Von den Eigenschaften des Glaubens – Die Festigkeit des Glaubens

Geliebte Gottes!

Wir haben zuletzt gesehen, daß der übernatürliche Glaube zur Erlangung der ewigen Seligkeit absolut notwendig ist. Es genügt nicht, einfach nur an Gott zu glauben. Wir müssen Gott Selbst glauben. Wir müssen glauben, was Gott uns geoffenbart hat. Und wir müssen vor allem glauben, weil Gott es so gesagt hat und uns heute durch Seine Kirche so lehrt. Nur ein solch übernatürlicher Glaube vermag eine erste Verbindung mit Gott herzustellen, durch die wir befähigt werden, in der Folge alle für unser ewiges Heil notwendigen Gnaden empfangen zu können.

So notwendig nun der übernatürliche Glaube ist, so muß er doch, um in uns der Same des ewigen Lebens zu werden, auch noch bestimmte Eigenschaften haben. Wie muß unser Glaube beschaffen sein? Antwort: Unser Glaube muß 1. fest, 2. vollständig, 3. standhaft und 4. lebendig sein. – Heute wollen wir uns nur mit der ersten Eigenschaft befassen: mit der Festigkeit des Glaubens.

Die Forderung eines festen Glaubens

Unser Glaube muß zuallererst fest sein. Das geht deutlich aus den Worten des Athanasischen Glaubensbekenntnisses hervor, welche die Kirche in ehrerbietiger Hochschätzung in ihren liturgischen Gottesdienst aufgenommen hat. Nach der ausführlichen Darlegung des katholischen Bekenntnisses heißt es dort ganz am Ende: „Das ist der katholische Glaube. Wer diesen nicht treu und fest annimmt, kann nicht selig werden.“ (DS 164). Der heilsnotwendige Glaube muß absolut fest sein. Jeder freiwillige Zweifel und jede freiwillige Furcht, zu irren, sind ausgeschlossen.

Gott verlangt eine unerschütterliche Zustimmung zu Seiner Offenbarung. Eine Zustimmung, die ebenso fest ist wie das sicherste Wissen. Eine solche Glaubensfestigkeit verlangte schon der hl. Petrus am Pfingsttag, als er zu dem herbeigeströmten Volk von Jerusalem sprach: „Das ganze Haus Israel erkenne mit Sicherheit: Eben diesen Christus, den ihr ans Kreuz geschlagen habt, hat Gott zum Herrn und Messias gemacht.“ (Apg. 2,36). Im Römerbrief stellt der hl. Apostel Paulus die Festigkeit des Glaubens Abrahams für alle kommenden Generationen als Vorbild hin: „Abraham war stark im Glauben … vollkommen überzeugt, daß Gott Seine Verheißung auch zu erfüllen vermag.“ (Röm. 4,20 f.). Auch der Lieblingsjünger weist uns in seinem ersten Brief darauf hin, daß der Autorität Gottes vor jeder menschlichen Autorität stets der Vorzug zu geben ist: „Wir nehmen das Zeugnis der Menschen an – Gottes Zeugnis steht höher.“ (1. Joh. 5,9).

Ja, nicht nur die menschliche Glaubwürdigkeit muß vor der göttlichen zurücktreten. Der Völkerapostel verlangt, daß unser auf Gottes Offenbarung gründender Glaube von solcher Festigkeit ist, daß er sich selbst vor der Autorität der Engel behaupten können muß: „Selbst wenn ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündigte, als wir euch verkündigt haben: Der sei verflucht!“ (Gal. 1,8).

Als der Heiland den Juden ankündigte, daß Er ihnen im allerheiligsten Altarsakrament Sein hochheiliges Fleisch und Sein kostbares Blut zur Speise und zum Trank reichen werde, da wandten sich viele Seiner Jünger von Ihm ab und sagten: „Diese Rede ist hart, wer kann sie hören.“ (Joh. 6,60). Als Jesus daraufhin die Frage stellte, ob auch die Apostel Ihm den Glauben verweigern wollten, da bekannte der hl. Petrus mit fester Überzeugung: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des Lebens. Wir glauben und wissen, daß Du der Sohn Gottes bist.“ (Joh. 6,69). – Auf die Autorität des Sohnes Gottes hin müssen auch undurchdringliche Geheimnisse und für unsere Ohren unliebsam klingende Wahrheiten – eben solche „harten Reden“ – ohne jeden Zweifel angenommen werden. Gottes Wort muß fester geglaubt werden als das Zeugnis der Engel, fester noch als die Worte der Menschen. Wir müssen die harten, unbequemen Wahrheiten mit derselben Festigkeit umfangen wie die schönen und beseligenden.

Ja, und schließlich müssen wir das Wort Gottes sogar fester glauben als das, was uns das sicherste Wissen überhaupt zu sein scheint. Wir müssen Gottes Wort fester und unbezweifelter für wahr halten als das Zeugnis unserer eigenen Sinne; fester als das, was uns unsere Augen, unsere Ohren oder unser Tastsinn sagen! In seinem zweiten Brief verweist der hl. Apostel Petrus darauf, wie er damals auf dem Tabor mit seinen eignen Augen die verklärte Menschheit Jesu gesehen und mit seinen Ohren die Stimme des himmlischen Vaters gehört hat. Wir waren „Augenzeugen Seiner Herrlichkeit. … An Ihn erging der Ruf: ‚Dieser ist Mein geliebter Sohn’ … Diesen Ruf haben wir deutlich vom Himmel her vernommen.“ Aber obwohl dem hl. Petrus die Gottheit Christi von seinen eigenen Augen und Ohren bezeugt wurde, fügt er hinzu: „Das Wort der Propheten ist noch zuverlässiger.“ (2. Petr. 1,16–19). Das Zeugnis Gottes ist verläßlicher als das unserer Sinne! – Wenn Jesus bei der hl. Messe durch die Lippen des Priesters die Worte spricht: „Das ist Mein Leib“, was bezeugen uns dabei unsere Sinne? Unsere Sinne sagen uns: „Das ist Brot.“ Der Glaube hingegen gebietet uns, mit noch größerer Festigkeit für wahr zu halten, was der Sohn Gottes gesagt hat, mehr als das, was wir mit eigenen Augen sehen und was wir mit dem Gaumen schmecken.

Die Notwendigkeit der Glaubensfestigkeit

Das Erfordernis der Festigkeit unseres Glaubens findet sich darin begründet, daß der Glaubensakt, wie wir schon öfters gesagt haben, seinem Wesen nach eine Zustimmung zu einer von Gott geoffenbarten Wahrheit ist, wegen der Autorität Gottes! D. h. weil Gott mit Seinem unfehlbaren Wissen und Seiner unendlichen Wahrhaftigkeit und Heiligkeit dafür bürgt. – Die Festigkeit unserer Zustimmung muß daher dem Wissen, der Wahrhaftigkeit und der Heiligkeit Gottes irgendwie entsprechen. Nun sind aber die genannten Eigenschaften Gottes unendlich, also über alle Maßen groß. Folglich muß auch die Festigkeit unserer Glaubenszustimmung dementsprechend über alle Maßen groß sein. Kurz: Sie muß absolut fest sein.

Jeder geringere Grad an Festigkeit wäre eine Geringschätzung Gottes! Die Wahrheit eines Satzes, den Gott sicher geoffenbart hat, freiwillig zu bezweifeln oder einen Zweifel freiwillig in sich zu unterhalten, hieße, Gott die Ihm gebührende Unterwerfung vorzuenthalten; wäre eine Beleidigung Gottes, weil damit Gottes Wissen und Wahrhaftigkeit in Zweifel gezogen würden. – Gott ist Licht und Wahrheit. Die Leuchte Gottes ist aber unendlichmal größer als die Leuchte unseres Verstandes. Mit Recht sagt daher der hl. Thomas von Aquin: „Was die Festigkeit der Zustimmung betrifft, so ist der Glaube gewisser als alle Einsicht und alles Wissen; denn [Gott,] die erste Wahrheit, welche die Zustimmung des Glaubens bewirkt, ist ein stärkerer Glaubwürdigkeitsgrund als das Licht der Vernunft, das die Zustimmung der Einsicht oder des Wissens bewirkt.“ (De verit. q. 14, a. 1, ad 7).

Und der hl. Ignatius von Loyola führt diese Wahrheit in seinem Exerzitien-Büchlein noch weiter. Was für Gott gilt, das gilt auch für die Lehre der Kirche. Weil uns ja Gott durch das Lehramt der Kirche in der göttlichen Wahrheit unterrichtet, so müssen wir auch der Lehrvorlage des Papstes und der mit ihm vereinten Bischöfe mehr glauben als dem Zeugnis der Menschen, mehr als dem Zeugnis der Engel, mehr als dem Zeugnis unserer Augen und Ohren und mehr als der Einsicht unserer Vernunft. Wörtlich lautet die 13. Regel über die „wahre kirchliche Gesinnung“: „Wir müssen, um in allem das Rechte zu treffen, immer festhalten: ‚Ich glaube, daß das Weiße, das ich sehe, schwarz ist, wenn die hierarchische Kirche es so definiert.’ Denn wir glauben, daß zwischen Christus, unserem Herrn, dem Bräutigam, und der Braut, der Kirche, der gleiche [Heilige] Geist waltet, der uns zum Heil unserer Seelen leitet und lenkt, weil durch denselben Geist unseres Herrn, welcher die Zehn Gebote erließ, auch unsere heilige Mutter, die Kirche, gelenkt und regiert wird.“

Manche wenden hier ein: „Welche Kirche ist das? Es gibt ja viele Kirchen. Sie alle nennen sich ‚christlich’, doch lehren alle etwas anderes zu glauben.“ – Wir antworten: „Nur diejenige, die ihr Alter, ihren Ursprung, ihre Geschichte zurückführen kann bis auf den Gottessohn Jesus Christus und die Apostel, ist die wahre hierarchische Kirche.“ Das kann aber nur die katholische Kirche. Alle anderen Gemeinschaften, mögen sie Namen haben, wie sie wollen, sind später entstanden. Man könnte sagen, ihr Geburtsdatum ist jünger als das Geburtsdatum der katholischen Kirche. – Im Adel war es üblich, daß der erstgeborene Sohn das gesamte Erbe erhält. Wenn nun in einer solchen Familie zwischen den einzelnen Söhnen ein Streit entstünde, wer von ihnen der rechtmäßige Erbe sei, so würde zweifellos das Geburtsdatum des Erstgeborenen dem ganzen Streit ein Ende machen. – Viele sind mit diesem Beweis aber noch nicht zufriedengestellt und sagen: „Freilich ist die katholische Kirche älter als alle anderen. Sie hat auch ursprünglich die wahre Lehre besessen und gelehrt. Aber im Laufe der Zeit ist sie mehr und mehr von der Wahrheit abgewichen, und da sind jüngere Kirchen entstanden, welche die Lehre Christi in ihrer ursprünglichen Reinheit und Frische wiederhergestellt haben.“ – Dieser Einwand ist völlig unhaltbar, denn der Heiland hat nicht bloß eine Kirche gestiftet, sondern dieser Kirche ewige Dauer verheißen: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“ (Mt. 16,18). Mehr noch, Er hat dem Papst und den mit ihm vereinten Bischöfen Seinen fortwährenden Beistand verheißen: „Ich werde bei euch sein bis an das Ende der Welt.“ (Mt. 28,20). Noch mehr: Er hat ihr den Beistand des Heiligen Geistes versprochen: „Derselbe wird bei euch bleiben in Ewigkeit.“ (Joh. 14,16). Wie soll es da möglich sein, daß eine solche Kirche vom wahren Glauben abweiche, mit ihrer Tradition brechen und dieselbe exkommunizieren könne, den wahren Glauben verliere oder längst verloren haben soll? Unmöglich kann das sein! Wer das sagen wollte – sei er nun Protestant oder Lefebvrist –, der muß auch sagen, daß der Heiland entweder sich geirrt oder daß Er Sein Wort nicht gehalten hat. Wer aber das behauptet, der muß noch weitergehen und sagen, Christus sei nicht wahrer Gott gewesen. Und wer das sagt, der kann auch den letzten Schritt tun und sagen, die ganze christliche Religion sei eine Täuschung. Wenn die katholische Kirche die Wahrheit nicht hat, dann ist sie auch außerhalb von ihr weder zu suchen noch zu finden.

Es bleibt also dabei, daß der Glaube, und zwar der von Gott geoffenbarte und durch den Gottmenschen Jesus Christus gelehrte wahre Glaube, der zur ewigen Seligkeit notwendig ist, einzig und allein in der katholischen Kirche zu finden ist. Das müssen wir mit unerschütterlicher Festigkeit glauben, weil Gott, die erste Wahrheit, auf dessen unendlicher Wahrhaftigkeit und Heiligkeit unser Glaube gründet, es so gesagt hat. Wir müssen mit überaus großer Festigkeit für wahr halten, was das Lehramt der katholischen Kirche uns glauben und zu tun vorschreibt. Nur wenn wir das tun, dann glauben wir auch Gott aus voller Überzeugung.

Die Ungleichheit des Glaubens

Der Glaubensakt muß also bei allen Katholiken insofern gleich sein, als die Zustimmung mit einer „über alles großen Festigkeit“ erfolgen muß. Diese Festigkeit ist eine wesentliche Eigenschaft eines jeden übernatürlichen Glaubensaktes. Hinsichtlich dieser „über alles großen Festigkeit“ kann es unter den verschiedenen Katholiken keine Unterschiede geben, kein größer oder kleiner, kein Zunehmen oder Abnehmen.

In einer anderen, mehr unwesentlichen Hinsicht kann die Stärke des Glaubens jedoch sehr wohl in dem einen größer und in dem anderen kleiner sein; kann zunehmen und u. U. auch abnehmen. Deshalb beten wir ja beispielsweise das erste Ave des Rosenkranzes mit dem Zusatz „der den Glauben in uns vermehre“.

a) hinsichtlich des Glaubensgefühls

Verschieden groß kann etwa die Intensität des Glaubensgefühls sein, von welchem der Glaubensakt begleitet ist. Der Akt der Glaubenszustimmung selbst wird vom Verstand vollzogen und zuvor vom Willen befohlen. Das sind rein geistige Akte, die mit „über alles großer Festigkeit“ erfolgen müssen, wenn wirklich ein Akt übernatürlichen Glaubens vorliegen soll. Gefühle und Empfindungen sind hierbei nicht beteiligt! Sie brauchen und können gar nicht in derselben Stärke mitschwingen. Das sei besonders jenen gesagt, die in Glaubensangelegenheiten vielleicht nicht viel empfinden, die nicht von innerer Ergriffenheit oder anderen tiefen Gemütsbewegungen erfaßt werden und deshalb fälschlich meinen könnten, ihr Glaube sei nicht fest genug. In der Regel wird zwar auch ein Gefühl in irgendeinem Grad vorhanden sein. Je größer er ist, umso größer ist – in dieser unwesentlichen Hinsicht – auch die empfundene Glaubensfestigkeit. Das Wesentliche, worauf es ankommt, ist aber die geistige Haltung der Autorität Gottes gegenüber. Der gefühlsmäßige Mitvollzug ist gewiß angemessen und wünschenswert, aber nicht von Gott verlangt. Ja, es kann sogar vorkommen, daß die niederen Empfindungen sogar gegen den geistigen Glaubensakt ankämpfen, ohne ihn aber aufzuheben. Dann liegt trotzdem ein wahrer, verdienstlicher Glaube vor.

So war es beispielsweise beim hl. Petrus, als er auf die Einladung des Heilandes hin über das Wasser wandelte (vgl. Mt. 14,28 ff.). Im ersten Augenblick war der Apostel von einem großen Gefühl der Glaubensbegeisterung ergriffen: „Herr, wenn Du es bist, so heiße mich zu Dir kommen über das Wasser hinweg.“ Nachdem er sich aber vom Schifflein entfernt hatte und ein heftiger Sturm ihn umtoste, da stellte ihm seine lebhafte Phantasie auf einmal die Gefahr des Untergehens vor Augen. In ihm stieg das Gefühl der Furcht empor und er begann zu sinken. Die Intensität des Glaubensgefühls war gesunken, vielleicht sogar ganz verloren gegangen, während jedoch der geistige Glaube und das geistige Vertrauen trotzdem noch immer vorhanden waren, weshalb der hl. Petrus ja gläubig den Meister um Hilfe anrief: „Herr, rette mich!“ Der darauffolgende Vorwurf Jesu: „Du Kleingläubiger! Warum hast du gezweifelt?“ bezieht sich also einzig auf den gefühlsmäßigen Glauben, dessen Intensität geringer geworden war, aber den geistigen Glauben nicht aufhob. – Wir dürfen uns also nicht von unseren Gefühlen irritieren lassen. Wenn wir nichts spüren oder vielleicht sogar dem Glauben widerstreitende Gefühle in uns wahrnehmen, so mangelt es unserem Glauben nicht an seiner wesentlichen Festigkeit, die in der Zustimmung des Willens besteht.

b) hinsichtlich des Einflusses auf das praktische Leben

Eine andere, viel bedeutendere Verschiedenheit kann die Stärke des Glaubens auch insofern aufweisen, als er auf das praktische und sittliche Leben des einzelnen Gläubigen mehr oder weniger Einfluß nimmt. – Der eine Katholik läßt sich in den meisten Urteilen und Handlungen von übernatürlichen Glaubensmotiven leiten. Er fragt sich: „Welches Verhalten gereicht Gott zur größeren Ehre? Was muß ich tun, um nicht zu sündigen? Welches Verhalten ist das Vollkommenere?“ Ein solcher Katholik wendet die Maßstäbe des Glaubens tatsächlich auf die Situationen seines Lebens – hier und jetzt – an. Ein anderer Katholik hingegen, der außerhalb des Gebetes selten an Gott denkt, wird sein Leben meist nur nach rein natürlichen Maßstäben der Klugheit und Gerechtigkeit bestreiten. – Der eine wandelt ständig in der Gegenwart Gottes, während so viele andere gläubige Katholiken untertags nur selten an Gott denken. Jener „lebt aus dem Glauben“ (Heb. 10,38). Diese haben nur ein mattes Glaubensleben, sind aber immerhin gläubig. Wer viel betet und betrachtet, wird auch sein Alltagsleben vom Glauben durchdringen und tragen lassen, was für die Erlangung des ewigen Heiles von größter Bedeutung ist, da er für die Versuchung besser gewappnet sein und sich leichter dem Glauben entsprechend verhalten wird. Hingegen wird ein gläubiger Katholik, dessen Glaube mehr in der Theorie als in fleischgewordener Praxis besteht, in größerer Gefahr schweben, subtile Versuchungen oder sehr heftige Anfechtungen nicht gut zu überstehen.

c) hinsichtlich der Verwurzelung in der Seele

Meist hat die soeben beschriebene Verschiedenheit der Glaubensfestigkeit ihren Grund in einer mehr oder weniger tiefen Verwurzelung in der Seele.

Im Verstand ist der Glaube dann fester eingewurzelt, wenn er durch die Vertiefung des Glaubenswissens die einzelnen Wahrheiten besser durchschaut hat; wenn er weiß, was mit den einzelnen Lehrsätzen genau ausgesagt und gemeint ist; wenn er sie durch die Lehre der Kirche, die Worte der Heiligen Schrift und der Väter begründet weiß und in die einzelnen Glaubenswahrheiten tiefer eingedrungen ist. Der Glaube ist in den Verstand eines eifrigen Theologen tiefer eingewurzelt und fester begründet als in dem Verstand eines nachlässigen Katechismusschülers.

Im Willen ist der Glaube dann fest eingewurzelt, wenn der Wille stärker am Glauben hängt und andererseits möglichst frei ist von Anhänglichkeiten, die dem Glauben entgegenstehen. Wenn also der Wille losgeschält ist vom Stolz, vom Ehrgeiz, von der Versunkenheit ins Irdische, von der Fleischeslust, von der Eigenliebe usw. Diese hinderlichen Anhänglichkeiten des Willens sind bei den Menschen verschieden stark ausgeprägt. Der Wille eines Katholiken, der ein abgetötetes Leben führt, wird tiefer im Glauben verankert sein als der eines Katholiken, der sich kaum darum kümmert, diese Anhänglichkeiten zu überwinden. Denn der eine ist so losgelöst von den Gütern dieser Welt, daß er alles bereit ist, aufzugeben und zu opfern, wenn es der Glaube erfordert, während der andere, um die ihm besonders lieben geschaffenen Güter nicht aufgeben zu müssen, eher bereit ist, den Glauben zu verleugnen. Von dieser Verschiedenheit der Verwurzelung des Glaubens im Willen, die ungezählte Grade aufweist, kommt es, daß bei gleichen Gefahren gegen den Glauben von außen her der eine schneller versagt, während der andere standhaft bleibt, selbst bis zum Martyrium. Es leuchtet ein, daß die geschilderte Verankerung des Glaubens im Willen von der allergrößten Bedeutung ist! Mit dem Verstand viel über den Glauben zu wissen, ist gewiß wünschenswert. Sie befruchtet das „Leben aus dem Glauben“ und bewahrt vor Irrtümern. Aber die Standhaftigkeit in der Versuchung und die beharrliche Festigkeit bis zur Bedrohung des eigenen Lebens hängt vor allem von der Verwurzelung des Glaubens im Willen ab! Nicht derjenige, der am meisten über den Glauben weiß, ist am besten für das Martyrium gerüstet, sondern wessen Wille, vom Einfluß der Leidenschaften frei und von Anhänglichkeiten an das Irdische losgelöst, am festesten im Glauben verwurzelt ist. Viele Gelehrte sind mangels letzterer Verwurzelung im Ernstfall der Glaubensverfolgung umgefallen, während ganz einfältige Männer, Frauen, Jugendliche, ja sogar Kinder, mit unerschütterlichem Glauben die Qualen des Martyriums tapfer ertragen haben.

Nach dem Gesagten ist auch ein weiteres einleuchtend: Die Sünden gegen den Glauben können eine doppelte Quelle haben: Sie sind entweder direkt oder indirekt gegen die geoffenbarte Wahrheit Gottes gerichtet. Direkt, wenn jemand einsieht, Gott hat eine Wahrheit geoffenbart, sie aber trotz dieser klaren Einsicht leugnet. Indirekt, wenn jemand die Tatsache der Offenbarung durch Gott leugnet, obwohl sie ihm in genügender Weise durch das Lehramt der Kirche oder einen Glaubensboten vorgelegt wurde. In beiden Fällen liegt ein schlechter Wille und damit Schuld vor. Im ersten Fall wird direkt die Autorität Gottes mißachtet. Im zweiten Fall indirekt, da doch jeder Mensch verpflichtet ist, einem göttlichen Wort, das ihm genügend beglaubigt wird, zuzustimmen. Dieser Gefahr sind zweifelsohne diejenigen mehr ausgesetzt, deren Glaubensintensität vor allem hinsichtlich des Einflusses auf das praktische Leben und hinsichtlich der Verwurzelung in Verstand und Wille geringer ist. Deshalb wollen wir uns gerade hinsichtlich dieser beiden Bereiche besonders das Wort des Völkerapostels zu Herzen nehmen: „Steht fest im Glauben, handelt männlich und seid stark.“ (1. Kor. 16,13).

Die Glaubenszweifel und der Glaubensabfall

Der Festigkeit des Glaubens ist vor allem der Zweifel entgegengesetzt; genauer gesagt, der freiwillige Zweifel. Denn es gibt manche, auch fromme Katholiken, ja, sogar Heilige, die von häufigen Zweifeln gegen den Glauben heimgesucht, gequält und geängstigt wurden. Manche Seelen werden in dieser Hinsicht entsetzlich angefochten und von Gott geprüft. Ein Zweifel um den andern stürzt, wie im aufgepeitschten Meer, Woge um Woge, über eine solche Seele her.

Daß das auch bei frommen, heiligmäßigen Katholiken der Fall sein kann, ist keineswegs verwunderlich, denn der böse Geist weiß, was er tut. Da, wo seine anderen Anschläge vergeblich sind, sucht er, Zweifel an den Wahrheiten des Glaubens zu erregen. Denn wenn der Glaube, das Fundament des christlichen Lebens, wankt und stürzt, da wankt und stürzt auch alles andere.

Aber wir brauchen bei den Glaubenszweifeln, die uns befallen können, gar nicht unbedingt gleich den Teufel am Werk sehen. Da nämlich der Glaube so viele und undurchdringliche und unbegreifliche Geheimnisse umfaßt, so ist es allein schon von der Schwäche unserer Natur her gegeben, daß sich bisweilen Zweifel an denselben erheben können. Denn wenngleich auch unser Wille mit allergrößter Festigkeit den Verstand dazu bewegt, die Glaubenszustimmung zu leisten, so ist die Natur unseres Verstandes damit trotzdem nicht voll zufriedenzustellen. Unser Verstand möchte seiner Natur nach einsehen. In den Angelegenheiten des Glaubens ist Einsicht in diesem Leben jedoch ausgeschlossen. Deshalb ist der Verstand nicht gegen jeden Zweifel immun, solange er nicht selbst innere Einsicht gewonnen hat. Das aber wird erst im Himmel möglich sein. So können sich in der Seele bisweilen unwillkürlich Fragen erheben, die den Glauben scheinbar in Frage stellen. Allein der gläubige und wachsame Wille wird solche Gedanken sofort verwerfen und so einen tatsächlichen Zweifel fernhalten. Er wird einen solch aufkeimenden Zweifel wie einen Feuerfunken, der einem auf die ungeschützte Haut fällt, unverzüglich wegschleudern und sich nicht auf Grübeleien einlassen.

Wovor man sich unbedingt hüten muß, das sind gerade die Grübeleien, welche freiwillig auf den Zweifel eingehen, ihn sogar anregen, ihn heraufbeschwören! Damit sei keineswegs behauptet, daß man über die Wahrheiten des Glaubens nicht nachdenken und sie nicht erwägen und betrachten und soweit als möglich auch begründen sollte. Im Gegenteil! Gerade das sollen wir oft tun, damit der Glaube tief in unsere Seele einwurzle, was uns großen Nutzen bescheren wird. – Anders verhält es sich aber mit den Grübeleien, die darin bestehen, daß man vorwitzig – also aus Ehrgeiz, ohne Ehrfurcht oder aus reiner Neugier – über die Glaubenswahrheiten nachdenkt oder sich ihnen mit voreingenommener Skepsis nähert und sie allein im Lichte der Vernunft auffassen und erklären will. Schon der hl. Basilius warnt vor einer solchen Herangehensweise: „Lasset euch hinsichtlich des Glaubens in keine neugierigen Grübeleien ein!“

Ganz zu verwerfen ist dabei der methodische Zweifel! Es hat im Zuge der Aufklärung Theologen gegeben, die versucht haben, ein Glaubenssystem in Übereinstimmung mit den Prinzipien der rationalistischen Kritik aufzubauen und dabei auch die auf den französischen Denker René Descartes (1596–1650), den Vater der modernen, gottlosen Philosophie, zurückgehende rationalistische Methode des systematischen Bezweifelns und Infragestellens in die Theologie übernommen haben.

Einer dieser Theologen war der Bonner Theologieprofessor Georg Hermes (1775–1831). Da er befand, daß seine von Emanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte geweckten Glaubenszweifel durch die scholastische Theologie nicht zufriedenstellend gelöst seien, stellte er die Behauptung auf, bei der wissenschaftlichen Erforschung des christlichen Glaubens sei es jedermann erlaubt, ja sogar geboten, den Glauben aufzuheben und alles anzuzweifeln, bis er den Glauben wissenschaftlich als wahr nachgewiesen habe. Von sich selbst bezeugte Hermes, daß er überall ernste Zweifel anmelde, solange er nur könne! Denn für den Menschen sei die eigene vernünftige Einsicht das einzig zuverlässige Kriterium der Wahrheit. – In Wirklichkeit ist jeder überlegte Zweifel bezüglich einer genügend von der Kirche vorgelegten Glaubenslehre schwer sündhaft! Papst Gregor XVI. (1831–1846) ist gegen diese verwegene Ansicht des Hermes und seiner Jünger eingeschritten. Und das Vatikanische Konzil (1870) hat sie wenig später ausdrücklich verworfen: „Wer sagt … daß Katholiken einen triftigen Grund haben können, den Glauben, den sie unter dem Lehramt der Kirche schon angenommen haben, … in Zweifel zu ziehen, bis sie einen wissenschaftlichen Beweis für die Glaubwürdigkeit und Wahrheit ihres Glaubens erbracht haben: der sei mit dem Anathema belegt.“ (DH 3036). Der freiwillige und erst recht der methodische Zweifel, der ja nur ein vorsätzlicher sein kann, ist immer Todsünde!

Die größte Sünde gegen den Glauben ist der Abfall vom christlichen Glauben. Er ist sogar eine größere Sünde als der Unglaube der Heiden und Juden, die den christlichen Glauben nicht annehmen wollen. So schreibt der hl. Paulus im Hebräerbrief die schauerlichen Worte: „Die bereits einmal erleuchtet waren [d. h. die den christlichen Glauben angenommen haben und sich taufen ließen], die Himmelsgabe [die hl. Eucharistie] gekostet und den Heiligen Geist [in der hl. Firmung] empfangen haben … und doch abgefallen sind, die kann man unmöglich wieder zur Umkehr bringen. Soweit es auf sie ankommt, kreuzigen sie den Sohn Gottes aufs Neue und treiben ihren Spott mit Ihm.“ Sie sind „ein Land dem Fluche nahe und dem Ausgebranntwerden [in der Hölle]“. (Hebr. 6,4–8). Und auch der hl. Petrus warnt eindringlich vor dem Glaubensabfall: „Wenn solche, die durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus der Unlauterkeit der Welt entronnen sind, sich wieder davon überwältigen lassen, werden bei ihnen die letzten Dinge schlimmer sein als die ersten. Es wäre besser für sie, wenn sie den Weg der Gerechtigkeit [durch den Glauben] gar nicht kennengelernt hätten, als daß sie ihn erkannten und sich dann von den ihnen überlieferten heiligen Geboten wieder abwandten. Auf sie trifft das Sprichwort vom Hunde zu, der sich wieder zu seinem Auswurf wendet, und vom Schwein, das sich nach dem Bade im Schlamme wälzt.“ (2. Petr. 2,20–22). Damit ist eindeutig gesagt, daß Wankelmütigkeit im christlichen Glauben, freiwillige Glaubenszweifel oder gar der Abfall vom katholischen Glauben eine der schwersten Sünden überhaupt sind. Schwerwiegender noch als die „Werke des Fleisches“, die der hl. Paulus im Lasterkatalog der heutigen Epistel aufgezählt hat. Solange hingegen aufkeimende Zweifel aber nicht freiwillig gesucht und auch nicht freiwillig unterhalten werden, sind sie keine Sünde und erschüttern die notwendige Festigkeit des Glaubens keineswegs.

Sind aber dann nun alle unsere Verwandten und Bekannten, die katholisch getauft zur Erstkommunion und zur Firmung geführt wurden, später aber den katholischen Glauben aufgegeben haben, unrettbar verloren? – So einfach und pauschal läßt sich diese Frage natürlich nicht beantworten. Denn die ernsten Worte des Völkerapostels, daß diejenigen, welche vom Glauben wieder „abgefallen sind, unmöglich wieder zur Umkehr gebracht werden können“, setzen eine wesentliche Tatsache voraus, die von uns im Hinblick auf unsere Mitmenschen nicht sicher bestimmt werden kann. Deshalb sollen wir uns auch nicht den Kopf darüber zerbrechen, sondern die Mahnung der Apostelfürsten vor allem für uns persönlich ernst nehmen. Denn auf uns trifft eben diese Voraussetzung zweifelsohne zu. Sie besteht darin, daß man von einer solchen Person sagen kann: „Er hat einmal unter Leitung des Lehramtes der katholischen Kirche den Glauben mit Überzeugung angenommen.“ Das kann man aber wohl kaum sagen z. B. in dem Falle, wo ein getauftes Kind in einer praktisch religionslosen Familie und in einer Schule aufwächst, deren weltliche Lehrer glaubenslos sind. In einer solchen Umgebung kann es sein, daß der Glaube nie zu einer wahren Überzeugung wird, trotz eines etwaigen Religionsunterrichts. Wer den Glauben nie überzeugt angenommen hat, verliert ihn nicht, weil er ihn ja nie gehabt hat. – Wer aber aufgrund des Religions- bzw. Katechismusunterrichts einmal zur Überzeugung kam: „Die katholische Kirche ist die wahre Kirche Christi!“, der ist objektiv unentschuldbar. Deshalb gelten die Worte aus dem Hebräerbrief in jedem Fall für uns.

Was aber soll ich tun, wenn mich Versuchungen gegen die eine oder andere oder vielleicht gegen alle Wahrheiten des Glaubens bedrängen? – Was tut man, wenn ein Pfahl in der Erde nicht mehr fest steht und hin und her schwankt? Man rammt ihn mit großer Kraftanstrengung so tief in den Boden hinein, bis seine Spitze wieder unbeweglich in der Erde steht. Genau dasselbe sollen wir tun. Wenn uns Zweifel wider den Glauben plagen sollten, dann besinnen wir uns darauf, warum wir glauben. Gehen wir hinunter bis auf den Felsengrund, worauf unser Glaube ruht: die allwissende Wahrhaftigkeit Gottes, die ewig ist, die unfehlbar ist, die nicht irren kann und die nicht lügen kann. Dann beten wir in unserem Herzen den Akt des Glaubens: „O Gott, ich glaube alles, was Du geoffenbart hast, weil Du die ewige, unfehlbare Wahrheit bist. Deinem Wort, das Du mir durch Deine heilige Kirche lehrst, glaube ich mehr als allem, was Menschen sagen und schreiben, mehr als meinem eigenen Verstand.“

„Selig bist du, weil du geglaubt hast.“

Die Eigenschaft der Festigkeit des Glaubens ist von größter Bedeutung! Auf ihr beruht der übernatürliche Glaube an die unendlich großen und für unseren Verstand unfaßbaren Geheimnisse Gottes. Obwohl diese Geheimnisse unserem Verstand widerstreiten, nehmen wir sie mit unerschütterlicher Festigkeit hin, weil wir Gott mehr glauben als unserer Vernunft. Lieber mißtrauen wir unserer Vernunft als dem Glauben. Es mag vorkommen, daß sich gegen eine Glaubenslehre Einwände und Zweifel erheben, die wir mit unserem Kenntnisstand nicht zu lösen vermögen. Unser Glaube ist dadurch nicht erschüttert. Denn wir haben von vornherein die Gewißheit, daß es eine Lösung gibt, denn Gott ist die Wahrheit und die Wahrheit kann sich nicht widersprechen. Noch nie haben die Einwände die Wahrheit daran gehindert, wahr zu sein, auch wenn die erschöpfende Erklärung derselben und die zufriedenstellenden Antworten auf die Einwände unbekannt geblieben sind.

Nehmen wir in unserem Streben nach Festigkeit im Glauben unsere Zuflucht zur Gottesmutter! Sie wurde gerade wegen ihrer Festigkeit im Glauben von ihrer hl. Base Elisabeth seliggepriesen: „Selig bist du, weil du geglaubt hast, daß in Erfüllung gehen wird, was dir von dem Herrn gesagt worden war.“ (Lk. 1,45). In allen Wechselfällen ihres Lebens und in allen Widersprüchen, die sie erfuhr, bewies Maria ihre unüberwindliche Glaubensfestigkeit. Freuden und Schmerzen, Ehre und Verachtung, Hoffnungen und Kümmernisse, große Verheißungen und doch wieder Begebenheiten, die denselben geradezu entgegen zu sein schienen, wechselten in ihrem Leben beständig miteinander ab. Der Glaube Mariens hielt allem unerschütterlich stand. Deshalb ist sie uns eine sichere Zuflucht in Zweifeln und Versuchungen gegen den Glauben. Das versichert uns der hl. Bernhard von Clairvaux: „Mitten in Gefahren, Nöten und Unsicherheiten denke an Maria, rufe Maria an. Ihr Name weiche nicht aus deinem Munde, weiche nicht aus deinem Herzen … Folge ihr, dann wirst du dich nicht verirren! Rufe sie an, dann kannst du nicht verzweifeln! Denk an sie, dann irrst du nicht! Hält sie dich fest, kannst du nicht fallen. Schützt sie dich, dann fürchte nichts. Führt sie dich, so wirst du nicht müde. Ist sie dir gnädig, dann kommst du sicher an dein Ziel.“  Amen.

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