Vom verschwenderischen Reichtum des Allerheiligsten Sakraments

Geliebte Gottes!

Jeder Geschäftsmann weiß: Wenn man die Preise erhöhen will, muß man das Angebot verringern. Wenn die knappe Ware von allen benötigt wird, dann zahlt der Kunde jeden Preis. Weil die Ware selten ist, wird sie hochgeschätzt, wird sie als wertvoll geachtet. Umgekehrt gilt: Was in schier unbegrenzter Menge und zu einem geringen Preis verfügbar ist, das wird nicht hochgeschätzt. Das ist billig. Deshalb das Sprichwort: „Was nichts kostet, ist nichts wert.“

Das Risiko der Großzügigkeit

Diese Gesetzmäßigkeit gilt auch für etwas, das man nicht gerne als „Ware“ bezeichnet. Es gilt auch für die Wohltaten. Werden uns in rauhen Mengen Wohltaten erwiesen – etwa von unseren Eltern, Familienangehörigen und Freunden –, so werden dieselben meist als Selbstverständlichkeiten betrachtet und wenig hochgeschätzt. So sind wir Menschen, daß man uns mit Wohltaten sparsam bedienen muß, sonst schätzen wir sie nicht mehr und verlernen das Danken und nehmen die Gaben selbstverständlich hin. Gütige Menschen müssen es scheinbar immer wieder neu lernen, daß sie sparsam im Schenken sein müssen. Wenn sie sehr gütig sind, brauchen sie lange, bis sie es endlich nach vielen schmerzlichen Erfahrungen verstehen. Der Gütigste braucht am längsten. Nur einer lernt es nie: Gott!

Die unbegreifliche Güte Gottes

Gott ist das höchste Gut, das unendliche Gut und damit der Inbegriff alles Guten. Und als solche ist Er nicht nur gütig, sondern Er ist die Güte selbst. Denn die Güte Gottes bedeutet so viel, daß Gott alle seine Geschöpfe liebt und ihnen die größten und zahlreichsten Wohltaten erweist. – Alles, was gut ist, hat das Eigentümliche, sich mitzuteilen und andere an seiner Güte teilnehmen zu lassen. Die Scholastik hat deshalb die Sentenz geprägt: „Bonum est diffusivum sui.“ – „Es ist dem Guten eigen, sich zu verströmen.“ Die Güte strebt danach, sich zu verströmen, sich den anderen mitzuteilen, sich an andere zu verschenken.

Alles Gute kommt von Gott. Ohne Gott wäre nichts. Gott erweist uns unzählbar viel, unvorstellbar große und unermeßlich wertvolle Wohltaten. Da sind die natürlichen Wohltaten: daß wir überhaupt existieren, daß wir leben, daß wir alles haben, was zum Erhalt unseres Lebens notwendig ist. Diese Mitteilungen der göttlichen Güte werden aber noch bei weitem übertroffen von Seinen übernatürlichen Wohltaten: Indem Er Mensch wurde, gab Er sich uns zum Freund, zum Bruder, ja zum Gefährten unserer Armut. In Seinem Leiden gab Er sich für uns zum Lösepreis von unseren Sünden. Durch Seine Hingabe in den Tod erwirkte Er uns das ewige Leben, das übernatürliche Leben der heiligmachenden Gnade und den ganzen übernatürlichen Organismus der Tugenden und Gaben. Eine Wohltat ragt auf ganz besondere Weise hervor, nämlich das Allerheiligste Altarsakrament! Darin schenkt Er uns nicht nur geschaffene Wohltaten, mögen diese nun der Ordnung der Natur oder selbst der Übernatur angehören. Im Allerheiligsten Sakrament schenkt uns Gott das höchste Gut, das unendliche Gut, das unerschaffene Gut. Er schenkt sich uns selbst. Er gibt sich uns zur Speise. Er selbst vereinigt sich mit uns! O unbegreifliche Güte Gottes! Was konnte Er mehr geben? – Und wie wird nun diese größte, hervorragendste Wohltat Gottes von den Menschen geschätzt?

Die verschwenderische Großzügigkeit Gottes

Hätten wir einen einzigen Altar bekommen, von dem aus die heilige Kommunion ausgeteilt würde, dann würde daraus der größte Wallfahrtsort der Welt. Wer die erforderlichen Mittel für eine Reise dorthin nicht aufbrächte, würde sich ein halbes Leben auf Wanderschaft begeben und es nicht mühsam finden, wenn er nur eines Tages ankäme an dem Ort, wo man Gott empfangen kann. – Denken wir an die Mohammedaner, die tatsächlich alle wenigstens einmal im Leben nach Mekka reisen müssen, selbst wenn sie noch so weit davon entfernt sind. Und doch haben sie nichts davon! Denn Gott vereinigt sich dort nicht mit ihnen.

Hätten wir nur ein einziges Mal im Leben die Erlaubnis, den Herrn im allerheiligsten Sakrament zu empfangen, es wären uns wahrscheinlich zehn Jahre der Vorbereitung nicht genug, und wir würden lieber noch einmal zehn Jahre warten, um es dieses eine Mal auch wirklich gut zu machen. Und wir würden uns reich fühlen, daß es diese Möglichkeit, sie mit Gott zu vereinigen, überhaupt gibt. – Doch das sind alles nur Hypothesen – „wenn“, „wenn“, „wenn“.

Die Wirklichkeit ist die: Wir müssen verglichen mit den Mohammedanern nur vergleichsweise wenige Kilometer fahren und dürfen sooft kommen, wie wir wollen. – Die Folgen sind allzu menschlich. Die einen benutzen diese Wohltat Gottes so selbstverständlich, wie sie ihr Frühstücksbrot verzehren. Die anderen benutzen es nicht mehr, weil sie es nicht mehr der Mühe wert erachten. – Darin besteht das Risiko der Wohltätigkeit. Gott nahm es auf sich um der Wenigen willen, die sich bemühen, der Gewöhnung nicht zu erliegen, sondern von Kommunion zu Kommunion zu wachsen an Verständnis und Liebe. Weil das auch möglich ist, daß die Menschen diese gewaltig große Wohltat, die ihnen in der hl. Kommunion erwiesen wird, hochschätzen, bewundern und Gott dafür preisen. Weil das auch möglich ist, darum nahm Gott das Risiko auf sich und war nicht sparsam mit Seiner Liebe.

Somit ist klar, daß wir uns angesichts dieser verschwenderischen Großzügigkeit Gottes sowohl vor jeder kalten Gleichgültigkeit als auch vor jeder routinierten Oberflächlichkeit hüten müssen. Nur wie? – Indem wir uns mit lebendigem Glauben den unbegreiflichen Reichtum, der uns in der hl. Kommunion angeboten wird, wieder bewußtmachen. Aus den vielen segensreichen Wirkungen der hl. Kommunion wollen wir heute drei herausgreifen, um daran unsere hohe Wertschätzung, unsere Dankbarkeit und unsere Ehrfurcht vor dieser unfaßbaren Wohltat Gottes zu entzünden. Diese drei Wirkungen sind:

  1. Die hl. Kommunion vereinigt uns aufs innigste mit Jesus.
  2. Die hl. Kommunion bewirkt Einheit und Eintracht unter den Menschen.
  3. Die hl. Kommunion bringt geistige Freude.

Die hl. Kommunion vereinigt uns aufs innigste mit Jesus.

Erstens: „Kommunion“ bedeutet „Vereinigung“. Der ganze Zweck der Menschwerdung Gottes und des Erlösungswerkes unseres Heilandes zielt darauf ab, daß wir mit Christus eins werden. – Diese Eingliederung in Christus wurde in der hl. Taufe grundgelegt und in der hl. Kommunion durch den wirklichen Genuß Seines hl. Fleisches und Blutes auf die denkbar innigste Weise vervollkommnet und verdichtet. „Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm.“ (Joh. 6,57).

Das allerheiligste Sakrament des Altares ist das Sakrament der Liebe. Die Liebe verlangt nach der innigsten Vereinigung mit der geliebten Person. Die Liebe macht aus zwei Herzen ein einziges. Deshalb nannten die Alten den Freund oder den Geliebten ihr „zweites Ich“. – Welch innige Vereinigung die Liebe bewirkt, das können wir am schönsten an der heiligsten Dreifaltigkeit sehen: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind zwar verschiedene Personen, aber die Liebe ist unter Ihnen so groß, daß Sie nur eine einzige göttliche Natur haben. Unter den Menschen ist eine solche Einheit ausgeschlossen. Auch kann sich der Mensch mit Gott nicht auf solche Weise vereinigen. Aber der größtmögliche Grad der Vereinigung wird durch die hl. Kommunion erreicht. Wer gut kommuniziert, der kann mit dem hl. Paulus sagen: „Ich lebe, doch nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Gal. 2,20).

Die hl. Väter machen uns sodann auf die geheimnisvolle Verwandlung der Seele aufmerksam, die sich durch die Vereinigung mit unserem göttlichen Erlöser in der hl. Kommunion vollzieht. Durch den Genuß der natürlichen Speise wird die Substanz derselben – also Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe usw. – umgewandelt in die Substanz unseres Leibes: in Muskeln, Sehnen und Knochen. Auch beim Genuß der hl. Seelenspeise vollzieht sich eine ähnliche Verwandlung, aber in umgekehrter Weise! In seinen Bekenntnissen läßt der hl. Augustinus den Heiland sagen: „Du sollst Mich genießen, aber du wirst nicht Mich verwandeln in dich wie die Speise des Leibes, sondern du wirst verwandelt werden in Mich.“ (Confess.). Und an anderer Stelle erklärt derselbe hl. Kirchenlehrer: „Wenn ihr [den Leib des Herrn] würdig empfangt, so seid ihr, was ihr empfanget.“ (serm. 227). Dasselbe bestätigt auch der hl. Papst Leo d. Gr.: „Nichts anderes bewirkt die Teilnahme am Fleische und Blute des Herrn, als daß wir in das übergehen, was wir empfangen.“ (serm. 63).

Gewiß behalten wir unsere menschliche Natur bei, aber sie wird durch die Berührung mit der göttlichen Natur Christi in der hl. Kommunion gereinigt, geheiligt, ja, gleichsam vergöttlicht. – Wenn das Eisen ins Feuer gelegt wird, so nimmt es immer mehr von der Natur des Feuers an, bis es so glühend geworden ist, daß man es vom Feuer nicht mehr unterscheiden kann. Es behält die Natur des Eisens, doch hat es vom Feuer so viel angenommen, daß es diesem ganz ähnlich wird, im Sein wie auch in seinen Wirkungen. Das glühende Eisen leuchtet wie das Feuer, es wird heiß wie das Feuer, es vermag, andere Dinge zu entflammen wie das Feuer. So werden auch wir durch die hl. Kommunion, wenn wir in dieses Feuer der göttlichen Liebe hineingetaucht werden und dabei den läuternden und heiligenden Einfluß Seiner Gnade in uns aufzunehmen vermögen, Christus ähnlich. Einmal im Sein: Denn wir nehmen Teil an Seiner göttlichen Natur durch die Gnade (vgl. 2. Petr. 1,4). Und in der Folge auch in unserer äußeren Handlungsweise, in all unserem Denken und Reden und Tun und Lassen.

Ist aber die durch die hl. Kommunion erzielte Vereinigung mit Christus bei allen gleich? – Nein, das ist nicht der Fall. Denn ein philosophischer Grundsatz lautet: „Quidquid recipitur, ad modum recipientis recipitur.“ Zu Deutsch: „Was man in sich aufnimmt, richtet sich nach der Verfassung des Empfängers.“ So auch hier. Die heiligende und vereinigende Wirkung der hl. Kommunion hängt ab von der Herzensverfassung des Kommunikanten. Je stärker die Liebe, je größer die Sehnsucht, je vollkommener die Tugendübung, desto fester und inniger und tiefer ist die Vereinigung; wie sich auch zwei Wachskügelchen umso inniger verbinden, je flüssiger sie sind.

Die hl. Kommunion bewirkt Einheit und Eintracht unter den Menschen.

Aus der Vereinigung mit Christus folgt eine zweite segensreiche Wohltat, welche die hl. Kommunion bewirkt. – Wenn zwei verschiedene Dinge einem dritten gleich sind, dann sind sie auch unter sich gleich. – Durch den Genuß des hl. Leibes und Blutes Christi wird jeder Getaufte mit Jesus Christus vereinigt, in Christus umgewandelt, Christus verähnlicht. Daher sind alle, welche an der hl. Kommunion teilnehmen, auch untereinander gleich. D. h., es besteht nicht bloß zwischen den einzelnen Menschen und dem göttlichen Heiland das Band innigster Verbundenheit, sondern auch die kommunizierenden Menschen untereinander, die Familien, die Gemeinschaften werden vereint und verbunden in Jesus Christus. Ja, man kann sogar sagen: Die Staaten, die Nationen, die Völker, die ganze Menschheit würden in der schönsten Einheit und Eintracht leben, wenn sie durch den Empfang des allerheiligsten Sakraments vereint wären in Christus.

Der heilige Liebesbund zwischen Christus und der Menschenseele erweitert sich durch die hl. Kommunion zu einem Liebesbund der Gläubigen untereinander. Die vielen mit Christus verbundenen Glieder bilden zusammen einen mystischen Leib, wie der Völkerapostel im 1. Korintherbrief lehrt: „Ein Brot, ein Leib sind wir viele; wir alle, die wir an dem einen Brote teilnehmen.“ (1. Kor. 10,17).

Die hl. Väter und Kirchenlehrer leiten diese Wirkung der hl. Kommunion auch aus den Gestalten her, die der Heiland für das Sakrament seiner Liebe gewählt hat. Der hl. Johannes Chrysostomus sagt: „Gleichwie das Brot, das aus vielen Körnern besteht, eins ist, so daß die Körner nirgends mehr erscheinen, obwohl sie zwar da sind, aber nicht mehr für sich selbst sichtbar wegen der innigsten Verbindung, in die sie getreten sind, so werden auch wir mit Christus und untereinander eins. Nicht wirst du von einem Leib genährt und jener von einem anderen, sondern alle von ein und demselben.“ (hom. 24 in 1. Kor.). Gleiches lehrt auch der hl. Thomas von Aquin: Die Eucharistie wird uns unter den Gestalten von Brot und Wein gereicht, damit wir, wie das Brot aus vielen Körnern und der Wein aus vielen Beeren besteht, durch den Empfang dieses Sakramentes zu einer Einheit und zu inniger Eintracht miteinander verbunden werden. Wenn wir nämlich alle von ein und demselben Leibe Christi genährt werden, so müssen wir auch alle von demselben Geist Jesu Christi beseelt sein, vom Geist der Liebe, der alles eint.

Hier finden wir nun einen entscheidenden Punkt, der unseren Fortschritt in der Vereinigung mit Jesus und unsere zunehmende Umwandlung in Christus durch die hl. Kommunion erheblich zu beeinträchtigen, ja zu hemmen vermag. Der hl. Augustinus sagt nämlich: „Wer somit das Geheimnis der Einheit empfängt und nicht in Eintracht und Frieden lebt, der empfängt das Geheimnis nicht zu seinem Heile, sondern als Zeugnis gegen sich.“ (serm. 272). Und der hl. Chrysostomus fügt hinzu: „Sie mögen Tausende von Wundern tun, wenn sie nicht untereinander eins sind, so werden sie den anderen zum Gespött dienen.“ (hom. 33 in 1. Kor.). Wie groß muß also die Liebe und Eintracht zwischen denjenigen sein, die an diesem Geheimnis teilnehmen; besonders unter denjenigen, die oft, die regelmäßig, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit die hl. Kommunion empfangen. – Wenn die Kirche also den häufigen Kommunionempfang empfiehlt und wünscht, dann wünscht sie auch die beständige Arbeit an den zum fruchtbaren Empfange derselben notwendigen Voraussetzungen, der Liebe und Eintracht unter denjenigen, die an der Kommunionbank niederknien. So liest man im „Römischen Katechismus“: Das Sakrament des Altares „verbindet uns mit Christus und macht uns Seines Fleisches und Seiner Gottheit teilhaftig, vereint und verbindet uns untereinander in eben demselben Christus und fügt uns gleichsam zu einem Leibe zusammen. Daher kam es, daß man es das Sakrament des Friedens und der Liebe nannte, damit wir erkennen, wie unwürdig jene des christlichen Namens seien, welche Feindschaften hegen; und daß Haß, Zwistigkeiten und Entzweiungen als die schwärzeste Pest der Gläubigen durchaus zu verbannen seien, zumal, da wir durch das tägliche Opfer unserer Religion bekennen, daß wir nichts ernstlicher bewahren wollen als den Frieden und die Liebe.“ (Cat. Rom., II, 4).

Die hl. Kommunion bringt geistige Freude.

Wenn also die hl. Kommunion den Einzelnen mit Christus und die in Eintracht verbundenen Christen untereinander in heiliger Freundschaft und Liebe vereint, dann beinhaltet dieses Sakrament eine ganz besondere Süßigkeit und ein ganz besonderes Glück. Deshalb singt der Psalmist zurecht: „Brot vom Himmel hast Du ihnen gegeben, welches alle Süßigkeit in sich enthält.“ Im allerheiligsten Altarsakrament ist die Quelle der wahren Freude. An dieser Quelle muß das nach Freude dürstende Menschenherz schöpfen, um die dritte Wohltat Gottes in der hl. Kommunion zu genießen – die geistige Freude.

Die hl. Kommunion bewirkt Freude in unseren Herzen, weil sie ein Heilmittel gegen die Sünde ist. Die Sünde ist ein Mangel an Liebe. Ein Mangel an Liebe gegen Gott; ein Mangel an Liebe gegen den Nächsten; ein Mangel an Liebe gegen sich selbst. Denn wer das Böse liebt, der haßt den Nächsten, und wer die Sünde liebt, der haßt seine eigene Seele. – Schon die läßliche Sünde ist ein großes Übel! Auch wenn sie das Gnadenleben nicht sofort tötet, so wird die Seele durch sie doch verwundet. – Durch die hl. Kommunion werden läßliche Sünden nachgelassen, unter der Voraussetzung, daß wir sie bereuen. Der hl. Ambrosius schreibt: „Wer verwundet ist, braucht eine Medizin. Die Wunde besteht darin, daß man gesündigt hat, die Medizin ist das himmlische und ehrwürdige Sakrament.“ (de sacr.). Das Konzil von Trient bezeichnet die hl. Kommunion deshalb als ein „antidotum“, d. h. als ein „Gegengift“ gegen die täglichen Fehler. (Sess. 13, c. 2) Und der „Römische Katechismus“ führt dazu aus: „Daß durch die Eucharistie die leichten Sünden, die man läßlich zu nennen pflegt, vergeben werden, daran soll man nicht zweifeln. Alles, was die Seele durch die fleischliche Begierde verloren hat, da sie in unwichtigen Dingen strauchelte, wird durch die Eucharistie wiedererstattet, indem sie die Schuld der geringeren Sünden wegnimmt, gleichwie die natürliche Speise die körperliche Wärme erneuert und ersetzt, die täglich dem Körper entzogen wird und verloren geht.“ Es ist also verkehrt, wenn man zwar läßliche, aber doch keine Todsünde auf dem Gewissen hat, und doch leichtfertig von der hl. Kommunion fernbleibt. Es ist als wollte ein Verwundeter auf die medizinische Versorgung verzichten in der Meinung, nein, diese Wunde müsse schon von selber heilen. – Nur wer bestimmt weiß, daß er eine schwere Sünde auf dem Gewissen hat, muß vorher beichten. Nichtsdestotrotz muß auch die läßliche Sünde bereut sein, wenn sie durch die hl. Kommunion nachgelassen werden soll. Denn es bleibt stets der eherne Grundsatz bestehen: „Ohne Reue kein Sündennachlaß!“ Deswegen macht auch der „Römische Katechismus“ die einschränkende Bemerkung: „Das Gesagte [über den Nachlaß läßlicher Sünden durch die hl. Kommunion] ist natürlich nur von jenen Sünden zu verstehen, für welche das Gemüt keine freiwillige Anhänglichkeit empfindet.“ Wenn wir aber durch die hinreichende Reue unsere Sünden bedauern und uns ernstlich darin bessern wollen, dann vermag die hl. Kommunion den von uns verschuldeten Mangel an Liebe zu ersetzen. So vermag sie, die Bitterkeit der Sünde und das drückende Bewußtsein der Sündenschuld von uns zu nehmen. Das ist eine große Freude!

Eine noch größere Süßigkeit bewirkt die hl. Kommunion, indem sie uns als eine geistige Speise mehr und mehr von allem Irdischen losschält. Unter ihrem Einfluß werden unsere Wünsche in die rechte Ordnung gebracht, alle überflüssigen Sorgen beseitigt, jede Angst und jede Furcht, selbst die des Todes, gebannt. – Der Grad der Losschälung von den Geschöpfen steigert die Freude am Geistigen und die Sehnsucht nach Gott. Das sehen wir insbesondere an den großen eucharistischen Heiligen wie dem hl. Thomas von Aquin, dem hl. Benedikt Josef Labre oder dem hl. Pfarrer von Ars. Je mehr sie von den irdischen Dingen losgelöst waren, umso inniger erglühte ihr Verlangen nach dem heiligsten Sakrament. Und je mehr sie in übernatürlicher Gottesliebe entbrannten und von Ihm angezogen wurden, desto mehr sahen sie sich dazu angetrieben, sich noch vollständiger von allem Irdischen loszulösen. Die Seelen werden von Gott umso mehr angezogen, je mehr sie sich Ihm nähern. Auf solche Weise vollzog sich im Leben der Heiligen der Fortschritt der Liebe während ihrer letzten Lebensjahre viel schneller als während der ersten. Es gab in ihnen eine wunderbare Beschleunigung der Gottesliebe, eine Beschleunigung, von welcher der freie Fall der Körper ein entferntes Bild ist. Alles Irdische hinter sich lassend stürzt sich die Seele mit gesteigerter Hingabe und zunehmender Freude ganz in die Arme des Geliebten.

Schließlich verleiht die hl. Kommunion nach der Heilung von läßlichen Sünden und der Loslösung von allem Irdischen das Glück der Geborgenheit in Gott. Die Eucharistie ist das Sakrament der Liebe. Liebe aber ist mit Freude und Süßigkeit verbunden. Der sel. P. Pierre-Julien Eymard (1811–1868) schreibt dazu: „Die demütige und gesammelte Seele empfindet in ihrem Innern ein gewisses freudiges Beben, hervorgerufen durch die Gegenwart Jesu Christi; sie fühlt, wie das Herz sich erweitert unter dem Einfluß dieser Liebessonne; sie verspürt ein gewisses Wohlbehagen, eine Schaffensfreudigkeit, eine Lieblichkeit, einen Trieb nach der Vereinigung mit Gott, nach der völligen Hingabe an Gott, der nicht von ihr selbst kommt. Sie fühlt Jesus in ihrem ganzen Sein, sie kommt sich vor wie ein Paradies, das von Gott bewohnt ist; und sie möchte zu seinem Hofstaat gehören und einstimmen in den Lobgesang, in die Danksagung, in die Lobpreisung der Engel und Heiligen vor Gott im Himmel. Glücklich der Augenblick der Kommunion, der uns die Verbannung und alles Elend vergessen läßt! O süße Ruhe der Seele am Herzen Jesu Christi! Dieser gute Herr wußte wohl, daß wir von Zeit zu Zeit die Süßigkeit der Liebe verkosten müssen. Man kann nicht immer auf dem Kalvarienberg sein und auch nicht immer in der Mitte des Kampfgewühles sich aufhalten. Das Kind muß ausruhen im Schoße der Mutter und so der Christ am Herzen seines Erlösers.“

Gewiß ist diese geistige Freude nicht immer fühlbar. Das kann herrühren von der Anlage unseres Temperaments; oder von ermüdender Arbeit; oder von vielen heftigen Versuchungen, die müde und abgespannt machen; oder von großen Sorgen; oder auch von zu wenig Sammlung und innerer Andacht; oder von zu großer Anhänglichkeit an die Geschöpfe, welche uns der geistigen Süßigkeit berauben.

Die Fruchtbarkeit der hl. Kommunion

Das Wesen der geistigen Freude besteht im Übrigen aber nicht darin, daß man sie immer fühlen muß, sondern sie zeigt sich vielmehr in dem freudigen Eifer für Christus; in der Ergebenheit in den Willen Gottes; in ausdauernder Selbstüberwindung und Opferbereitschaft; in der begeisterten Erfüllung selbst der schwersten Berufs- und Standespflichten; in einem gewissen freudigen Ertragen aller Schmerzen und Leiden. Kurz: Eine wirklich gute hl. Kommunion zeigt sich hauptsächlich in ihren fruchtbaren Wirkungen in der Praxis, wenn man wirklich besser wird; weniger aber in süßen Anmutungen und Gefühlsergüssen.

Wenn Gott uns so verschwenderisch in der hl. Kommunion mit Seinen vorzüglichsten Gütern überhäuft, dann müssen auch wir umso großmütiger und großzügiger in unseren Werken der Liebe sein. Wenn wir wirklich von der Güte Gottes erfüllte Menschen geworden sind, muß sich das insofern zeigen, daß auch wir anfangen, uns zu verströmen, uns den anderen nach Kräften durch gute Werke mitzuteilen.

Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum, wenn man, nachdem Gott so verschwenderisch an uns Seine größten Wohltaten ausgeteilt hat, glaubt, das Empfangene nur für sich verkosten zu dürfen. Das hieße, unfruchtbar zu bleiben. Das hieße, das Talent zu vergraben, statt damit Wucher zu treiben und Gewinn zu erzielen. Und selbst wenn wir von unseren Mitmenschen lieblos behandelt werden, dürfen wir nicht, in der eingangs dargestellten Krämermentalität, unsere Liebeswerke verknappen, damit sie wieder höher geschätzt werden. Nein, wir wollen – erfüllt von den Gnaden der hl. Kommunion – mit dem hl. Ignatius von Loyola um die Gnade einer verschwenderischen Großmut und um die Quelle der christlichen Freude beten: „Ewiges Wort, eingeborener Sohn Gottes: Lehre mich die wahre Großmut. Lehre mich: Dir dienen, wie du es verdienst; geben, ohne zu zählen; kämpfen, ohne meiner Wunden zu achten; arbeiten, ohne Ruhe zu suchen; mich einsetzen, ohne einen anderen Lohn zu erwarten als das Bewußtsein, Deinen heiligen Willen erfüllt zu haben.“ Amen.

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