein müssen. Gewiß, die Juden und die Mohammedaner beten nur einen Gott an. Aber sie beten eben nicht denselben Gott an wie wir! Denn der Glaube der Juden und der Mohammedaner ist nicht einfach ein Ein-Gott-Glaube. Es ist ein antitritarischer Glaube! Also ein Glaube, der ganz ausdrücklich gegen die Allerheiligste Dreifaltigkeit gerichtet ist. Der Koran bekennt in mehreren Suren: Gott habe keinen Sohn. Jesus sei lediglich ein Prophet. Das Judentum hat Jesus Christus, den Sohn Gottes, verworfen. Der Talmud verflucht Jesus und behauptet von Ihm, daß Er derzeit in der Hölle in Exkrementen siede. Sowohl der Islam als auch das Judentum weisen Jesus als wahren Sohn Gottes zurück. Dazu aber sagt der hl. Evangelist Johannes in seinem ersten Brief: „Wer den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht.“ (1. Joh. 2,23). Dabei nimmt er Bezug auf ein fast gleichlautendes Wort des Heilandes: „Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der Ihn gesandt hat.“ (Joh. 5,23). Die Väter des Alten Bundes verehrten einen und denselben Gott wie wir. Obwohl ihre Gotteserkenntnis noch unvollständig war, schlossen sie die Dreipersönlichkeit des einen Gottes nicht kategorisch aus, wie es die Anhänger des nachchristlichen Judentums tun. Weil nun der Islam und das Judentum in gleicher Weise den Sohn leugnen, deshalb haben sie auch den Vater nicht als ihren Gott. Und weil sie den Sohn nicht ehren, ehren sie auch den Vater nicht als ihren Gott. Kurz: Juden und Mohammedaner beten zu einem anderen Gott als wir, weil sie die Dreipersönlichkeit des wahren Gottes zurückweisen. Diese Lehre des 2. Vatikanums beweist uns einmal mehr, daß wir es bei der „Konzilskirche“ mit einer häretischen Sekte zu tun haben, die von einem Irrtum in den anderen taumelt, weil sie nicht den Beistand des Heiligen Geistes besitzt, den Christus allein der katholischen Kirche zugesagt hat.
Was ist Person und Natur?
Damit wir aber nun das Geheimnis der Geheimnisse unseres katholischen Glaubens richtig auffassen können, müssen wir zunächst zwei Begriffe klären: Person und Natur.
Was ist eine „Person“? Eine Person ist ein vernunftbegabtes, selbstbewußtes Ich. Weder ein Stein noch ein Baum oder ein Tier ist eine Person. Ihnen allen fehlt das Bewußtsein ihrer selbst. Jeder Mensch hingegen ist eine Person. Er hat aufgrund seiner Geistseele die Anlagen der Vernunft, des Selbstbewußtseins und des freien Willens. Dasselbe gilt auch für die „reinen Geister“, die Engel. Auch die Engel sind Personen. In Gott, dem unendlich vollkommenen Geist, sind drei Personen, drei „Ichs“. Personen können nur dort sein, wo vernünftige geistige Naturen sind.
So stellt sich noch die Frage nach der „Natur“. Die Natur ist das, was eine Sache zu dem macht, was sie ist. Die menschliche Natur ist das, was den Menschen zum Menschen macht: Also ein menschlicher Körper aus Fleisch und Blut, mit zwei Armen und Beinen sowie mit aufrechtem Gang. Außerdem eine unsterbliche Geistseele, begabt mit Vernunft und freiem Willen. Alle Menschen kommen darin überein. Aber jede menschliche Person besitzt eine menschliche Natur für sich. Jede menschliche Person ist Inhaber, Besitzer und Eigentümer einer bestimmten, einzigartigen menschlichen Natur. Sie besitzt diesen bestimmten Körper und diese bestimmte Seele. Bei den Menschen gibt es ebenso viele einzelne Naturen wie Personen und ebenso viele Personen wie einzelne Naturen.
Bei Gott ist das anders! Es gibt nämlich nur eine einzige göttliche Natur. Ja, es kann überhaupt nur eine einzige göttliche Natur geben. Denn Gott ist per Definition „der unendlich vollkommene Geist“. Gott besitzt alle Vollkommenheiten in unendlichem Maß. – Es kann aber nur einen unendlich Vollkommenen geben. Gäbe es zwei unendlich vollkommene Geister – also zwei Götter –, dann wären sie in Wirklichkeit doch nur ein unendlich Vollkommener. Denn Unendlich plus Unendlich ist nicht zweimal Unendlich, sondern bleibt Unendlich. Gäbe es zwei unendlich Vollkommene, so würden sie sich ja in nichts voneinander unterscheiden können und wären deshalb ein und dieselbe unendliche Vollkommenheit. Das ist der Grund, warum es nur einen einzigen Gott geben kann. Es kann unmöglich mehrere Götter geben, weil es nur eine einzige unendlich vollkommene göttliche Natur geben kann – nur einen einzigen Gott.
Was aber nun unser menschliches Fassungsvermögen übersteigt, das ist die Tatsache, daß diese eine und einzige göttliche Natur nicht nur einer Person, sondern drei Personen – dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist – vollkommen zu eigen ist. Dafür gibt es in der gesamten Schöpfung keine Entsprechung. Hier müssen wir glauben, wie uns das Athanasianum anleitet: „Der katholische Glaube besteht darin, daß wir den einen Gott in der Dreiheit der Personen und die Dreiheit der Personen in der Einheit der Gottheit verehren.“
Um die Dreiheit in der Einheit Gottes zu veranschaulichen, bediente sich der hl. Patrick, als er die auf der Insel Irland lebenden Heiden zum Christentum bekehrte, des Kleeblattes. So wie das Kleeblatt aus drei Blattsegmenten besteht, die zusammen doch nur ein einziges Blatt sind, so sind – vereinfacht gedacht – auch in der Einheit der Gottheit die drei Personen: Vater, Sohn und Hl. Geist.
Eins in der göttlichen Natur
Bevor wir auf die Unterschiede der drei göttlichen Personen eingehen, wollen wir noch vertiefen, wie es zu denken ist, daß die drei göttlichen Personen ein und dieselbe göttliche Natur besitzen. Im Athanasischen Glaubensbekenntnis heißt es weiter: „Eine andere nämlich ist die Person des Vaters, eine andere die Person des Sohnes, eine andere die Person des Heiligen Geistes. Aber Vater, Sohn und Heiliger Geist besitzen eine Gottheit. Vater, Sohn und Heiliger Geist besitzen eine Gottheit, gleiche Herrlichkeit, gleiche ewige Erhabenheit.“ Alle drei göttlichen Personen besitzen die eine göttliche Natur vollständig. Sie sind wesensgleich. Was im Bezug auf die Gottheit vom Vater gilt, das gilt in derselben Weise vom Sohn und in derselben Weise auch vom Heiligen Geist: „Unerschaffen ist der Vater, unerschaffen der Sohn, unerschaffen der Heilige Geist. Unermeßlich ist der Vater, unermeßlich der Sohn, unermeßlich der Heilige Geist. Ewig ist der Vater, ewig der Sohn, ewig der Heilige Geist. Und dennoch sind nicht drei Ewige, sondern ein Ewiger; ebenso nicht drei Unerschaffene und auch nicht drei Unermeßliche, sondern ein Unerschaffener und ein Unermeßlicher. Ebenso allmächtig ist der Vater, allmächtig ist der Sohn, allmächtig ist der Heilige Geist. Und dennoch sind nicht drei Allmächtige, sondern ein Allmächtiger. So ist der Vater Gott, der Sohn Gott, der Heilige Geist Gott. Und dennoch sind es nicht drei Götter, sondern ein Gott. So ist der Vater Herr, Herr der Sohn und Herr der Heilige Geist. Und dennoch sind nicht drei Herren, sondern nur ein Herr.“
In der Einheit der Gottheit gibt es kein größer und kleiner, kein älter und jünger, kein höher und niedriger, kein stärker und schwächer. Jede der drei Personen besitzt die eine und einzige göttliche Natur vollständig für sich! Das bedeutet, daß hier auch der bereits erwähnte anschauliche Vergleich des hl. Patrick mit dem Kleeblatt an seine Grenzen stößt. Wenn wir uns nämlich die Dreifaltigkeit wie ein Kleeblatt denken, so scheint es ja so, als besäße jede der drei göttlichen Personen nur den dritten Teil von der göttlichen Natur. Es würde so erscheinen, als würden sich die drei Personen die göttliche Natur untereinander aufteilen, wie man einen Kuchen in drei Teile schneidet. Aber nein! Der Vater besitzt das eine göttliche Wesen ganz für sich. Den ganzen Kuchen! Genauso besitzt es auch der Sohn vollständig für sich. Und genauso auch der Heilige Geist. Die drei göttlichen Personen teilen sich die göttliche Natur nicht, sondern jede besitzt sie komplett für sich. Das bedeutet: Vater, Sohn und Heiliger Geist „überlagern“ einander gleichsam und wohnen ineinander. Die drei göttlichen Personen leben ineinander. Wenn wir an die gegenseitige Einwohnung der drei göttlichen Personen – die sog. „Perichorese“ – denken, dann wird uns mit einem Mal auch das Verständnis so mancher Aussprüche unseres göttlichen Erlösers im Evangelium in ihrer Bedeutungstiefe klarer: Etwa wenn Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh. 10,30). Oder die Antwort, die Jesus dem hl. Apostel Philippus beim letzten Abendmahl gab. Philippus hatte Ihn gebeten: „Herr, zeige uns den Vater!“ Darauf entgegnete ihm der Heiland: „Philippus, wer Mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh. 14,9). Dann fügte Er noch hinzu: „Glaubt Mir, daß Ich im Vater bin und der Vater in Mir ist!“ (Joh. 14,11).
Die Wahrheit der Perichrese, daß also die drei göttlichen Personen die eine göttliche Natur jeweils vollständig besitzen und deshalb ineinander wohnen, scheint auch Eingang in die Liturgie der hl. Messe gefunden zu haben. Nach dem Introitus wird bei jeder hl. Messe dreimal „Kyrie eleison“, dann dreimal „Christe eleison“ und wiederum dreimal „Kyrie eleison“ gebetet. Das geschieht, weil die drei göttlichen Personen ineinander wohnen, so daß wir, wenn wir beim ersten Kyrie den Vater anrufen, damit auch die beiden anderen im Vater wohnenden göttlichen Personen – den Sohn und den Heiligen Geist – im Vater anrufen. Wenn wir dann im „Christe eleison“ den Sohn um Sein Erbarmen anflehen, so sind aufgrund der gegenseitigen Einwohnung auch der Vater und der Heilige Geist im Sohn mit angesprochen. Und beim dritten Ruf, der sich wiederum mit den Worten „Kyrie eleison“ an den Heiligen Geist richtet, werden auch der Vater und der Sohn im Heiligen Geist angerufen.
Drei im unterschiedlichen Besitz
Wenn aber die drei göttlichen Personen im Besitz der einen und einzigen göttlichen Natur vollkommen übereinkommen, wodurch unterscheiden sie sich dann überhaupt voneinander? Müßte man nicht, statt von einem Vater, einem Sohn und einem Heiligen Geist, besser von drei Vätern oder von drei Söhnen oder von drei Heiligen Geistern sprechen? – Oder müßte man nicht annehmen, daß die drei Personen, eben weil sie vollkommen wesensgleich sind, in Wirklichkeit zu einer Person zusammenfallen, wie wir es zuvor von den zwei Göttern gesagt haben, die als zwei unendlich Vollkommene in Wirklichkeit nur ein unendlich Vollkommener sein könnten?
Noch einmal die Frage: Wodurch unterscheidet sich die Person des Vaters von der des Sohnes, und diese beiden wiederum von der Person des Heiligen Geistes? Die Antwort auf diese Frage ist von großer Bedeutung, weil die drei Personen allein durch diese Unterschiede voneinander abgegrenzt und damit in ihrem Dasein begründet sind! Die Antwort auf die Frage nach den Unterschieden der drei göttlichen Personen lautet: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind in allem vollkommen identisch. Sie unterscheiden sich einzig und allein in ihren Beziehungen zueinander. Die drei Personen sind nur dadurch voneinander unterschieden, daß sie ein und dieselbe göttliche Natur auf verschiedene Weise besitzen!
Der Vater besitzt die Gottheit aus Sich selbst. Er empfängt die göttliche Natur von keiner anderen göttlichen Person. Der Sohn empfängt die göttliche Natur nur vom Vater. Der Heilige Geist besitzt die göttliche Natur, weil Er sie sowohl vom Vater als auch vom Sohn empfängt!
Von äußeren Dingen ist es klar, daß sie von mehreren Personen auf verschiedene Weise besessen werden können. Denken wir beispielsweise an ein wertvolles Gemälde. Der Maler, der es gemalt hat, besitzt es, weil er es durch seine kunstfertige Hand hervorgebracht hat. Der Künstler verkauft es. Jetzt besitzt es der Käufer. Aber er besitzt auf eine andere Weise wie zuvor der Künstler. Er besitzt es nicht, weil er es selbst hervorgebracht hat, sondern weil er es bezahlt hat. Der Käufer verschenkt nun das Gemälde. Und der Beschenkte besitzt es wiederum auf eine andere Weise; nämlich als Geschenk, denn er hat es weder selbst gemalt noch hat er dafür bezahlt. Ob es nun durch die eigene Kunstfertigkeit, durch Kauf oder durch Schenkung besessen wird, ändert an dem Gemälde selbst gar nichts. Aber die drei Besitzer des Gemäldes unterscheiden sich voneinander durch die verschiedenen Arten des Besitzes. Der erste ist „der Schöpfer“, der zweite „der Käufer“, der dritte „der Beschenkte“. Durch die Art des Besitzes unterscheiden sich die drei Besitzer voneinander. Dieses zweifelsohne sehr unvollkommene Beispiel zeigt uns andeutungsweise, wie wir uns den Unterschied der göttlichen Personen untereinander vorstellen müssen.
Vater, Sohn und Heiliger Geist besitzen alle drei von Ewigkeit her ein und dieselbe göttliche Natur. Aber der Vater ist deshalb „der Vater“, weil Er und Er allein aus keiner anderen göttlichen Person hervorgeht. Er ist die einzige völlig ursprungslose Person in Gott.
Der Sohn ist deshalb „der Sohn“, weil Er auf die Weise der Zeugung aus dem Vater, und nur aus der Person des Vaters, hervorgeht. Von Ewigkeit spricht der Vater: „Mein Sohn bist Du, heute habe Ich Dich gezeugt“ (Ps. 2,7). – Aber wie wird der Sohn vom Vater gezeugt? Es ist eine geistige Zeugung und natürlich keine physische. Der Sohn wird auf die Weise der Erkenntnis des Vaters gezeugt. – An mehreren Stellen in der Heiligen Schrift wird die zweite göttliche Person auch „das Wort“ genannt. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ (Joh. 1,1). Aber warum heißt der Sohn auch „das Wort“? Durch diesen Namen wird die Art und Weise Seines Ursprungs aus dem Vater angedeutet. Worte gibt es nur, wo Gedanken sind. Das Wort ist nichts anderes als der Ausdruck eines Gedankens. Nun gibt es im Vater nicht viele Gedanken, die in ewig buntem Wechsel dahintreiben wie in unserem Geist, sondern nur einen einzigen Gedanken von ewiger Dauer. Einen Gedanken, der alles – ja sogar die unendliche Fülle der Gottheit – vollkommen umfaßt. Einen Gedanken, der von der göttlichen Natur nicht verschieden ist. Einen Gedanken, der nichts anderes als die Wesenheit Gottes selbst ist. Spricht der Vater diesen Gedanken auch aus? Ja! In Seinem Wort! In einem einzigen Wort, weil es nur ein Gedanke ist. Er spricht es aus in einem einzigen Wort von ewiger Dauer, das nicht kommt und verhallt wie ein menschliches Wort. In diesem einen Wort ist die gesamte göttliche Natur des Vaters ausgesagt und enthalten. Deshalb ist das göttliche Wort wesensgleicher Gott wie der Vater. Das Wort ist gezeugt aus der Selbsterkenntnis des Vaters und damit Sein eingeborener Sohn, die zweite Person in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.
Wenn die Erkenntniskraft Gottes so fruchtbar ist, dann liegt es nahe, daß auch die göttliche Willenskraft oder die Liebe Gottes fruchtbar sein wird. – Vater und Sohn sind sich vollkommen gleich, außer darin, daß der Vater nicht der Sohn und der Sohn nicht der Vater ist. Es gibt aber keinen stärkeren Beweggrund und kein festeres Band der Liebe als die Ähnlichkeit und die Gleichheit der Liebenden. Unter uns Menschen findet man die stärkste Liebe unter denjenigen, die verbunden sind durch das gleiche Blut der Abstammung, durch gleichen Stand, gleiche Interessen, gleiche Schicksale, gleiche Heimat, gleiche Grundsätze, Ideale und Sitten. Die Ähnlichkeit zu sich selbst, die der Liebende im Geliebten entdeckt, ist das Fundament seiner Liebe. Der Grad der Ähnlichkeit verhält sich proportional zum Grad der Liebe. Je größer die Ähnlichkeit, umso größer die Liebe. Gott Vater und Gott Sohn sind einander nicht nur ähnlich. Sie sind vollkommen wesensgleich. Deshalb liebt der Vater den Sohn, den Er als den „Abglanz Seiner Herrlichkeit und die Gestalt seiner Wesenheit“ (Heb. 1,3) erkennt. Der Sohn erwidert die Liebe des Vaters, den Er als den Ursprung Seiner eigenen unendlichen Vollkommenheit erblickt. Die gegenseitige Liebe ist aber wiederum nichts von Gott Unterschiedenes, sondern die göttliche Wesenheit selber, wie uns der Lieblingsjünger versichert: „Gott ist die Liebe“ (1. Joh. 4,8). – Wie sich nun der Gedanke im Wort ausdrückt, so drückt sich die Liebe aus im Geschenk, in der Gabe, in der Hingabe an den Geliebten. Der Vater schenkt sich dem Sohn und der Sohn schenkt sich zugleich dem Vater. Die gegenseitige Hingabe beider aneinander ist der Heilige Geist, die dritte Person der Dreifaltigkeit. Der Heilige Geist wird deshalb im theologischen Sprachgebrauch auch „donum“ genannt, d. h. Gabe, Geschenk. Der Heilige Geist ist die Gabe, welche der Vater dem Sohn und welche der Sohn dem Vater gibt; eine Gabe, die von Ewigkeit gegeben, die von Ewigkeit angenommen wird; eine Gabe, die vom Vater und vom Sohn ausgeht und beide umfängt und eint; eine Gabe, welche die wesenhafte Liebe Gottes ist; eine Gabe, die Gott selbst ist.
Darin unterscheiden sich also die drei göttlichen Personen voneinander: Der Vater selbst ist ursprungslos. Der Sohn hat Seinen Ursprung allein aus dem Vater, durch die Zeugung aus dem göttlichen Erkennen. Der Heilige Geist hat Seinen Ausgang sowohl vom Vater als auch vom Sohn auf die Weise der Liebe bzw. der „Hauchung“. In dieser freilich nicht leicht zu fassenden und geheimnisvollen Weise unterscheiden sich die drei göttlichen Personen voneinander, die ansonsten vollkommen identisch sind.
Das Athanasische Glaubensbekenntnis drückt diesen Sachverhalt in einfachen Sätzen aus: „Der Vater wurde von niemandem gemacht, nicht erschaffen, nicht gezeugt. Der Sohn ist vom Vater allein nicht gemacht und auch nicht erschaffen, sondern gezeugt. Der Heilige Geist ist vom Vater und vom Sohn nicht gemacht, nicht erschaffen, nicht gezeugt, sondern hervorgehend. Ein Vater also, nicht drei Väter, ein Sohn, nicht drei Söhne, ein Heiliger Geist, nicht drei Heilige Geister. Und in dieser Dreieinigkeit ist nichts früher oder später, nichts größer oder kleiner, sondern alle drei Personen sind untereinander gleich ewig und vollkommen gleichartig, so daß in allem, wie oben schon gesagt wurde, sowohl die Einheit in der Dreifaltigkeit als auch die Dreifaltigkeit in der Einheit zu verehren ist.“ Mit anderen Worten: Die Hervorgänge der göttlichen Personen sind Vorgänge, die von Ewigkeit her und bis in alle Ewigkeit andauern. Es ist nicht so, daß erst der Vater war und dann der Sohn gezeugt wurde und schließlich der Heilige Geist aus beiden hervorging. Es gibt in Gott keine zeitliche Abfolge! Die göttlichen Hervorgänge hatten keinen Anfang und nehmen kein Ende, wie die Personen keinen Anfang und kein Ende nehmen. Der Sohn geht immerwährend auf dem Weg der Zeugung aus dem Vater hervor; genauso wie der Heilige Geist von Ewigkeit zu Ewigkeit vom Vater und vom Sohn gehaucht wird.
Zusammenfassend können wir also über das Geheimnis der Allerheiligsten Dreifaltigkeit festhalten: Es gibt nur einen einzigen Gott. In Gott sind jedoch drei Personen – der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Jede der drei Personen besitzt nicht nur den dritten Teil der göttlichen Natur, sondern die gesamte göttliche Natur vollständig für sich. Die drei Personen sind vollkommen identisch und wohnen ineinander. Der einzige Unterschied zwischen den einzelnen Personen besteht darin, daß sie die eine und einzige göttliche Natur auf unterschiedliche Weise besitzen. Der Vater als ursprungsloser Urgrund. Der Sohn auf die Weise der Zeugung allein vom Vater. Der Heilige Geist auf die Weise der Hauchung, sowohl vom Vater als auch vom Sohn. Ein Gott in drei Personen. Und der trinitarische Teil des Athanasischen Glaubensbekenntnisses schließt feierlich: „Wer also gerettet werden will, muß in dieser Weise an die Dreifaltigkeit glauben.“
Anbetung
Alles menschliche Reden und Erklären bleibt freilich letztlich nur unbeholfenes Gestammel. Viel besser und heilsamer, als das Geheimnis der Dreifaltigkeit mit unserem schwachen Geist durchdringen zu wollen, ist es, einfach in die Knie zu gehen und es anzubeten. Beten wir den dreifaltig-einen Gott auf dem Thron des Himmels an, mit dem Lobpreisen des „Ehre sei dem Vater“. Beten wir Ihn an in unserer Seele, wo Er durch die heiligmachende Gnade in unserem Herzen wohnt. Beten wir zusammen mit der hl. Elisabeth von der Dreifaltigkeit: „O mein Gott, Dreifaltiger, den ich anbete, hilf mir, mich ganz zu vergessen, um ganz in Dir zu ruhen, regungslos und friedlich. O Ihr meine hochheiligen Drei, mein Alles und meine Glückseligkeit, unendliche Einsamkeit und Unermeßlichkeit, in der ich mich verliere, Euch liefere ich mich aus wie eine Beute, versenkt Euch in mich, damit auch ich mich in Euch versenke, bis ich einmal in Eurem Lichte die Abgründe Eurer Größe betrachten kann.“ Amen.