Fest des hl. Evangelisten Lukas
Vom Ikonenmaler Gottes
Geliebte Gottes!
Der hl. Lukas, dessen Fest wir heute feiern, ist unter den hll. Aposteln und den vier Evangelisten der einzige gebürtige Heide. Leider bleibt seine Person schwer zu greifen, denn alles, was die Heilige Schrift von ihm direkt zu berichten weiß, geht nicht weiter als über drei kurze Notizen in den Briefen des hl. Apostels Paulus hinaus. Auch die ältere kirchliche Tradition weiß nur wenig zu berichten, was den Schriften des Neuen Testaments etwas Bedeutendes hinzufügen würde. Wie man jedoch aus den Spuren, die ein Mensch hinterlassen hat, auf dessen Eigenschaften und auf dessen Charakter zurückschließen kann, so offenbart uns das literarische Werk des hl. Lukas – nämlich das dritte Evangelium und die Apostelgeschichte – doch klar seine Persönlichkeit. Wie er geschrieben hat, so ist er gewesen, denn aus eines Menschen Werk schimmert auch sein Wesen.
Der aus Syrien stammende Arzt
Eine aus dem 2. Jahrhundert stammende Einleitung zum Lukasevangelium macht über das Leben des hl. Evangelisten zusammenfassend die Angabe: „Lukas, ein Syrer von Antiochien, von Beruf Arzt, Schüler der Apostel, folgte später Paulus bis zu dessen Martyrium. Er diente ohne Tadel dem Herrn, hatte nie Weib und Kind. Im Alter von 84 Jahren starb er in Böotien, voll des Heiligen Geistes.“
Als Heimat wird die bedeutsame Stadt Antiochien angegeben, was auf seine nicht-jüdische Abstammung hinweist. Diese wird auch vom hl. Paulus im Kolosserbrief bestätigt, in dem er zwischen seinen judenchristlichen und heidenchristlichen Mitarbeitern unterscheidet und dabei den hl. Lukas klar der zweiten Gruppe zuzählt: „Es grüßen euch Aristarchus und Markus … ferner Jesus mit dem Beinamen Justus. Von denen aus der Beschneidung sind sie die einzigen, die als Mitarbeiter am Reiche Gottes mir zum Trost geworden sind.“ Das sind die jüdischen Mitarbeiter Pauli. Dann fährt der Völkerapostel fort: „Es grüßt euch euer Landsmann Epaphras … es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas.“ (Kol. 4,10–14). Diese Stelle zeigt, daß Lukas die Beschneidung weder von Geburt an noch später empfangen hat. Er war also ein bekehrter Heide.
Das Heidentum aber mit seinen unwürdigen Götterfabeleien, seiner geistigen Finsternis und seiner sittlichen Entartung hatte den feinen Geist des gebildeten Arztes auf die religiöse Suche bis hin zum wahren Gott, der von den Juden angebetet und verehrt wurde, gedrängt. Hier mußte ihn jedoch der jüdische Hochmut, der die Heiden verachtete und sie dem Vieh beizählte, befremden. Heimatlos zwischen Heidentum und Judentum stehend, sehnte sich der hl. Lukas nach einem Erlöser, nach einem großen Licht im Dunkel seines Suchens. Wenn Lukas der einzige der Evangelisten die Worte des greisen Simeon bei der Darstellung des Jesuskindes im Tempel überliefert hat: „Meine Augen haben das Heil gesehen, das Du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Ruhme Deines Volkes Israel“ (Lk. 2,30), so darf man darin gewiß auch einen Nachhall der jubelnden Seele des hl. Evangelisten heraushören, über das Glück, daß in Jesus Christus nicht nur den Juden, sondern auch den Heiden von Gott ein Erlöser gesandt wurde.
Der hl. Paulus gibt mit der Nennung des hl. Lukas im Kolosserbrief auch dessen Beruf an. Er war Arzt. Der ärztliche Beruf setzt eine längere Studienzeit in seiner Jugend voraus. Eine alte Festpredigt weiß zu berichten, daß Lukas schon von Kindheit an in der syrischen und hebräischen Sprache aufs beste unterrichtet worden sei. Als Jugendlicher soll er in der Grammatik, Rhetorik, Poesie und Philosophie solche Fortschritte gemacht haben, daß er keinem seiner Mitschüler nachstand. In Griechenland und Ägypten habe er sich dann zum Arzt ausgebildet (vgl. PG 115, 1129). Sein Evangelium verrät es noch heute, daß er besonders davon angetrieben war, leidenden Menschen zu helfen. Die akademische Bildung des hl. Lukas offenbart sich deutlich in seinen Schriften. Die Analyse der vier hl. Evangelien zeigt: Der hl. Markus ist in Wort und Stil lebhaft, aber ungeschliffen; der hl. Johannes ist schlicht und behutsam, wie ein vorsichtiger Schüler, der mit der Sprache Mühe hat. Der hl. Lukas hingegen schrieb sein Evangelium in einem glatten, sauberen und schönen Griechisch. Er verfügt über einen bedeutend reicheren Wortschatz als alle anderen neutestamentlichen Schriftsteller. Seine Sätze sind elegant und kunstvoll gebaut. Der hl. Lukas gibt sich nicht damit zufrieden, nur einfach die Frohe Botschaft zu verkünden. Er will sie auch schön verkünden! Wie die Gottesmutter unter Mitwirkung des Heiligen Geistes dem Sohne Gottes aus ihrem reinsten Fleisch und Blut nicht irgendeinen menschlichen Leib gebildet hat, sondern den vollkommensten, der Seiner Gottheit würdig war, so ähnlich hat der hl. Lukas unter der Inspiration des Heiligen Geistes die Botschaft des Evangeliums Jesu Christi in das vornehmste Gewand der griechischen Sprache eingekleidet.
Wann ist der hl. Lukas mit der Lehre des Evangeliums in Berührung gekommen? – Manche Überlieferungen reihen ihn schon unter die 72 Jünger ein, von denen wir soeben im Evangelium gehört haben, wie sie von Jesus ausgesandt wurden, um Seine Ankunft in den Städten und Ortschaften Palästinas vorzubereiten (vgl. Lk. 10,1 ff.). Auffälligerweise berichtet wirklich nur das Lukasevangelium von der Aussendung der 72 Jünger. Andere Ausleger vermuteten den hl. Lukas unter jenem zweiten Emmausjünger, der im Evangelium nicht namentlich genannt, dessen österliche Wanderung mit seinem Freund Kleophas aber wiederum nur im dritten Evangelium so anschaulich geschildert wird. Doch solchen Vermutungen, und mögen sie auch noch so alt sein, stehen klar die ersten Zeilen des Lukasevangeliums entgegen. Dort schreibt Lukas selbst: „Nachdem schon viele es unternahmen, über das, was sich unter uns zugetragen hat, einen Bericht abzufassen, entsprechend der auf uns gekommenen Überlieferung der ursprünglichen Augenzeugen und Diener des Wortes, habe auch ich, der ich den Ereignissen von ihren ersten Anfängen an sorgfältig nachgegangen bin, mich entschlossen, es dir im Folgenden genau niederzuschreiben, hochedler Theophilus, damit du dich überzeugst von der Zuverlässigkeit der Worte, von denen dir Kunde kam.“ (Lk. 1,1–4). Hier unterscheidet sich Lukas klar selber von den „ursprünglichen Augenzeugen und Dienern des Wortes“. Hätte er zum engeren Kreis um Jesus gehört, so wäre er, um mit seinen eigenen Worten zu sprechen, der Mühe enthoben gewesen, „den Ereignissen von ihren ersten Anfängen an sorgfältig nachzugehen“. Und auch der aus dem 2. Jahrhundert stammende „Canon Muratori“ sagt, daß Lukas „den Herrn nicht selber im Fleische gesehen hat“.
Doch finden wir in der Heimat des hl. Evangelisten mit ziemlicher Sicherheit die Antwort auf unsere Frage, wann er mit dem Evangelium in Berührung kam. Antiochien war das erste Zentrum des Heidenchristentums, das erblühte, als sich dorthin nach dem Blutzeugnis des hl. Stephanus die von der Verfolgung des Hohen Rates in Jerusalem versprengten Anhänger Jesu flüchteten. Dort erlernte Lukas den hl. Barnabas und den tiefen Denker Saulus aus Tarsus kennen und sah die wachsende Zahl der Gläubigen, die sich zu Christus bekehrten. Es konnte nicht ausbleiben, daß der junge Arzt und Gottsucher sich unter dem Einfluß der göttlichen Gnade immer stärker von der Predigt der hll. Apostel angezogen fühlte und den Schritt in den glänzenden Leuchtkreis des „Lichtes zur Erleuchtung der Heiden“ hineintrat. Schon im 11. Kapitel der Apostelgeschichte findet sich ein bedeutsames Zeugnis für die Zugehörigkeit des hl. Lukas zur anitochenischen Christengemeinde, das erste der sog. „Wir-Stücke“. Da heißt es: „Als wir versammelt waren, erhob sich Agabus und weissagte eine große Hungersnot.“ (Apg. 11,27). „Wir“! Lukas, der Verfasser dieses Berichtes, schließt sich selbst mit diesem „wir“ ein. Er hat demnach bereits im Jahr 41/42 der antiochenischen Christengemeinde angehört.
Der treue Mitarbeiter des hl. Paulus
Der Kirchenhistoriker Eusebius betont nachdrücklich, daß der hl. Lukas „mit allen Aposteln aufs eifrigste verkehrt habe“. (PG 20, 219 f.). In seiner Heimatstadt mag er die Bekanntschaft mit den hll. Aposteln, den auserwählten Zeugen Jesu Christi, gemacht haben. Und die einfachen Fischer vom See Genezareth waren sicher froh, daß ihnen dieser junge, sympathische Arzt half, das Evangelium auch in jene gesellschaftlichen Kreise der syrischen Metropole zu tragen, die ihnen selber verschlossen waren. Einer aber erkannte mit besonders scharfem Blick die Bedeutung des Lukas für das Evangelium: der hl. Apostel Paulus. Deshalb wählte sich der Völkerapostel den jungen Syrer zu seinem „Mitarbeiter“ (Phile. 24).
Der hl. Paulus mußte sich aus mehr als einem Grund zu Lukas hingezogen fühlen. Dieser war als Gebildeter ein geistig ebenbürtiger Gefährte. Als Heidenchrist war Lukas zugleich ein wandelndes Wunder der Gnade, ein lebendiger Beweis für die zentrale paulinische Glaubenswahrheit, daß das „Evangelium eine Gotteskraft zur Rettung für jeden ist, der glaubt, [nicht nur für den Juden, sondern] auch für den Heiden“ (Röm. 1,16). Andererseits suchte der Völkerapostel, der von seiner Natur von Kraft und Leidenschaft getrieben war, in dem verständigen, taktvollen Zuhörer Lukas vielleicht einen harmonischen Ausgleich und eine Ergänzung. – Wie reich Lukas seinerseits durch den hl. Paulus wurde, lassen heute noch seine Schriften ahnen. Sie sind durchtränkt von jenen Lehren, die besonders durch den Völkerapostel betont worden sind; nicht nur von der Allgemeinheit der Erlösung, sondern auch vom Unvermögen der natürlichen Kräfte, von der Barmherzigkeit Gottes und von der Notwendigkeit der Gnade. Gewiß, sind diese Lehren allgemeines Offenbarungsgut, das auch die übrigen Apostel verkündeten, doch standen sie besonders im Zentrum der Verkündigung des hl. Paulus. Die Schriften des hl. Lukas sind gewissermaßen das Echo der Predigt des Völkerapostels. Auch wenn Paulus ihn „Mitarbeiter“ nennt, so stand Lukas nicht in einem Angestelltenverhältnis oder als Untergebener, sondern, wie uns die Apostelgeschichte zeigt, in einem wahren und tiefen Freundschaftsverhältnis. Deshalb bezeichnete Paulus den Lukas als den „geliebten Arzt“. – Die erste Stelle in der Apostelgeschichte, die Lukas und Paulus deutlich Seite an Seite zeigt, findet sich im Bericht über die zweite Missionsreise: „Sie [d. h. Paulus, Silas und Timotheus] durchwanderten Phrygien und die Landschaft Galatien … Sie kamen nach Mysien und versuchten, nah Bithynien zu gelangen … Sie zogen an Mysien vorbei und gingen nach Troas hinab. In der Nacht hatte Paulus eine Erscheinung … Nach dieser Erscheinung suchten wir alsbald, nach Mazedonien zu fahren.“ (Apg. 16,6 ff.). Hier beginnt das erste der bereits erwähnten „Wir-Stücke“. Lukas, der Verfasser dieser Zeilen, fällt hier vom sachlich erzählenden „sie“ plötzlich in das persönliche „wir“ und zeigt dadurch auf diskrete Weise an, daß er selbst bei diesen Wir-Erzählungen persönlich dabeigewesen war. Vermutlich hatte Lukas in Troas, einer wichtigen Hafenstadt, seit seinem Weggang als Arzt – vielleicht als Schiffsarzt – gewirkt. Er zeigt nämlich in der Apostelgeschichte wiederholt eine erstaunliche Vertrautheit mit der Schifffahrt und den Schifffahrtslinien. Doch jetzt – ungefähr um das Jahr 50 – erging der Ruf des Herrn an ihn, Missionar zu werden.
Zusammen mit Paulus, den er vermutlich von Antiochien her kannte, reiste er nach Philippi und wohnte dort im Haus der gottesfürchtigen Frau Lydia. Er beobachtete mit dem prüfenden Blick des Arztes die Heilung des besessenen Mädchens und pflegte sicher auch die Wunden des hl. Paulus, die dieser von den „vielen Schlägen“ seiner Geißelung in Philippi davongetragen hatte (vgl. Apg. 16,11–34). Dann verschwindet Lukas für die Dauer von fünf bis sechs Jahren aus der Apostelgeschichte. Die „Wir-Berichte“ setzen mit dem Weggang des hl. Paulus wieder aus Philippi aus. Lukas ist mit dem hl. Paulus nicht in Athen, nicht in Korinth, nicht in Ephesus. Erst wieder auf dem Rückweg von der dritten Missionsreise nach Jerusalem im Jahr 57/58 tritt Lukas unvermittelt wieder in die Erzählung ein: „Wir fuhren nach den Tagen der Ungesäuerten Brote von Philippi ab.“ (Apg. 20,6). Wo ist Lukas in dieser langen Zwischenzeit gewesen? Eine Bemerkung im 2. Korintherbrief dürfte diese Frage klären. Im Sommer des Jahres 57 sandte der hl. Paulus diesen Brief durch seinen Schüler Titus nach Korinth und gab ihm einen Begleiter mit, dem er das rühmende Zeugnis ausstellte, welches wir vorhin in der heutigen Epistel gehört haben: „Mit Titus senden wir den Bruder, dessen Lob bei der Verkündigung des Evangeliums durch alle Gemeinden geht. Überdies wurde er auch von den Gemeinden zu unserem Reisegefährten bei diesem Liebeswerk [nämlich der Spendensammlung in den heidenchristlichen Gemeinden für die notleidende Muttergemeinde von Jerusalem] bestellt.“ (2. Kor. 8,18). Schon Origenes und später auch die hll. Chrysostomus und Hieronymus halten es für sicher, daß mit diesem „Bruder“ kein anderer als Lukas gemeint ist. Der hl. Lukas blieb also in den Jahren 51–57 in Philippi und hatte in diesen fünf, sechs Jahren in aller Stille so ausgezeichnet gewirkt, daß sein Lob in aller Munde war. Die Gemeinden Mazedoniens und Achajas wählten ihn sodann zu ihrem Vertrauensmann zur Überbringung der gesammelten Almosen nach Jerusalem. Fast tagebuchartig lauten von jetzt ab die Berichte in der Apostelgeschichte: „Wir holten sie in Troas ein … Wir fuhren nach Assos … Wir liefen Samos an und gelangten tags darauf nach Milet … Wir kamen in gerader Richtung nach Kos, tags darauf nach Rhodos und von da nach Patara … Wir steuerten auf Syrien zu und gelangten nach Tyrus … Wir gelangten von Tyrus nach Ptolemais … Tags darauf reisten wir weiter nach Cäsarea … Wir machten uns reisefertig und zogen hinauf nach Jerusalem.“ (Apg. 20,7–21). Immer heißt es „wir“! Treu, demütig und ehrfürchtig folgte Lukas seinem großen Lehrer auch in den nun heraufziehenden Sturm in Jerusalem hinein. Er folgte dem hl. Paulus bis an die Schwelle des Gefängnisses seiner langen Schutzhaft in Cäsarea. Durch die Treue zu Paulus gleichsam selber in Ketten gelegt, blieb der hl. Lukas in diesen drei Jahren jedoch nicht untätig, sondern begann während der Gefangenschaft des Völkerapostels in Cäsarea mit der Abfassung seines Evangeliums. In eben diesen Jahren weilte Lukas dauerhaft in Palästina und fand während der langen Monate der Kerkerhaft Pauli Gelegenheit und Muße, sich bei den Augen- und Ohrenzeugen Jesu über die Begebenheiten des Evangeliums zu erkundigen und deren Zeugnisse aufzuschreiben. Es ist bemerkenswert, daß das Lukasevangelium seine Entstehung der für einen tatkräftigen Missionar scheinbar verlorenen Jahre einer Gefangenschaft zu verdanken hat. Wie fruchtbar können Kerker und scheinbare Sackgassen, die uns Gottes Vorsehung bisweilen zumutet, doch werden!
Als der römische Bürger Paulus schließlich an den Kaiser appellierte und aus diesem Grund nach Rom überführt wurde, war Lukas prompt zur Stelle: „Als unsere Abfahrt nach Italien festgesetzt war … bestiegen wir ein adramytisches Schiff, das die asiatische Küste anlaufen sollte.“ (Apg. 27,1). Wieder heißt es „wir“. Lukas begleitete seinen Meister auf seinem Kreuzweg fast so, wie der hl. Johannes den Heiland. In den folgenden zwei Jahren der römischen Gefangenschaft nutzte Lukas die kostbare Zeit wieder durch heilige Schriftstellerei aus. Er schrieb hier vielleicht das Evangelium fertig. Nach der Freilassung des hl. Paulus aus seiner ersten Gefangenschaft blieb Lukas scheinbar in Rom. Jedenfalls wissen wir aus einer alten römischen Tradition, daß er den hl. Paulus nicht auf seine nun sich anschließende Reise nach Spanien begleitet hat. Erst im 2. Brief, den der Völkerapostel während seiner zweiten Gefangenschaft unter Kaiser Nero, kurz vor seinem Tod, aus dem Kerker an Timotheus sandte, finden wir den hl. Lukas wieder an seiner Seite. Dort schreibt der Völkerapostel: „Nur Lukas ist noch bei mir.“ (2. Tim. 4,11). Der treue Freund Lukas war ihm in seinen letzten schweren Stunden Beistand und Trost. Die Paulusakten aus der Mitte des 2. Jahrhunderts berichten, Lukas habe sich auch an der Richtstätte eingefunden, wo der Völkerapostel enthauptet wurde. So treu war Lukas, daß er seinen geistlichen Vater und geliebten Freund bis zu den Toren der Ewigkeit begleitete, wo er ihm dem Fleische nach zwar durch das Richtschwert entrissen wurde; aber das Band der Freundschaft vermochte die Klinge nicht zu zerschneiden. Der plötzliche Abbruch der Apostelgeschichte, an der Lukas in Rom gearbeitet haben dürfte, ist vermutlich dadurch bedingt, daß Lukas entweder aufgrund der grausamen neronischen Verfolgung fliehen mußte oder von Paulus, mit seinen letzten Aufträgen betraut, zurück in die verwaisten Gemeinden Kleinasiens gesandt wurde. Die oft auftauchende Nachricht, daß Lukas sein Evangelium in Achaja, also im südlichen Griechenland, geschrieben haben soll, ist vielleicht ein Hinweis, daß er von Paulus dorthin gesandt wurde und seinen Arbeiten dort den letzten Schliff verliehen hat.
Das Christusbild des hl. Lukas
Rückblickend war es gut für den hl. Paulus, in Lukas einen Arzt neben sich zu haben. Nächst Gott ist es vielleicht dem hl. Lukas zu verdanken, daß das kostbare Leben des großen Völkerapostels der Welt so manche Jahre länger erhalten blieb. Ohne die Sorge und Pflege des Lukas wäre Paulus wahrscheinlich schon früher seinen Krankheiten, Strapazen und Martern erlegen (vgl. 2. Kor. 11,19–12,9). Wenn Paulus zu kühne Pläne vortrug, wurden diese durch die sanfte Mahnung des Arztes gedämpft. Lukas wußte das Heilkraut, wenn die chronischen Fieberanfälle den Völkerapostel quälten. Er saß am Lager des Gefangenen im Kerker, fühlte den Puls, achtete auf dessen Atmung und verschrieb ihm besorgt andere Arzneien. Und gewiß heilte seine Liebe und Sanftmut auch die seelischen Wunden, welche die Leidenschaft des Hasses gegen seine Verfolger dem Apostel vielleicht bisweilen schlagen mochte. Doch die Liebe des hl. Evangelisten war nicht einseitig auf den Völkerapostel fixiert, was ja eine krankhafte Karikatur der Liebe gewesen wäre. Lukas ließ auch die anderen seine Wohltätigkeit spüren und von seinen medizinischen Kenntnissen profitieren. Die Apostelgeschichte läßt durchschimmern, daß sich Lukas, etwa während des Aufenthalts auf Malta, auch auf den Missionsreisen als Arzt betätigt hat. In Rom hat er sicher als Arzt praktiziert. So mancher Römer mag die Mietswohnung, in der der hl. Paulus während seiner ersten Gefangenschaft lebte und wo auch Lukas anzutreffen war, vorerst nicht wegen seelischer Anliegen oder Fragen des Glaubens aufgesucht haben, sondern um seiner leiblichen Gebrechen wegen und dabei am Ende an Leib und Seele gesund geworden zu sein. Oft ist es ja so, daß die leiblichen Wohltaten erst die Seele aufschließen, damit sie für die übernatürlichen Wohltaten empfänglich wird. In seiner liebenden Tätigkeit als Arzt ist der hl. Lukas ein schönes Abbild unsers Herrn und Heilandes selbst, der nicht nur das Wort Gottes verkündete, sondern wie es im Evangelium heißt, Wohltaten spendend umherging.
Ein bleibendes Denkmal hat sich „Lukas, der Arzt“ in seinem Evangelium gesetzt. Bis zum Ende der Welt wird das Lukasevangelium insbesondere die kranken Menschen besonders ansprechen, weil hier der Evangelist besonders das Erbarmen des Heilandes mit dem Elend und den Gebrechen der Menschen festgehalten hat. Der hl. Matthäus zeichnet Jesus als den verheißenen Messias, der hl. Markus als den erhabenen Sohn Gottes, Lukas vor allem als den Erlöser. Jesus, der Heiland der Welt, der göttliche Arzt für Leib und Seele, das ist das farbgebende Kolorit, in dem das Lukasevangelium das Bild des Gottmenschen faßt. Ähnlich wie der Zöllner Matthäus häufiger als die anderen Evangelisten von Geld und Gut; der Fischer Johannes vom Wasser und von den Wolken schreibt, so finden sich im Lukasevangelium mehr und genauere Berichte von wunderbaren Heilungen als bei den übrigen. Eine Untersuchung des Textes ergab, daß Lukas nicht weniger als 400 medizinische Fachausdrücke verwendet hat. Der hl. Lukas schreibt nicht nur wie die anderen Synoptiker von „Fieber“, sondern vom „hohen Fieber“ (Lk. 4,38), im Gegensatz zum „kleinen Fieber“, wie die Ärzte jener Zeit die Fieber unterschieden. Der Aussätzige, den Jesus heilte, hatte nicht einfachhin „den Aussatz“, er war „voll Aussatz“ (Lk. 5,12), was auf einen fortgeschrittenen Grad seiner Krankheit hindeutet. Die verdorrte Hand und das dem Malchus im Ölgarten abgeschlagene Ohr waren nicht irgendeine Hand und irgendein Ohr, sondern „die rechte Hand“ (Lk. 6,6), „das rechte Ohr“ (Lk. 22,50), wie der an scharfe Beobachtung gewohnte Arzt Lukas gegenüber dem hl. Markus hervorhebt. Lukas gibt auch die genaue Dauer der Krankheit an. Die verkrümmte Frau, die sich gar nicht mehr aufrichten konnte, litt schon „achtzehn Jahre“ (Lk. 13,11 ff.) an diesem Siechtum. Eine Heilung war menschlich gesehen ausgeschlossen. – Diese medizinische Genauigkeit ist bereits ein Hinweis, wie gewissenhaft Lukas seine Nachforschungen damals in Palästina betrieben haben muß. Uns dient sie als innerer Beweis für die Echtheit des Lukasevangeliums; es stammt wirklich aus der Feder eines Arztes. Es ist von keiner geringen Bedeutung, daß die göttliche Vorsehung die Wunder Jesu gerade durch das geschulte Urteil eines Arztes mit dem Siegel der Glaubwürdigkeit versah, ähnlich wie die Wunder von Lourdes um so mehr an Glaubwürdigkeit durch das Urteil kritischer Ärzte gewinnen, die bestätigen, daß eine natürliche Ursache für die Heilung einer Krankheit ausgeschlossen ist.
Zusammenfassend kann man über das Lukasevangelium sagen, daß in ihm der Grundgedanke von Helfen und Heilen vorherrschend ist. Bedacht hat Lukas aus dem Leben Jesu jene Geschehnisse und Worte ausgewählt, die Tränen trocknen, Schmerzen lindern, Vertrauen schaffen, Genesung und Heilung bringen. Er allein erzählt vom armen Lazarus, dem die Hunde an seinen Geschwüren leckten und der aber dafür nun im Schoße Abrahams ewige Freuden genießt (Lk. 16,19 ff.); vom demütigen Gebet des sündigen Zöllners im Tempel, dem Gott, im Gegensatz zum stolzen Pharisäer, gnädig und barmherzig ist (Lk. 18,9); von der weinenden Witwe und Mutter von Naim, zu welcher der Heiland tröstend sagt: „Weine nicht!“ (Lk. 7,11 ff.); vom reumütigen und vertrauenden Schächer am Kreuz, dem Jesus noch für den gleichen Tag das Paradies versprach (Lk. 23,43). Das Lukasevangelium ist der tröstende, ermutigende und beruhigende Balsam, der die verkrampfende Furcht auflöst und die von der eigenen Schuld wundgeschlagene Seele für Gottes Gnade und Barmherzigkeit empfänglich macht. Unsagbar schön ist die sog. „Trilogie der göttlichen Barmherzigkeit“, die sich allein im Evangelium des hl. Lukas im 15. Kapitel findet; jene Gleichnisse von der verlorenen Drachme, dem verlorenen Schaf und vom verlorenen Sohn, wo es am Ende heißt: „Der Sohn sprach: ‚Vater, ich habe gesündigt.‘ Der Vater sprach: ‚Bringt rasch das beste Kleid und einen Ring an diese Hand und Schuhe an die Füße. Wir wollen ein Freudenmahl halten und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden.‘“ – „Im Himmel wird größere Freude sein über einen einzigen Sünder, der Buße tut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.“ Das Christus-Bild, das Lukas uns in seinem Evangelium gezeichnet hat, wird schließlich am deutlichsten auf den Punkt gebracht in dem von ihm allein überlieferten „Gleichnis vom barmherzigen Samariter“, der Öl und Wein in die Wunden des ausgeraubten Halbtoten gießt (vgl. Lk. 10,30 ff.). So macht uns der Arzt Lukas mit dem göttlichen Arzt Jesus Christus bekannt.
Das Marienbild des hl. Lukas
Gemäß der Überlieferung soll der hl. Lukas auch ein begnadeter Zeichner bzw. Maler gewesen sein. Die Annahme dieser Fertigkeit ist nicht abwegig, versuchen doch Ärzte, die Anatomie des Menschen und auch die Symptome ihrer Patienten im Bild zu dokumentieren. Über Jahre hinweg mag sich durch eine solche Übung im hl. Lukas ein großes Geschick im getreuen Festhalten auch der Gesichtszüge von Menschen herausgebildet haben. Der im 6. Jahrhundert lebende Kirchenhistoriker Theodor berichtet, daß die Kaiserin Eudokia aus Jerusalem der Pulcheria das vom hl. Evangelisten Lukas gemalte Bild der Gottesmutter geschickt habe (vgl. PG 86, 165 f.). Auch andere Zeugnisse berichten, daß der hl. Lukas noch viele andere Marienbilder, wie auch solche von Petrus und Paulus, ja von Christus selbst gemalt habe. Das bekannteste Lukas-Bild ist die Marien-Ikone von Santa Maria Maggiore in Rom, die von Papst Pius XII. im Jahr 1954 zum Abschluß des „Marianischen Jahres“ feierlich gekrönt wurde.
Mag die Echtheit dieser Bilder von den Kritikern auch angezweifelt und ins Reich der Legenden verbannt werden. Eines ist zweifellos sicher, daß uns der hl. Lukas – abermals als einziger unter den Evangelisten – ein literarisches Bild der Gottesmutter gezeichnet hat. Er allein war es, der ihre hohe Stunde eingefangen hat, als sich ihr der hl. Erzengel Gabriel nahte und sie erstmals mit den Worten grüßte, die seitdem unaufhörlich in der ganzen Christenheit Widerhall finden: „Gegrüßet seist du, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir.“ (Lk. 1,28). Von ihm wissen wir um den Lobgesang Mariens nach der wundersamen Heiligung des hl. Johannes des Täufers noch im Mutterschoß: „Magnificat!“ – „Hoch preist meine Seele den Herrn und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland.“ (Lk. 1,46). Von ihm stand die Kunde von dem Lobgesang, den die hl. Engel in der Weihnacht zum Klingen brachten: „Gloria in excelsis Deo!“ „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen, die eines guten Willens sind.“ (Lk. 2,14). Von Maria erfuhr Lukas den Gesang des Priesters Zacharias und den des greisen Simeon, von ihrer schmerzhaften Suche des Jesusknaben und von Seinem Gehorsam im Haus von Nazareth.
Über den ersten beiden Kapiteln des Lukasevangeliums liegt nicht nur dem Inhalt nach der Hauch heiliger und unberührter Keuschheit. Der hl. Lukas empfing den Bericht von der Empfängnis, der Geburt und den Kindheitsjahren Jesu – vielleicht unmittelbar noch von Maria selbst oder wenigstens in Form von Aufzeichnungen der Worte der Gottesmutter – in aramäischer Sprache. Seine Ehrfurcht gegenüber dem Wortlaut war so groß, daß er es nicht wagte, ihn in sein elegantes Griechisch zu gießen. Er ließ die Worte so, wie sie auf den Lippen Mariens erblüht waren. Darum klingt in diesen zwei ersten Kapiteln, im Unterschied zum übrigen Lukasevangelium, die aramäische Sprache im Satzbau stark nach, weshalb wir mit dem Lukasevangelium auch eine authentische Marienikone aus seiner Feder in Händen halten. Es sind die Laute und die Worte der Muttergottes, die er uns überliefert hat.
Das Buch von den Taten der Apostel
Auch die Apostelgeschichte kann man mit einiger Berechtigung ein Bild nennen, das drei große Männer und drei große Städte und die drei religiösen Strömungen der damaligen Zeit eingefangen hat. Die Berichte sind ja gruppiert um Petrus, Paulus und Jakobus – um Jerusalem, Antiochien und Rom. – Jerusalem ist die Kirche der Judenchristen, Antiochien die der Juden- und Heidenchristen und Rom die der Heidenchristen. – Trotz der Verwerfung des Messias wurde Jerusalem nicht die Ehre genommen, dessen erstgeborene Tochter zu sein. Erst dann, als es in seiner Verstockung verharrte, wanderte die Gnade allmählich weiter, nach Samaria, nach Antiochien, von der Hauptstadt der Juden weg bis nach Rom, der neuen Hauptstadt des Erdkreises. – Dies soll auch uns eine Mahnung sein: Wer sich der Gnade Gottes widersetzt und wiederholt den Schlag der Gnadenstunde ungehört verstreichen läßt, der riskiert, das Schicksal Jerusalems zu teilen, das an seinem Tage nicht erkannt hat, was ihm zum Frieden dient, und fortan mit Blindheit geschlagen seinem Untergang entgegenging (vgl. Lk. 19,41 ff.). – Der hl. Lukas faßt in der Apostelgeschichte den hl. Jakobus als den Apostel der Judenchristen, den hl. Apostel Petrus als Obersten Hirten der Juden- und Heidenchristen zusammen und den hl. Paulus als den Apostel der Heidenchristen. Im ersten Teil der Apostelgeschichte steht Petrus, im zweiten Paulus, an manch bedeutsamer Wendung der hl. Jakobus. Die übrigen hll. Apostel werden im Grunde nur erwähnt, weshalb der deutsche Titel dieses Buches „Apostelgeschichte“ strenggenommen nicht zutreffend ist. Es erzählt nicht von allen Aposteln, sondern nur von einigen Aposteln und einigen ihrer Taten, weshalb es im Lateinischen treffender „Acta Apostolorum“ genannt wird, also: „Buch von den Taten der Apostel“.
Dieses zweite Werk des hl. Lukas, das auch die Loslösung der katholischen Kirche von der Synagoge und die damit einhergehenden Spannungen und Verfolgungen durch das Judentum einfängt, ist eben dadurch gerade auch ein Trostbuch für unsere heutige beschwerliche Zeit ohne Papst und ohne Hirten. Die Apostelgeschichte zeigt uns einerseits den Pfingststurm und den Sturm der ersten Liebe und des ersten Glaubens, der auch uns – wenngleich leider nur noch durch ein leises Säuseln – erfaßt hat. Sie zeigt uns die schweren Stunden der Apostel und ihre Strapazen und Verfolgungen, die sie um des Evangeliums willen ausstehen mußten, und auf diese Weise die Saat ausbrachten, die auch heute noch wächst. – Von jener Stunde, als in Jerusalem alle Apostel mit einem Schlag und mit ihnen das ganze Christentum niedergestreckt werden sollten, da berichtet uns der hl. Lukas das von Gott dem weisen Gamaliel eingegebene Wort, das auch uns Trost spenden soll. Mahnend wandte sich Gamaliel damals an die Feinde der jungen Kirche und sprach: „Israeliten, überlegt es euch wohl, was ihr mit diesen Leuten anfangen wollt … Stammt dieses Vorhaben oder Unternehmen nur von Menschen, so geht es von selbst zugrunde. Ist es aber von Gott, so könnt ihr es nicht zerstören.“ (Apg. 5,35 ff.). Heute, nach 2000 Jahren, wissen wir: Dieses „Unternehmen“ ging nicht zugrunde. Also stammt es von Gott! Darum wird es sich auch in den Stürmen unserer Zeit behaupten. Niemand wird es zerstören können! Darauf ruht unsere Zuversicht.
Die Botschaft der Evangelisten an uns
Die genauen Skizzen und Bilder Christi, der Gottesmutter und der Apostel, die uns der hl. Evangelist Lukas in seinen Schriften hinterließ, möchten uns schließlich noch etwas Wichtiges sagen: Jeder von uns muß in gewisser Weise ein Evangelist werden! Jeder Katholik muß durch sein Leben Jesus Christus darstellen, und zwar bis zu solcher Vollendung, daß er wirklich an den Heiland Jesus Christus erinnert; ja, daß die Menschen, wenn sie ihn sehen – wie er seine Pflicht erfüllt, wie er redet, wie er schweigt, wie er handelt, wie er leidet –, an Jesus Christus denken. Der hl. Lukas hat die wesentlichen Merkmale in seinem Christusbild herausgearbeitet: Seine Liebe, Seine Milde und Sanftmut, Seine den Sünder suchende Barmherzigkeit; wie Er heilt statt Wunden zu schlagen, die Tränen trocknet, die Elenden aufrichtet und den Schmerz lindert. Die gesamte Christenheit ist berufen, an dieser geheimnisvollen Aufgabe mitzuwirken, diese Züge Jesu Christi auch in der eigenen Seele hervorzubringen und auszuarbeiten. Dazu sollen wir Maß nehmen an Maria: Sie ist die Gußform, nach der Jesus Christus gebildet wurde. Wir sollen Maß nehmen an den Gestalten der hll. Apostel und an der des hl. Lukas, die Christus ähnlich geworden sind. Denn jeder Christ soll für seine Zeit eine Ikone Jesu Christi sein.
Dem Heiligen Geist fällt dabei eine sehr wichtige Aufgabe zu. Er wirkte das Wunder der Menschwerdung, indem Er den jungfräulichen Schoß Mariens durch Seine Überschattung fruchtbar gemacht hat. Er wirkte, als Er dem hl. Evangelisten Lukas Beistand leistete, das Bildnis Christi, die Ikone Mariens und der Apostel exakt in seinen beiden Büchern zu zeichnen. So kommt es nicht von ungefähr, daß auch wir bei der Verwirklichung unserer Berufung, Christus nachzubilden, auf Seine Hilfe angewiesen sind. Nehmen wir deshalb eifrig den Rosenkranz zur Hand. Rufen wir Maria, die Braut des Heiligen Geistes, um ihre Fürbitte an. Die fünfzehn hl. Bilder der Rosenkranzgeheimnisse sind zum größten Teil eine szenenhafte Zusammenfassung des Lukasevangeliums. Betrachten wir diese Bilder. Nehmen wir daran Maß. Ahmen wir sie im Vertrauen auf den gnadenhaften Beistand Gottes in unserem alltäglichen Leben nach, damit auch unsere Seele eine authentische Christus-Ikone werde. Amen.