Von den Eigenschaften des Glaubens – Vollständigkeit, Standhaftigkeit, Lebendigkeit

Geliebte Gottes!

Damit der übernatürliche Glaube, mit dem wir der göttlichen Offenbarung zustimmen, für uns der Same des ewigen Lebens sein kann, muß er bestimmte Eigenschaften aufweisen.

Wie wir zuletzt gesehen haben, ist eine erste Eigenschaft des übernatürlichen Glaubens seine Festigkeit. Dabei haben wir bemerkt, daß unsere Glaubensfestigkeit in einem Verhältnis zur Glaubwürdigkeit Gottes stehen muß. Gott ist nun aber unendlich glaubwürdig, weil Er unendlich wahrhaftig und heilig ist. Folglich muß auch unsere Glaubensfestigkeit, wenn schon nicht unendlich, so doch über alle Maßen groß sein. Sie muß so groß sein, daß sie jeden Zweifel, der bisweilen in unserem Verstand aufsteigen mag, entschlossen von sich weist und stattdessen bekennt: „Ich glaube alles mit unerschütterlicher Festigkeit, was Gott geoffenbart hat und was Er mir durch das Lehramt der katholischen Kirche zu glauben vorlegt; denn Gott ist die unendliche Wahrheit, von der die Lehrer der Kirche erleuchtet und gelenkt werden.“ Weil Gott durch die Kirche zu uns spricht, muß unser Glaube absolut fest sein. – Aus der geforderten Festigkeit des übernatürlichen Glaubens ergibt sich, daß es für denjenigen, der einmal unter der Führung des Lehramtes der katholischen Kirche den Glauben angenommen hat, niemals einen berechtigten Grund geben kann, diesen Glauben zu ändern oder ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Der freiwillige Glaubenszweifel ist schwer sündhaft, weil damit Gottes unendliche Wahrhaftigkeit in Zweifel gezogen wird, was eine unerhört schwere Beleidigung darstellt. Die äußerste Entartung erfährt die Festigkeit des Glaubens im Glaubensabfall, d. h. in der kompletten Aufgabe des katholischen Glaubens. Der Abfall vom Glauben ist eine der schwersten Sünden überhaupt, weil damit Gottes Zeugnis und letztlich Gott Selbst vollständig verworfen wird.

Der Glaube muß vollständig sein

Zu der Festigkeit muß der übernatürliche Glaube sodann eine zweite Eigenschaft aufweisen: die Vollständigkeit. Wann ist der Glaube vollständig? Wenn wir nicht bloß einige, sondern alle Lehren glauben, welche die katholische Kirche zur gläubigen Annahme vorlegt.

Alle Wahrheiten des Glaubens sind von demselben Gott geoffenbart. Sie sind also alle gleich wahr. Sie werden von derselben Kirche zu glauben vorgestellt. Folglich müssen sie auch alle ohne Ausnahme mit derselben Festigkeit geglaubt und für wahr gehalten werden. – Derjenige würde seinen Glauben zerstören, der unter den zur Annahme vorgelegten Lehren eine Auswahl träfe, indem er von ihnen einige gläubig annehmen, andere hingegen verwerfen wollte.

Der Begriff „Auswahl“ trägt im Griechischen die Bezeichnung „Häresie“. Eine Häresie liegt dann vor, wenn ein Katholik zwar nicht gleich komplett vom Glauben abfällt, indem er denselben vollständig aufgibt, wohl aber, wenn er freiwillig die eine oder andere Lehre, von der er weiß, daß die Hirten der katholischen Kirche ihre gläubige Annahme fordern, zurückweist und sie auf diese Weise von seiner Glaubenszustimmung ausnimmt.

Das kommt leider oft genug vor! – Gewiß, jene Wahrheiten, die tröstlich und süß sind, etwa daß Gott unendlich barmherzig ist, daß Er langmütig ist, daß Er so gern verzeiht, daß Er im Himmel unaussprechliche Seligkeit und Freude bereithält – wer wollte das nicht gerne glauben? Aber daß Gott wahre Reue über die Sünden fordert, die sich im festen Vorsatz der Besserung beweisen muß; daß Er eine Wiedergutmachung für die Sünden in Form von Bußwerken verlangt; daß Seine unbegreifliche Gerechtigkeit zur Züchtigung der Unbußfertigen eine Hölle unaussprechlicher Qualen und von ewiger Dauer gegründet hat – das sind Sätze, woran manche nur halb oder gar nicht glauben. Da sagt man auf einmal: „So schlimm wird das schon nicht sein. Die Kirche will uns nur Angst machen, damit wir schön brav bleiben. Gott ist doch die Liebe. Jeder bekommt gewiß im Augenblick nach seinem Tod noch eine letzte Chance, um sich für Gott zu entscheiden.“ So „glauben“ manche. – Jene Sätze, die dem Verstand einleuchten und begreiflich sind, die will man glauben; aber die unbegreiflichen Geheimnisse des Glaubens, die kein Geist durchdringen kann, die möchten manche ausnehmen. Man sagt oder denkt über das eine oder andere Glaubensgeheimnis: „Das ist schwer zu glauben! Das kann ich nicht glauben! Das glaube ich nicht!“ Ein solcher Glaube ist nicht vollständig. Es ist die eine oder andere geoffenbarte Wahrheit aus dem Gesamtgefüge herausgebrochen. Und deshalb ist es im Grunde überhaupt kein Glaube mehr.

Es verhält sich beim Glauben wie mit dem sittlichen Gesetz. Wer von den Zehn Geboten nur neun erfüllt, eines aber ausnimmt, dem nützt es nichts, daß er die neun einhält. Denn wer ein einziges Gebot übertritt, der hat sie damit alle übertreten, weil er in der Übertretung des einen Gesetzes die Autorität dessen verachtet, schmäht und schändet, der alle Gebote gegeben hat. So lehrt es der hl. Apostel Jakobus, indem er schreibt: „Wenn einer sonst das Gesetz befolgt, aber in einem Stücke fehlt, so versündigt er sich gegen das Ganze. Denn der gesagt hat: ‚Du sollst nicht ehebrechen‘, hat auch geboten: ‚Du sollst nicht töten‘.“ (Jak. 2,10 f.). Man kann also noch so keusch leben; wenn man meint, sich deshalb gegen die Nächstenliebe verfehlen zu dürfen, dem nützt das jungfräulichste Leben nichts. Denn durch die bewußte Verletzung eines der göttlichen Gebote wird Gott in diesem einen Punkt der schuldige Gehorsam verweigert. Damit wird aber in diesem einen Punkt jene göttliche Autorität mißachtet, auf der auch alle übrigen Gebote gründen. – Dasselbe gilt auf dem Gebiet des Glaubens. Schon oft haben wir in den letzten Wochen gesagt, daß wir Gott durch den Akt der Glaubenszustimmung einen geschuldeten Akt des Gehorsams leisten. Deshalb spricht man hinsichtlich der Lehren, die uns von der katholischen Kirche zu glauben vorgelegt werden, auch vom „Glaubensgesetz“. Von hier aus ist es klar ersichtlich, daß von der Befolgung oder Nichtbefolgung des Glaubensgesetzes dasselbe gilt wie von der Einhaltung der Gebote: „Wer in einem Stück fehlt, so versündigt er sich gegen das Ganze.“ – Schon durch eine einzige Häresie leugnet man die unendliche Glaubwürdigkeit Gottes und der Kirche insgesamt. Das aber ist ein schweres Unrecht gegen Gott und daher begeht man durch Häresie eine Todsünde. Im Übrigen eine sehr folgenschwere Todsünde! Denn sie beraubt nicht nur der heiligmachenden Gnade, sondern auch der Zugehörigkeit zur katholischen Kirche, die ja wesentlich eine Glaubensgemeinschaft ist. Wer nur eine Wahrheit vom Glauben ausnimmt, weil sie ihm nicht zusagt, der schließt sich selbst aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche aus. Ferner hat er auch bezüglich der anderen Wahrheiten, die er annimmt, keinen wahren Gottesglauben, wie der hl. Augustinus treffend den Manichäern vorwirft: „Ihr, die ihr vom Evangelium glaubt, was ihr wollt – und nicht glaubt, was ihr wollt –, ihr glaubt eher an euch selbst als an das Evangelium.“ (Contr. Faust. 17,3).

Die Steine eines Gewölbes werden zusammengehalten durch die Druckkraft des Schlußsteines. Wird nun aus dem Gewölbe auch nur ein einziger Stein herausgebrochen, dann wird die Drucklinie unterbrochen und es stürzt bekanntlich das gesamte Gewölbe auf einen Schlag ein. Das Glaubensgebäude wird zusammengehalten durch die Kraft der unendlichen Wahrhaftigkeit Gottes. Wird auch nur ein Glaubenssatz geleugnet, so stürzt das gesamte Glaubensgebäude ein, weil in dem einen Punkt die Wahrhaftigkeit Gottes zurückgestoßen wird, die doch auch alle anderen Lehren beglaubigt.

Die Vollständigkeit als notwendige Eigenschaft des übernatürlichen Glaubens forderte Papst Leo XIII. deutlich in seiner Enzyklika „Satis cognitum“ ein, wo er schrieb: „Wer … die geoffenbarten Wahrheiten auch nur in einem Punkt leugnet, streift in Wirklichkeit den Glauben ganz ab, da er sich weigert, Gott als die höchste Wahrheit und als den eigentlichen Beweggrund des Glaubens zu achten.“ (HK 613). Und der Heilige Vater fügt zur Bekräftigung dieser Feststellung das berühmte Wort des hl. Augustinus an, der in Bezug auf die Häretiker schrieb: „In vielem sind sie mit mir, in wenigem sind sie nicht mit mir; aber wegen dieses Wenigen, in dem sie nicht mit mir einig gehen, nützt ihnen das Viele nichts, worin sie mit mir sind.“ (In Ps. 54,19). Man kann den katholischen Glauben nicht zu 75 % oder zu 90 % oder zu 99 % haben. Man hat ihn entweder ganz oder gar nicht!

Da wird vielleicht so mancher denken: „Was für eine Aufgabe! Ich soll alles glauben, was Gott geoffenbart; alles, was mir die katholische Kirche zur gläubigen Annahme vorlegt! Alles! Und doch weiß ich bei weitem nicht alles. In der Schule haben wir davon nicht viel gelernt. In den Katechismus schaue ich nur selten hinein. In der Predigt passe ich auch nicht so gut auf. Nur Weniges davon behalte ich in meinem Gedächtnis. Vieles von dem, was ich über den Glauben gehört habe, vergesse ich wieder. Und doch soll ich alles glauben, obwohl ich so wenig vom Glauben weiß? Eine unmögliche Forderung!“ Nur scheinbar! Denn jeder Katholik – selbst ein einfaches Kind, das gerade zum Gebrauch der Vernunft gelangt ist – kann alles glauben, auch wenn er nicht alles vom Glauben weiß. Wie ist das möglich? – Es ist aus dem gleichen Grund möglich, alles zu glauben, obwohl man nicht alles vom Glauben weiß, wie es genügt, eine einzige Glaubenswahrheit zu leugnen und dadurch den gesamten Glauben zu verlieren. Das Motiv, das uns zur Zustimmung einzelner Glaubenslehren bewegt, ist bei jedem Glaubensakt dasselbe, nämlich die Autorität Gottes, die weder selbst irren noch andere in die Irre führen kann. Wer also eine Wahrheit deshalb annimmt, weil Gott es so sagt, der nimmt damit notwendig jede von Gott geoffenbarte Wahrheit an, auch wenn er nicht ausdrücklich an jede einzelne Wahrheit denkt. Denn der Katholik glaubt ja nicht der einzelnen Wahrheit, sondern Demjenigen, der sie alle geoffenbart hat, nämlich Gott.

Stellen wir uns zur Veranschaulichung vor, es kommt ein Brief bei uns an. Am Absender und an der Handschrift erkennen wir, er stammt von einer uns bekannten Person; einem angesehenen, wahrheitsliebenden Mann. Wir wissen, dieser Mann ist bei irgendeinem Ereignis als Augenzeuge dabeigewesen, und er hat uns versprochen, den genauen Hergang in einem Brief zu schildern. In dem Brief, den wir in Händen halten, ist nun sein ausführlicher Bericht enthalten. Können wir nun nicht schon denken, noch bevor wir auch nur eine einzige Zeile dieses Briefes gelesen haben: „In dem Brief steht die gesamte Wahrheit über jeden Sachverhalt mit allen Details“? Gewiß! Wir haben den Brief ja die ganze Zeit erwartet, um den wahren Sachverhalt jenes Ereignisses in allen Einzelheiten zu erfahren. Man kann also glauben, was in einem Brief steht, noch ehe man ihn gelesen hat. Man kann alle Details, die in dem Brief beschrieben sind, schon für wahr halten, noch ehe man ihn überhaupt geöffnet hat, noch ehe man weiß, was genau darin steht. – Warum? Weil wir dem Verfasser des Briefes glauben. Dazu aber müssen wir nicht jeden einzelnen Punkt kennen, den er uns wissen läßt. – Genauso verhält es sich mit dem Glauben. Es ist zum ewigen Heile notwendig, alles zu glauben, was Gott geoffenbart hat. Es ist aber nicht nötig, alles im Einzelnen darüber zu wissen. Es genügt, Gott alles – ohne eine Auswahl – zu glauben, dann ist in diesen Glauben auch jedes kleinste geoffenbarte Detail eingeschlossen, das uns vielleicht ein Leben lang unbekannt bleibt.

Der Glaube muß standhaft sein

Der Glaube muß drittens auch standhaft sein. Er ist standhaft, wenn wir bereit sind, lieber alles – selbst das Leben – zu verlieren oder zu opfern, als vom Glauben abzufallen. Wir dürfen uns weder durch irdische Güter, noch durch zarte Gefühle zu bestimmten Personen, noch durch zeitliche Leiden und Drangsale, ja selbst nicht einmal durch den uns drohenden Verlust des Lebens vom katholischen Glauben abbringen oder uns zur Verleugnung desselben hinreißen lassen.

Die Standhaftigkeit im Glauben ist eine ausdrückliche Forderung des Heilandes, die sich nicht einmal aus konfliktscheuer Liebe zu den engsten Verwandten und teuersten Menschen auf Kompromisse einlassen darf: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht wert; und wer den Sohn oder die Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht wert. Und wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und Mir nachfolgt [und wenn es sein muß, bis zum Martyrium], ist Meiner nicht wert. Wer sein Leben [durch Lossagung von Christus] gewonnen hat, wird es [das ewige Leben] verlieren; und wer sein [zeitliches] Leben verliert um Meinetwillen, wird es gewinnen.“ (Mt. 10,37–39).

Die Gefahr, in Anfeindungen gegen den Glauben nachzugeben, wird umso geringer sein, je höher wir den Wert des Glaubens schätzen. Je mehr wir begreifen, welch große Gnade, welch unschätzbarer Vorzug uns durch den katholischen Glauben zuteilgeworden ist. Viele Menschen haben den wahren Glauben heute nicht. Wir haben ihn! Viele wissen gar nichts über ihn oder von ihm. Wir kennen ihn! Wir dürfen uns in diesem Sinne durchaus als Auserwählte betrachten, als besondere Lieblinge Gottes! – Wenn man aber etwas Teures, etwas Seltenes geschenkt bekommt, etwas, das einen in alle Ewigkeit glücklich und selig machen kann, wie sehr ist man doch dazu verpflichtet, diese Gabe dementsprechend hoch zu schätzen? Der hl. Augustinus bezeichnet den hl. Glauben als „das höchste Geschenk des Himmels“! (de verb. Apost. serm. 17). – Wie beschämend wäre es hingegen, wenn wir – wie es manche Katholiken heute tatsächlich tun – bedauern wollten, im Glauben nicht so unwissend zu sein wie die meisten unserer Zeitgenossen? Sie empfinden den Glauben und seine Forderungen als eine niederdrückende Last, die sie nur zähneknirschend und aus Furcht vor Strafe tragen, nein, schleppen; und jene aufgrund ihres „unbeschwerten Lebens“ glücklich preisen, die nichts von ihm wissen. Ob sich ein derart geringgeschätzter Glaube in der Feuerprobe als standhaft erweisen wird, darf bezweifelt werden. Wir wollen den Glauben hochschätzen als das, was er ist, nämlich als den Schlüssel zu der unendlichen Schatzkammer Gottes! Seine Forderungen stehen in keinem Verhältnis zu den Gütern, die er uns erschließt, wie uns der Herr Selber sagt: „Kommet [durch den Glauben] zu Mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und Ich werde euch erquicken. Nehmt Mein Joch auf euch, … so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn Mein Joch ist süß und Meine Bürde leicht.“ (Mt. 11,29 f.). – Mittelamerika, v. a. das heutige Gebiet von Mexiko, war vor der Entdeckung durch Christoph Columbus in der tiefsten Finsternis des abscheulichsten Heidentums gefangen, dafür aber sehr, sehr reich an Gold. Die Spanier hatten dieses Land in der Folge kolonisiert und seine reichen Goldvorkommen ausgebeutet. Trotz der erfahrenen Ungerechtigkeiten sagen Bewohner Mexikos heute noch: „Die Spanier kamen und haben uns unser Gold geraubt. Aber dafür haben sie uns einen noch viel größeren Schatz gebracht – nämlich den katholischen Glauben. Der Glaube ist von unendlich höherem Wert als alles Gold der Welt.“ Wer den Wert einer Sache erkannt hat, der läßt sie nicht ohne weiteres wieder los und der ist auch bereit, dafür zu kämpfen; wie in Mexiko die wehrhafte Volksbewegung der „Cristeros“ unter Beweis gestellt hat, als sie sich Anfang des 20. Jahrhunderts der antiklerikalen Gesetzgebung ihrer freimaurerischen Regierung standhaft widersetzte. Es ist die Hochschätzung des hl. Glaubens, welche jene gnadenhafte Standhaftigkeit bewirkt, die einen Menschen sich so fest an dieses hohe Gut klammern läßt, daß er alles bereit ist, dafür hinzugeben. – Während einer Seeschlacht ergriff ein Matrose mit seiner Hand die Reling des feindlichen Schiffes und hielt es fest, um so seinen Kameraden das Entern und die Übernahme des Schiffes zu ermöglichen. Die Feinde riefen ihm zu: „Laß los!“ Er hielt fest. Man drohte ihm. Er störte sich nicht daran. Man schlug mit dem Schwert nach seiner Hand; aber auch mit der verwundeten Hand hielt er fest, bis sie ganz abgeschlagen war. Dann hielt er mit der anderen Hand in gleicher Weise fest. Er wollte lieber die Hand und lieber beide Hände verlieren, als das einmal ergriffene Schiff wieder loslassen. Darin besteht die Standhaftigkeit des Glaubens, daß wir lieber alle Güter, alle Ämter, alle Ehren, alle lieben Personen, alle Bequemlichkeiten, ja selbst das Leben verlieren, als den Glauben loszulassen.

Leuchtende Beispiele der Standhaftigkeit sind natürlich die hl. Märtyrer. Es gibt keinen Vorteil, auf den sie nicht verzichtet, kein Leiden, das sie nicht erduldet, kein Gut, das sie nicht geopfert hätten, um den Glauben zu bewahren. Auch die spätere Geschichte der Kirche ist voll von solchen Beispielen in allen Ständen, Altersgruppen und Geschlechtern. – Wir sind Erben ihres Glaubens, Kinder derselben Kirche. Wir müßten uns schämen, wenn wir nicht im Vertrauen auf die Gnade Gottes und die Gabe der Stärke des Heiligen Geistes dazu bereit wären, in ihre Fußstapfen zu treten, wenn es die Umstände eines Tages von uns fordern sollten. Dazu ermuntert uns der Völkerapostel, wenn er im 2. Brief an Timotheus schreibt: „Zuverlässig ist das Wort; denn wenn wir mit Ihm [Christus] gestorben sind, werden wir auch mit Ihm leben; wenn wir duldend ausharren, werden wir auch mitherrschen; wenn wir Ihn verleugnen, so wird auch Er uns verleugnen.“ (2. Tim. 2,12).

Der Glaube muß lebendig sein

Schließlich muß dem Glauben noch eine letzte Eigenschaft zueigen sein, wenn er uns tatsächlich zum ewigen Heile dienlich sein soll. Er muß lebendig sein. Wann ist unser Glaube lebendig? – Er ist dann lebendig, wenn wir nach dem Glauben leben, d. h. das Böse meiden und das Gute tun; und zwar genauso, wie der katholische Glaube es vorschreibt.

a) Das Leben nach dem Glauben

Die Lebendigkeit des Glaubens führt zum Leben nach dem Glauben. Das ist leicht zu veranschaulichen. – Wie lange sagen wir, z. B. von einem Menschen, er sei lebendig? Es sei noch Leben in ihm? Solange er sich bewegt; solange wenigstens eine Spur von Bewegung an ihm zu erkennen ist. Wenn ein Mensch seine Füße bewegt, seine Hände, seine Zunge, seine Augen bewegt, dann ist es ganz offensichtlich, daß er lebendig ist. Aber auch wenn ein Mensch scheinbar leblos daliegt, wissen wir, daß er noch lebt, solange sich der Brustkorb noch hebt und senkt, solange wir den Herzschlag hören, solange wir den schwachen Puls spüren können. Solange ist er noch nicht tot, sondern lebendig.

Wann dürfen wir nun sagen: „Der Glaube ist lebendig?“ – Wenn der Glaube Einfluß übt auf das Leben des Menschen. Auf seine Werke, so daß er das Böse meidet und das Gute tut, gemäß der Lehre des katholischen Glaubens. In der Tat, da, wo tiefe, feste, gründliche Überzeugung von der Wahrheit des Glaubens vorhanden ist, da wird und muß der Glaube seine Kraft auch äußerlich in den guten Werken zeigen. Je lebendiger der Glaube, umso kräftiger die Werke. Wie zwischen dem kerngesunden, sprühenden Leben und dem Röcheln in den letzten Zügen zahllose Abstufungen bestehen, so gibt es auch hinsichtlich der Lebendigkeit des Glaubens unzählige Grade.

Stellen wir uns einen Katholiken vor, in dem die Wahrheit des Glaubens lebendig ist. Dieser Glaube zeigt ihm den allgegenwärtigen Gott. Ist es möglich, an diesen Gott zu denken und Ihn gleichzeitig ins Angesicht durch freiwillige Sünden zu beleidigen? Nein, der lebendige Glaube wird den Menschen mit hl. Ehrfurcht vor dem allwissenden und gerechten Gott erfüllen; je lebendiger, umso mehr! – Der Glaube zeigt ihm ferner den offenen, entsetzlichen, ewigen Abgrund der Hölle. Läßt es sich denken, daß er fest und lebendig daran glaubt und doch kaltschnäuzig jene Sünden begeht, die ihn in die Hölle stürzen? Gewiß nicht! Der Glaube wird bewirken, daß er alles meidet, was zu diesem Abgrund führen könnte; je lebendiger, umso mehr! – Der Glaube zeigt ihm sodann den Himmel, den der gütige Gott geschaffen und jenen versprochen hat, die Ihn lieben. Wie lieben wir aber Gott? Der Heiland hat es uns gesagt: „Wer Meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der Mich liebt.“ (Joh. 14,21). Ist es anzunehmen, daß jemand an diesen Himmel glaubt und doch keinen Finger dafür krumm machen wollte, sich Gewalt anzutun, um alle Gebote zu halten? der sich gehenläßt und seine Pflichten des Standes, des Berufes, der Religion vernachlässigt? der sich nicht täglich selbst verleugnet und sein Kreuz tapfer in der Nachfolge Christi auf sich nimmt? der nicht beständig nach dem Vollkommeneren strebt, um in dieses Land der Seligkeit zu gelangen? Im Gegenteil! Je lebendiger der Glaube, umso freudiger wird er alles unternehmen, sich erarbeiten und dulden, um das Land der Verheißung zu erreichen. – Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den heutigen US-Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Colorado Goldvorkommen entdeckt wurden, da setzte ein gewaltiger Goldrausch ein. Tausende und Abertausende strömten in kürzester Zeit und mit größtem Eifer dorthin, um an dem reichen Gewinn teilzunehmen.

Wo der Glaube lebendig ist, da betätigt er sich mit um so größerem Eifer; da bringt er auch reichere Wirkungen hervor. Wie das lebendige Samenkorn nach unten Wurzeln treibt, so treibt der Glaube die tiefen Wurzeln der Demut und der Geduld in den Boden der Seele hinein. Und nach oben entwickelt sich nach und nach ein zartes Pflänzchen, ein elastischer Schößling, ein mächtiger Stamm mit Ästen, Zweigen, Knospen, Blättern, Blüten und herrlichen Früchten, die da sind: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde, Güte, Langmut, Sanftmut, Treue, Mäßigkeit, Enthaltsamkeit, Keuschheit.“ Durch das Hervorbringen dieser lebendigen Früchte verwirklicht sich das Wort des hl. Paulus: „Der Gerechte lebt aus dem Glauben.“ (Gal. 3,11). Je lebendiger der Glaube, umso mehr wird den Früchten auch der Charakter des Übernatürlichen anhaften; gemeint sind jene heroischen Tugenden und Opfer, die wir an den Heiligen bewundern, die wir aber ohne einen solch lebendigen Grad des Glaubens nicht nachzuahmen vermögen.

Wo hingegen der Glaube gar keine Wirkung auf das Leben eines Menschen zeigt, keine Frucht, keine Reue, keine Selbstüberwindung, keine Hoffnung, kein Verlangen, keine guten Werke, da ist er tot. Da ist bloß eine Schale ohne Kern. Da ist der Glaube unnütz, ja sogar schädlich für das ewige Leben. Der hl. Apostel Jakobus sagt es kurz und bündig: „Der Glaube ohne die Werke ist tot.“ (Jak. 2,2). Wo der Glaube das Leben nicht bestimmt, ist er abgestorben. Der hl. Thomas von Aquin sagt zusammen mit anderen Theologen, daß die Hölle aufgrund zweier Gruppen von Menschen besteht: Erstens für diejenigen, die nicht glauben wollen; und zweitens für diejenigen, die zwar glauben, aber doch so leben, als würden sie nicht glauben.

b) Das Bekenntnis des Glaubens

Die erste Frucht des Glaubens ist also das Leben nach dem Glauben. Die andere nicht minder heilsnotwendige Frucht ist das Bekenntnis des Glaubens, wie der hl. Paulus an die Römer schreibt: „Mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, mit dem Munde aber geschieht das Bekenntnis zum Heile.“ (Röm. 10,10).

Alles, was innerlich und lebendig ist, sucht und strebt danach, sich nach außen kundzugeben. Ein starkes Licht sendet seine Strahlen in große Entfernung. Denken wir an die Sonne. – Ein stark brennendes Kaminfeuer erwärmt nicht nur sich selbst und den Kamin, sondern den ganzen Raum. – Freude und Traurigkeit bleiben nicht im stillen Kämmerlein des Herzens, sondern zeigen sich im Gesicht, in den Augen, im Gang und sogar im Klang der Stimme. – Der innerlich kochende Zorn gibt sich kund in der äußeren Heftigkeit, der Schnelligkeit, dem lauten Ton, in der scharfen Wortwahl.

Sollte der Glaube, wo er innerlich kräftig und lebendig vorhanden ist, sich nicht auch kundgeben? Gewiß, der lebendige Glaube gibt sich kund im Bekenntnis des Glaubens, durch Gebet, durch Beteiligung am Gottesdienst, durch den Empfang der hl. Sakramente, zumindest aber dadurch, daß der Mensch seinen Glauben nicht versteckt und verheimlicht oder ihn gar verleugnet.

Was könnte auch einen Katholiken mit lebendigem Glauben dazu bringen, eben diesen geliebten Glauben zu verleugnen? Etwa die Furcht vor zeitlichem Schaden? Welcher Schaden könnte aber so groß sein wie der Schaden, der aus der Verleugnung des Glaubens folgt? Der Heiland verspricht uns: „Wer Mich aber vor den Menschen verleugnet, den will auch Ich vor Meinem Vater verleugnen, der im Himmel ist.“ (Mt. 10,33). Kein irdischer Schaden käme diesem gleich! – Oder die Hoffnung auf zeitlichen Vorteil? Aber welchen Vorteil könnte dieses irdische Leben bieten, der so groß wäre wie der Nutzen, der mit dem offenen Bekenntnis des Glaubens verbunden ist? „Ein jeder, der Mich vor den Menschen bekennen wird, den will auch Ich vor Meinem Vater bekennen, der im Himmel ist.“ (Mt. 10,32). Das ist ein Schatz, den kein irdischer Vorteil aufwiegen kann! – Oder die Zurückweisung, der Hohn und Spott, das Unverständnis, welches das Bekenntnis des katholischen Glaubens in den Augen ungläubiger Mitmenschen hervorruft? Ist das Bekenntnis der Wahrheit, die Gott geoffenbart hat, etwa etwas Schändliches, dessen man sich schämen müßte? Das Bekenntnis jener Wahrheiten, welche die hl. Apostel verkündet, für welche die hl. Märtyrer ihr Blut vergossen haben, die durch so viele Jahrhunderte von so vielen Heiligen geglaubt, erklärt, verteidigt und bekannt worden sind? – Diejenigen sollten sich schämen, die sich gar keine Gedanken über Gott und ein gottgefälliges Leben machen und stattdessen in ihrer Dummheit und Unwissenheit müde über das Bekenntnis des katholischen Glaubens lächeln! Die im Herzen denken, der Mensch sei nur ein Tier, ohne unsterbliche Seele, ohne ewige Bestimmung; es gebe keinen Gott, keinen Himmel, keine Hölle, keine Ewigkeit, keine Ehe, kein Eigentum, keine gottgesetzte Obrigkeit, keine Beherrschung der Triebe, keine Standespflichten, keine Buße, keine zu erstrebenden Tugenden, keine zu überwindenden Laster. Diese Menschen hätten Grund, sich zu schämen! Doch tun sie es nicht. Hemmungslos lästern und spotten sie, ziehen den katholischen Glauben in den Schmutz, verdrehen ihn, bekritteln ihn, geben ihn der Lächerlichkeit preis. Und wir sollten uns schämen, die hl. Lehren unseres Glaubens, auf denen unser Heil und überhaupt die Ordnung jeder menschlichen Gesellschaft ruht, offen zu bekennen? – Als Streiter Christi dürfen wir uns weder unseres Glaubens schämen noch uns von den Anfeindungen einschüchtern lassen! „Ich schäme mich des Evangeliums nicht“, sagt der hl. Paulus, „indem es eine Kraft Gottes ist zum Heile für einen jeden, der daran glaubt.“ Wir müssen für den Glauben streiten. Der hl. Johannes feuert uns dabei an, indem er uns versichert: „Das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube.“ (1. Joh. 5,4).

Für das äußere Bekenntnis des katholischen Glaubens ist es jedoch nicht notwendig, ja manchmal nicht einmal empfehlenswert, daß wir den Glauben immer aufdringlich äußerlich zur Schau tragen. Nicht jeder hergelaufene Mensch hat ein Recht, unser Innerstes auszuforschen. Noch weniger dürfen wir, wie der Heiland mahnt, „das Heilige vor die Hunde und Perlen vor die Säue werfen, damit sie dieselben mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen.“ (Mt. 7,6). Mit den Hunden meint der Herr Menschen, die wie bösartige Hunde bellen und alles zerreißen, wenn man ihnen mit Religion kommt. Und die Schweine, das sind jene, die sich im sittlichen Schlamm suhlen und auch noch stolz darauf sind; die sich aber mit höchster Aggression gegen einen wenden, sobald man ihren sittlichen Wandel als anomal bzw. wider die Natur tadelt. Die Bosheit kann so groß sein, daß es besser ist, vor ihr das Heilige zu verbergen, damit es heiliggehalten werde. Auch die ersten Christen haben nicht selten und mit Recht ihren Glauben vor den Verfolgern verborgen. Aber dieses Verbergen darf nie etwas mit dem Verleugnen zu tun haben!

Der hl. Thomas von Aquin sagt, daß das aktive, öffentliche Bekennen des Glaubens erst dann zur Pflicht wird, wenn die Situation es erfordert. Und zwar entweder, wenn durch ein Verbergen die Ehre Gottes Schaden nehmen würde oder der Nächste im Glauben irregeführt werden könnte (vgl. S.th. II-II, q. 3 a. 2).

So ist es nie erlaubt, den Glauben zu leugnen. Etwa indem man direkt einer Häresie zustimmt oder indirekt, indem man etwas tut oder Handlungen unterläßt, die von den Anwesenden als eine Leugnung des Glaubens interpretiert werden könnten; beispielsweise wenn man zusammen mit anderen bei etwas Sündhaftem mitmacht, um sich nicht vor ihnen als Katholik zu „outen“.

Auch ist es nie erlaubt, aktiv an einem akatholischen Gottesdienst teilzunehmen. – Als Katholik kann man beispielsweise objektiv nicht ohne Sünde an den Messen der Piusbruderschaft teilnehmen, weil wir durch diese Handlung zu verstehen gäben, daß wir uns dem falschen Glauben der Lefebvrianer anschließen. Behaupten diese doch hartnäckig, der Papst und ein ökumenisches Konzil könnten zur Annahme falscher Lehren und über Jahrzehnte hinweg zur Feier einer falschen Liturgie und zweifelhafter Sakramente verpflichten; die Hierarchie der katholischen Kirche könne die Rechtgläubigen verfolgen; und wäre das der Fall, dann brauche man dem Papst nicht zu gehorchen, dürfe dessen verhängte Kirchenstrafen, wie etwa die der Exkommunikation, getrost ignorieren und dürfe ohne Sendung und wider das Verbot der katholischen Hirten ein weltweites Apostolat betreiben. Durch die aktive Teilnahme – also durch das Mitbeten und Mitsingen – an einer Messe der Piusbruderschaft würden wir all dem beipflichten und dadurch den katholischen Glauben verleugnen, der besagt: Eben weil „Leo XIV.“ und seine „konziliare Synodalkirche“ falschen Lehren verpflichtend zur Annahme vorlegen, kann er unmöglich ein wahrer Papst und kann folglich seine „Kirche“ unmöglich die katholische sein. Aus dem katholischen Glauben ergibt sich dann aber die schwere Pflicht, jenen Gottesdiensten, die im Namen eines falschen Kirchenoberhaupts und in Einheit mit einer falschen Kirche gehalten werden, fernzubleiben. Wer das ignoriert, verleugnet durch sein Verhalten den katholischen Glauben! Durch die aktive Teilnahme an einem akatholischen Gottesdienst nimmt nämlich die Ehre Gottes Schaden, weil man sich dadurch zu einer falschen Kirche bekennt bzw. sogar mit dieser in Einheit tritt. Ferner würde man auch den Nächsten irreführen, weil durch die aktive Teilnahme an den Gottesdiensten der Piusbruderschaft die dabei anwesenden Lefebvristen in ihrem falschen Tun von uns bestätigt und bestärkt würden bzw. Katholiken, die solches Verhalten sehen, ein Ärgernis gegeben würde. Was aber der Herr vom Ärgernis gesagt hat, das haben wir zuvor gehört: „Wer aber einem von diesen Kleinen, die an Mich glauben, Ärgernis gibt, dem wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er damit in die Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Ärgernisse! Ärgernisse müssen zwar kommen; aber wehe dem Menschen, durch den Ärgernis kommt!“ (Mt. 18,6 f.). – Nur unter gewissen Umständen kann eine passive Teilnahme an nicht-katholischen Gottesdiensten erlaubt sein. Unter passiver Teilnahme versteht man die rein physische Gegenwart, die rein äußerliche Anwesenheit, ohne geistliche Beteiligung. Man betet nicht mit, man singt nicht mit, sondern beschäftigt sich anderweitig. Eine passive Teilnahme an nicht-katholischen Gottesdiensten ist dann erlaubt, wenn ein wichtiger Grund aus amtlichen oder Höflichkeitsrücksichten die Teilnahme nahelegt – so etwa die akatholische Beerdigung eines guten Bekannten, die nicht-katholische Trauung eines Familienangehörigen oder eines guten Freundes. Diesen und ähnlichen Feierlichkeiten kann man passiv beiwohnen unter der Voraussetzung, daß die Gefahr des Abfalls oder des Ärgernisses ausgeschlossen ist (vgl. CIC can. 1258 § 2). – Auch ist es nicht verboten, im privaten Rahmen (nicht aber bei öffentlichen Anlässen oder Prozessionen) mit Häretikern rechtgläubige Gebete – etwa das Vaterunser oder den Rosenkranz – zu beten oder Lieder zu singen, wenn dadurch kein Ärgernis zu befürchten ist.

Ferner ist man verpflichtet, den Glauben zu bekennen, wenn man von der öffentlichen Autorität – also von den Inhabern und Vertretern der Staatsgewalt – darüber befragt wird. Wie bei den ersten Christen ist es zwar erlaubt, dieser Befragung auszuweichen oder ihr zu entfliehen. Wenn man jedoch etwa vor der Polizei oder dem Richter steht, darf man seine Glaubensüberzeugung nicht verleugnen.

Sodann ist es notwendig, sich zu bekennen, wenn man öffentlich oder privat dazu gezwungen wird, gegen den Glauben zu reden oder zu handeln. Etwa, wenn uns jemand dazu nötigen würde, am Freitag Fleisch zu essen; und zwar nicht aufgrund der Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit eines freundlichen, aber ungläubigen Gastgebers, sondern weil derjenige genau weiß, daß es uns als Katholiken untersagt ist, am Freitag Fleisch zu essen, und er uns gerade deshalb dazu nötigt, solches zu tun. Dazu kann man nicht ohne Sünde schweigen.

Schließlich können wir das Bekenntnis des Glaubens auch nicht ohne Sünde unterlassen, wenn eben durch unser Schweigen dem Nächsten ein Ärgernis gegeben und dieser in seinen religiösen Überzeugungen ins Wanken geraten würde. Etwa, wenn wir, so man uns nach dem Glauben fragt, dazu schweigen würden und andere anwesende Personen infolgedessen glaubten, entweder wir hätten den Glauben nicht oder wir seien der Meinung, was der Glaube lehrt, sei nicht wahr, oder wenn sich andere aufgrund unseres Schweigens vom Glauben abwenden würden. In solchen Fällen ist, wie der hl. Thomas sagt, das äußere Bekenntnis des Glaubens durchaus heilsnotwendig.

Credo

Im Verein mit der Gottesmutter und allen hl. Engeln des Himmels wollen wir mit unerschütterlicher Festigkeit alles, was Gott geoffenbart hat und uns durch die katholische Kirche lehrt, gläubig umfangen und annehmen. Wir wollen in wahrer Hochschätzung dieses großen Gnadengeschenks danach trachten, seine Inhalte immer besser kennenzulernen; sie in unserem Verstand, in unserem Gedächtnis, in unserem Herzen einwurzeln zu lassen. Wir wollen uns mit der ganzen Kraft unseres Willens an den Glauben in unüberwindlicher Standhaftigkeit festklammern und ihn in unserem Leben verlebendigen, indem wir konsequent nach seinen Maßstäben leben. Ja, wir wollen nicht nur aus dem Glauben leben, sondern ihn auch offen und freimütig, zur Ehre Gottes und zum Nutzen des Nächsten, nach außen bekennen, wenn das die Umstände erfordern.

Das alles, was wir heute und in den letzten Wochen betrachtet und erwogen haben, ist zusammengefaßt in dem einen kurzen Wort, das ganz zu Beginn des Glaubensbekenntnisses steht und das wir nun erneut mit voller Überzeugung sprechen werden: „Credo! – Ich glaube!“ Amen.

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